10. märz pech am morgen, glücklicher nachmittag

Heute Morgen bin ich schon um halb sieben an den Playas del Papagayo. Gestern Morgen war ich auch schon hier, allerdings erst nach Sonnenaufgang, und konnte ein paar imposante Bilder gegenPlayas de Papagayo V die Sonne schießen, bevor das Wetter sich dramatisch verschlechterte. Jedenfalls konnte ich gestern feststellen, dass die Küste hier fantastisch geeignet ist für gute Bilder vom Sonnenaufgang, es gibt menschenleere Strände, fotogene Lavafelsen, die ins Meer ragen, und die Sonne geht über dem Wasser auf. Hat man Glück und es sind noch ein paar Wolken im Spiel, hat man ideale Voraussetzungen dafür, die besten Sonnenaufgangsbilder seiner Laufbahn zu erstellen. Heute Morgen habe ich Pech, es ist dick und stark bewölkt, das sehe ich, als die Dämmerung einsetzt. Petrus meint es nicht gut mit mir. Damit der Weg nicht ganz umsonst war, mache ich trotzdem Bilder. Außer mir ist niemand zu Gange hier heute. Gestern war das anders, ein junges Paar hatte am Strand die Nacht verbracht und war gerade am Aufwachen, als ich um die Ecke kam.

Auf die Papageienstrände aufmerksam geworden war ich durch meinen Reiseführer. Er beschreibt sie als die schönsten der Insel, als kleines Paradies.Playas de Papagayo III
Es handelt sich um ein halbes Dutzend Strände, sie liegen 5 bis 7 Kilometer östlich von Playa Blanca und sind von dort aus entweder zu Fuß, mit dem Auto oder per Wassertaxi zu erreichen. Mit dem Auto geht es über eine Schotterpiste zu den Stränden, man muss an einem Kassenhäuschen vorbei und eine Gebühr entrichten. Es ist wirklich wahr: man muss dafür bezahlen, auf einer Waschbrettpiste zu Stränden, die bis auf einen keinerlei Infrastruktur aufweisen, kräftig durchgeschüttelt zu werden. Dass das funktioniert, kann nur an dem Mythos liegen, der der Gegend anhaftet. Wie hoch die Gebühr ist, konnte ich nicht erfahren, zu der frühen Zeit, in der ich unterwegs war, ist die Kasse noch unbesetzt, und die Schranke steht offen.Playas de Papagayo VI Die Strände sind wirklich schön, malerische, von Lavafelsen eingerahmte Buchten mit feinem hellbraunem Sand – unberührte Natur.
Ich werde nicht aufgeben, vielleicht habe ich morgen früh mehr Glück. Als notorischer Frühaufsteher habe ich kein Problem damit, morgen früh um dieselbe Zeit wieder zur Stelle zu sein.

Am späten Vormittag breche ich auf, den Norden der Insel zu erkunden. Mein erstes Ziel ist der von César Manrique gestaltete Jardin de Cactus. Dort angekommen, ist kaum ein Parkplatz zu finden. Außerdem beginnt es gerade heftig mit regnen. Petrus hat sich gegen mich verschworen….. Ich vertage meinen Besuch auf morgen und nehme mir vor, um 10 Uhr hier zu sein, wenn der Garten seine Tore öffnet, in der Hoffnung, dass sich um diese Zeit der Betrieb noch in Grenzen hält.

Passiert man die LZ1 auf dem Weg zu Jardin de Cactus, fallen die vielen Felder mit Opuntien,Lanzarote Opuntia Feigenkakteen, auf. Es sind Läusekulturen. Es geht hier um die Cochenillelaus, die einen karminroten Saft in ihrem Körper produziert, der für die Herstellung von rotgefärbten Lebensmitteln und Kosmetika unentbehrlich ist. Campari und roter Martini verdanken ihre Farbe dem ungiftigen Farbstoff der Cochenillelaus, und die kosmetische Industrie ist für ihre roten Lippenstifte auf die Laus angewiesen. Die Kaktuspflanzen werden von den Bauern mit weiblichen Läusen “geimpft”, die ihre Eier in die Pflanze legen. Innerhalb von 2 bis 3 Monaten wachsen die aus den Eiern geschlüpften Larven zu ihrer vollen Größe heran. Man kann die Stellen, an denen sie sich an dem Kaktus laben, an einem weißen, wolleartigen Stoff gut erkennen. Die ausgewachsenen Larven Mirador del Río Signwerden von der Pflanze abgekratzt, in kochendem Wasser getötet und in der Sonne getrocknet. Schließlich werden sie zu rotem Pulver zermahlen, dem Cochenille, dem Farbstoff.

Mein Weg führt mich direkt zum Mirador del Río. Der 479 Meter hohe Aussichtspunkt ist wie der Jardin de Cactus ein Werk des Künstlers César Manriques, dem die Insel Lanzarote viel zu verdanken hat. Er hat ein künstliches Bauwerk von beachtlicher Größe so perfekt in den Fels hineingebaut, dass es von außen kaum als solches zu erkennen ist. Der Eintritt kostet 4,50 Euro, das ist ein Spottpreis für das, was in dem Bauwerk geboten wird. Die Architektur ist genauso schlicht wie imposant,Mirador del Río Floor es existieren insgesamt 3 Stockwerke, mit einem Café im 1. Geschoss, das mit seinen riesigen Fenstern, die einen genialen Ausblick auf die darunter liegende Meerenge Río, die Lanzarote von der Insel La Graciosa trennt, zum Verweilen einlädt. Von dort kommt man über eine Wendeltreppe direkt in den 2. Stock, ein Ladengeschäft, in dem man originelle Andenken erstehen kann. Die Wendeltreppe führt weiter zu einer weiteren Terrasse mit grandiosem Blick auf La Graciosa und die dahinter liegenden unbewohnten Inseln Montana Clara und Alegranza auf der einen Seite und auf den Vulkan La Corona auf der anderen. La Graciosa
Ich konnte Leute beobachten, die im Eingang zum Mirador umgekehrt sind, als sie den Eintrittspreis erfuhren. Wenn sie wüssten, was sie verpasst haben.
Das üble Wetter des heutigen Tages habe ich ja schon zur Genüge erwähnt. Es hat den halben Tag geregnet, und der Süden der Insel liegt immer noch unter schwarzen Wolken, nur die Insel La Graciosa hier im äußersten Norden, lässt sich in ihrer Pracht in strahlendem Sonnenschein bewundern.
Danke, lieber Petrus.

Mirador del Río Stairs

Mirador del Río

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