Wolfgang Staudt Fotografie

Fotografie und Kultur

Category: Dolomiten

Südtirol: ein Reisebericht

26. juli 2011 abschied von meran und suedtirol

Der heutige Tag wird mich am Abend wieder zu Hause in Saarbrücken sehen. Ich muss mich verabschieden von Meran, den Bergen, die es einrahmen, dem Rauschen der Passer, den fantastischen Promenaden mit den herrlich duftenden Blumenbeeten, dem Aurora Hotel, meinem Balkon über der Stadt, dem Abendessen auf der Terrasse an der Kurpromenade.

Ich werde wiederkommen, keine Frage, vielleicht werde dann ich meine Fotoausrüstung zu Hause vergessen und mich ganz und gar dem Flair Merans hingeben – davon werde ich träumen, wenn ich wieder im Alltagstrott stecke, zu Hause.

Verabschieden muss ich mich auch von Südtirol, den Dolomiten, den aufregenden Passstraßen, vom Höhenrausch..

Vielen Dank für alles und dafür, dass es euch gibt.

Südtirol: ein Reisebericht

23. juli 2011 über den wolken

Das Wetter sieht übel aus heute Morgen,
trotzdem mache ich mich um 5:30 Uhr auf den Weg. Mein erstes Ziel ist der Karersee, er soll ja einer der schönsten der vielen Alpenseen sein. Von Bozen aus erreiche ich den See über die Staatsstraße 241 durch das Eggental über Welschnofen. Er liegt direkt an der Straße, und es gibt einen gebührenpflichtigen Parkplatz.
Zunmächst bin ich ein wenig enttäuscht, wie klein der See ist, aber beim Umwandern steigt die Begeisterung, als der Dunst die Berge rundum freigibt, die sich im grünschimmernden Wasser des Sees spiegeln. Da ich recht früh hier bin, habe ich ihn für mich alleine, kein Mensch gegegnet mir.

Weiter geht es über den Karerpass nach Canazei, wo ich nach links Richtung Pordoijoch abbiege. Das 2239 m hohe Pordoijoch ist die neue Nummer eins in meiner Passsammlung. Die Fahrt nach oben macht Riesenspass,
oft halte ich an, um die immer neuen, fantastischen Ausblicke zu genießen. Oben angekommen, finde ich eine Cafeteria, wo ich eine Semmel mit Käse und Tiroler Speck und 2 Tassen Kaffee frühstücke. Gestärkt mache ich mich zu einer kleinen Wanderung auf. Es sind nur 11° hier oben, ich ziehe eine wärmende Jacke über. Man kann auch mit einer Seilbahn auf den 2950 m hohen Plateaufelsen Sass Pordoi fahren, die einfache Fahrt kostet 7,50 Euro. Das Ende der Seilbahn liegt in den Wolken, so dass eine Fahrt heute Morgen eine Tour in den Nebel bedeuten würde, was sich nicht wirklich lohnt.
Meine Wanderung führt mich in Richtung auf die gegenüberliegende Lankofelgruppe. Mit Freude stapfe ich aufwärts, ich fühle mich wohl hier oben. Leider wird der Nebel immer dichter, je höher ich komme… Ich beschließe, abzuwarten, vielleicht wird sich die Sonne ja durchsetzen,
und porträtiere einige Alpenblumen, zum Zeitvertreib. Meine Hoffnung wird enttäuscht, es fängt sogar an zu regnen, und ich muss den Rückzug antreten, froh, die feste Jacke übergezogen zu haben.

Ich verlasse diesen schönen Ort in Richtung auf Arabba, dort biege ich nach links ab, fege über den Campolongo-Pass nach Corvara, das ich durchfahre, um anschließend nach links auf die SS242 zum Grödnerjoch abzubiegen. Das Wetter verschlechtert sich zusehens, und eine Fahrt über das Grödnerjoch bedeutet den kürzesten Weg Richtung Meran von hier aus. Auf dem Joch in 2121 Metern Höhe angelangt, verweile ich noch ein wenig und mache ein paar Bilder, auf denen hauptsächlich Wolken zu sehen sein werden, und mache mich, als es abermals zu regnen beginnt, auf den Heimweg.
Eine spannende Fahrt, resümiere ich, zu Hause angekommen. Wie unterhaltsam doch Wolken sein können.


Share


Südtirol: ein Reisebericht

21. juli 2011 durch und über die Dolomiten

Für den heutigen Donnerstag habe ich mir auf den Plan geschrieben, Pässe zu sammeln. Nicht Reisepässe oder PAs, darin sind andere besser als ich, nein: Alpenpässe.
Es wurden insgesamt sieben, die ich heute Abend meiner Sammlung hinzufügen kann.
Ich will sie gleich nennen, der Reihenfolge nach, in der ich sie passiert habe: das Würzjoch (1987 m), den Passo di Valparola (2192 m), den Passo di Falzarego (2105 m), den Passo di Giau (2236 m), den Passo di Fédala (2057 m), das Sellajoch (2240 m), und zu guter Letzt, das Grödnerjoch (2121 m).

Am besten gefallen von allen hat mir der Passo di Giau, auch das will ich gleich ausposaunen, er reiht Spitzkehre an Spitzkehre durch eine fantastische Landschaft mit sagenhaften Ausblicken, er bietet superschöne Wanderwege, und das beste ist: er ist nicht überlaufen. Die Passstraße ist vergleichsweise schmal, trotzdem macht sie jede Menge Freude.
Noch mehr Spaß hatte ich dabei, vom Parkplatz aus einen breiten, befestigten Weg nach oben zu steigen. Der Weg ist sehr steil, deswegen planen die Leiter der umliegenden Altenheime ihre Ausflüge woanders ein, man kann hier entspannt wandern und trifft sogar mal junge, gutgelaunte Leute unterwegs. Ich begegne einigen Familien, die mit Picknickkörben bewaffnet nach oben steigen.
Es ist fast windstill, trotz der Höhe. Wie ich die geniale Aussicht genieße! Ich habe es geschafft: ich habe das Dach der Welt erklommen….

Das genauso leise wie romantische Klingeln der von weidenden Kühen am Hals getragenen Glocken wir ab und zu von Motorradfahrern, die Lärm mit Sportlichkeit verwechseln,
unterbrochen. Ein Missverständniss, dass dadurch potenziert wird, dass Motorradfahrer Herdenmenschen sind. Dieses “Problem” wird sich, so denke ich, in sehr absehbarer Zeit von selbst lösen, so ich das Alter der allermeisten Zweiradfans richtig schätze, gehören sie auf jeden Fall einer aussterbenden Spezies an.

Fangen wir von vorne an, ich bin um 5:30 heute morgen auf der Straße, fahre auf der Autobahn bis Brixen, von Brixen aus Richtung Würzjoch, dann bis St. Martin i. Thurn. Das Wetter ist traumhaft, erst in der zweiten Tageshälfte wird es sich verschlechtern. Die Straße ist schmal und kurvenreich, und vor allem: leer. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Ich lasse den Seat laufen, er ist breitreifig und bretthart gefedert, lässt sich wie ein Go-Kart um die Ecken lenken – er frisst
diese Straße, sehr zur Freude seines Passagiers. Der Parkplatz am Würzjoch ist fast leer, das wird im Tagesverlauf nicht mehr vorkommen…. Ich mache ein paar Bilder von den imposanten Geislerspitzen, die ich heute noch aus mehreren Perspektiven werde bewundern können.

In St. Martin fahre ich nach rechts auf die SS244 Richtung Stern, dort angekommen, halte ich mich wieder links zum Valparolapass. Dort wirkt die Bergwelt der Dolomiten noch schroffer, noch bizarrer als am Würzjoch. Genauso verhält es sich mit der Betriebsamkeit, es sind schon jede Menge Menschen unterwegs, viele von ihnen sehr auf recht hektische Weise, was mir immer ein wenig rätselhaft vorkommt. Wenn mir etwas gefällt und mein Interresse geweckt ist, dann lasse ich mir Zeit dabei, meine Neugier zu stillen. Der Ort, an dem ich gerade bin, das ist der
wichtigste auf der Welt für mich, so er mir gefällt, und diesen Ort werde ich in Ruhe erforschen, auch wenn ich dafür meinen Tagesplan ändern muss und ein anderer Ort, den ich noch nicht kenne, von der Liste gestrichen wird. Das schöne an Orten und Sehenswürdigkeiten ist ja, dass sie nicht weglaufen. Das Grödnerjoch wird auch morgen noch dasein, oder?

Am Falzaregopass biege ich links ab auf die SR48 Richtung Cortina, dann oberhalb von Cortina rechts auf die SP368 Richtung Selva di Cadore, über den genialen Passo di Giau, dann noch vor Selva di Cadore rechts auf die SP251 Richtung Rucava.

Auf dieser Straße gibt es einen Aussichtpunkt, der eine atemberaubende Sicht auf das tief unten im Tal liegende Caprile und den Lago d’Alleghe bietet.
Unbedingt hier anhalten!
Der Punkt ist leicht zu erkennen an einem massiven, hohen Stahlgeländer, das auf den Fels geschraubt ist. Es gibt sogar Bänke zum Picknicken. Da die Straße hier gut ausgebaut ist, fegen alle vorbei…. wie schade (siehe oben!). Ich habe mich, zusammen mit 3 sehr sympathischen Motorradfahrern, die ihrer Sprache nach aus Österreich stammten (ihre interressanten und sehr gepflegten Bikes, eine Bennelli Sei, eine Original Honda CB 750 aus den Siebzigern und eine etwa genauso alte Laverda, trugen tschechische Kennzeichen), mehr als eine halbe Stunde hier aufgehalten und Blick genossen.

Wie es weiter geht, ist klar, ihr könnt das in maps.google leicht nachvollziehen,
in Canazei nehme ich im Kreisverkehr die erste Ausfahrt und schraube mich zum Sellajoch hinauf, ein sehr schöner Pass, ich setze ihn auf den zweiten Platz meiner heutigen Eroberungen. Anschließend über das Grödnerjoch hinüber und dann Richtung Brixen und Meran.
Die beschriebene Strecke kann ich, was ihre landschaftlichen Reize angeht, auf jeden Fall empfehlen. Selten habe ich an einem einzigen Tag so viele so genial schöne Eindrücke gewonnen.
Eins möchte ich euch ans Herz legen: fahrt so früh los, wie es geht. Am besten vor Sonnenaufgang. Ihr werdet dafür, zumindest am Anfang, mit leeren Straßen und tauglänzenden Wiesen rechts und links derselben belohnt werden und eure Müdigkeit im nullkommanix vergessen.
Ab 10 Uhr morgens sind die Parkplätze voll, und die Passstraßen quellen über vor Verkehr. Mehr als einmal habe ich heute an die betörend einsamen Straßen Utahs und Arizonas gedacht, die ich im letzten Jahr be- und erfahren durfte.

Leider ist vor Brixen ein Tunnel wegen eines Unfalles gesperrt. Als ich ankomme, hat sich schon ein kilometerlanger Stau gebildet. Es ist RushHour, 17:30 Uhr, der Stau vergrößert sich rasend.
Ich beschließe, meine Zeit nicht mit Warten zu verplempern, sondern mir ein Restaurant zum Abendessen zu suchen. Das finde ich in St. Georgen/Bruneck, es heißt “Tiroler Hof”, und genauso sieht es auch aus. Ich gönne mir etwas und bestelle das Tagesmenü, das aus drei überraschend wohlschmeckenden Gängen besteht und seinen Preis von 20,50 Euro allemal wert ist.

Kurz vor 21 Uhr erreiche ich Meran. Ich war über fünfzehn Stunden unterwegs, acht davon habe ich am Steuer gesessen und 430 Kilometer zurückgelegt.
Zufrieden und glücklich. Was will man mehr.