Samstagabend, Kylie Minoque, das Berghain
Am Samstagabend wollte ich ins Kino und rief einen alten Freund in Kreuzberg an, um ihn zu fragen, ob er mich begleiten wolle. Irgendwie konnten wir uns am Telefon auf keinen Film einigen. Er schlug vor, in Kreuzberg auf ein paar Drinks in eine Bar zu gehen und um Mitternacht das Berghain aufzusuchen.
Ich fuhr mit dem Bus nach Kreuzberg,
das Fahren mit der S-Bahn ist im Moment nicht ratsam in Berlin, weil es wegen hohem Reparaturbedarf zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen kommt.
In Kreuzberg in der Wohnung angekommen, schauten wir uns zu Auftakt des Abends einen Live-Mitschnitt des letztjährigen Berliner Konzertes von Kylie Minoque an, das mein Freund damals life miterleben durfte. Ein supertolles Video übrigens. Anschließend suchten wir die Kirk Bar am Schlesischen Tor auf und genossen hervorragend gemixten Southern Julep in schöner Atmosphäre.
Um langes Schlangestehen vor dem Eingang des Berghain zu vermeiden, fuhren wir um zwanzig vor 12 mit einer Taxe auf die andere Seite der Spree nach Friedrichshain. Die Rechnung ging auf, es gab noch keine Warteschlange, als wir ankamen, um 12, als der Club öffnete, waren wir die ersten Gäste in dieser Nacht. Nach eingegender Durchsuchung im Türbereich betritt man zunächst die Garderobe, einen hellen, riesigen Raum, der von einer monumentalen Wandgrafik von Piotr Nathan, “Rituale des Verschwindens”, beherrscht wird. Verlässt man die Garderobe, um in den großen Saal zu kommen, ist man im Dunkeln und die Musik ist laut. Dem Wummern der Musik kann man nicht entfliehen im Berghain, es ist allgegenwärtig, laut und hart. Man geht eine große Stahltreppe hinauf und kommt in den eigentlichen Club mit seiner großen Tanzfläche, um die herum Lautsprechergebirge installiert sind. Es war noch leer um diese frühe Zeit, ganz klar, wir gingen an der Tanzfläche vorbei und eine weitere Treppe nach oben in den zweiten Club, die Panorama Bar, um ein Bier zu trinken. Die Bar ist etwas kleiner und heller als das Berghain, die Musik eher housig. An der Theke stehend sahen wir zu, wie es schnell voll wurde. Die Musik war mir zu seicht da oben, wir gingen runter ins Berghain.
Der Floor war mittlerweile gefüllt. Ich schlug mich zur Mitte der Tanzfläche durch. Wer sich dort aufhält, kriegt ein Sounderlebnis allererster Güte. Die Musik kommt brutal hart und so laut, dass man die Schallwellen förmlich spüren kann, und mit absolut sauberem Klang. Es dauert keine zwei Minuten, und man ist hypnotisiert von diesen Rythmen, denen die Beine automatisch folgen. Das Bewusstsein für Raum und Zeit geht verloren, da ist nur noch dieser Sound und die vielen anderen Tänzer rundum, die dasselbe erleben und mit glücklichen Gesichtern abfeiern. Irgendwann ist man so durchnässt, als sei man gerade in die Spree gesprungen, aber auch das mindert den Spaß nicht im Geringsten. Sehr sehr geil.
In meiner Heimatstadt Saarbrücken wird solch harter Techno leider nicht oder sehr selten gespielt. Dort ist der Sound entweder gemäßigt, in
Richtung minimal House, oder aber die Tanzfläche bleibt leer. Sehr schade.
Meinen Freund habe ich zu fortgeschrittener Stunde nicht mehr finden können, hab irgenwann morgens noch ne SMS von ihm bekommen, er habe jemand nettes kennengelernt…. dann ist leider mein Akku zu Ende gegangen, so dass ich nicht mehr per Anruf rausfinden konnte, wo er sich gerade aufhielt. Ich blieb bis um 10:30 Uhr an diesem Morgen im Berghain, die große Tanzfläche habe ich zwischendurch nur verlassen, um an der Bar etwas zu trinken.
Als ich ging, war in beiden Clubs die Feierei noch in vollem Gange. Ich glaube, man kann locker bis Montagmorgen hierbleiben. Beim nächsten Mal. Auf jeden Fall.
July 20, 2009



















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