18. juli 2011 saarbrücken – meran mit ein paar umwegen

Als 11 oder 12jähriger Junge, so genau weiß ich das nicht mehr, habe ich einmal einen dreiwöchigen Urlaub in Meran,Pfronten, Germany Südtirol, verbracht. Diese 3 Wochen habe ich seither als ein richtig tolles Erlebnis im Gedächnis, es hat mir sehr gut gefallen in Meran, und immer schon wollte ich diese Stadt nochmal besuchen.
Heute ist es soweit, ich breche auf, die Alpen zu überqueren.
Von Meran aus kann hat man es mit dem Auto nicht weit zu einigen der berühmtesten und höchsten Alpenpässe, wie zum Beispiel der Reschenpass, das Stilfser Joch, Ofenpass, Timmelsjoch usw. Diese Pässe möchte ich erfahren und erleben und natürlich fotografisch aufnehmen. Meran ist ja berühmt für sein mediterranes, ungewöhnlich mildes Klima, ich hoffe sehr, dass das Wetter mitspielt.Niederthai, Austria
In Wikipedia kann man über das Klima Merans lesen:
Das Klima Merans ist mediterran geprägt; übers Jahr werden durchschnittlich ca. 300 Sonnentage gezählt. Von der Texelgruppe im Norden und Nordwesten wird der Talkessel vor Niederschlägen und kalten Winden gut geschützt. Das nach Süden geöffnete Tal sorgt für die Zufuhr ausgeglichen warmer Luft (auch im Spätherbst und im Frühjahr), wodurch das Wachstum mediterraner Pflanzen wie z. B. Palmen, Zypressen, Steineichen, Lorbeer, Myrthen und Libanonzedern begünstigt wird. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 11,5 Grad; die Januardurchschnittstemperatur 1,1 Grad, die Julidurchschnittstemperatur 21,7 Grad. (Mittlere Höchsttemperaturen: Jan. 6,5 Grad; Juli 29,5 Grad; mittlere Tiefsttemperaturen: Jan. -4,3 Grad, Juli 13,9 Grad). Jahresniederschlag im Mittel: rund 700 mm, mit relativ trockenen Wintern und relativ feuchten Sommern.Kehre 9

Um 4:30 am Morgen bin ich auf der Straße, passiere die Bundesstraße 10 und fahre ab Karlsrunhe über die A8 weiter Richtung Süden. Ab dem Kreuz Ulm/Elchingen geht es dann auf der A7 weiter Richtung Innsbruck. Mein Navigationsgerät heißt mich mitten auf der Strecke, die Autobahn zu verlassen, ohne dass ich den Sinn verstehe – wahrscheinlich gibt es Richtung Innsbruck Staumeldungen. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Gerät gemacht, was das Umfahren von Staus angeht, also verlasse ich die Autobahn, wie geheißen, und fahre fortan Landstraße, bis auf einige wenige Autobahnstücke in Österreich, bis zu meinem Ziel.
Bei Pfronten im Allgäu überquere ich die Grenze nach Österreich, und lande schließlich im Ötztal, dass ich ganz durchfahre. Welcome to SuedtirolEs macht einen sehr auf Tourismus eingestellten Eindruck, manche Orte kommen mir vor wie ganzjährig geöffnete Rummelplätze, die Straßen quellen über vor Menschenmassen, für mich ein Urlaubs-Alptraum. Das Wetter ist sehr schlecht, und als ich in Umhausen einen Wegweiser zu Wasserfällen sehe, biege ich kurz entschlossen ab, ich habe ja Zeit genug, bei diesem Wetter verpasse ich in Meran garantiert nichts. Es ist nicht weit zu den Wasserfällen, dort angekommen, bereue ich jedoch meine Entscheidung, was diesen Abstecher angeht, weil schon auf dem Parkplatz, der zu den Fällen gehört, rummelplatzartige Zustände auszumachen sind. Ich fahre einfach weiter Timmelsjoch und komme so in das kleine Dörfchen Niederthai, sehr malerisch, ich steige aus, um ein Bilder aufzunehmen.
Weiter geht es durch die Stubaier Alpen, bis zum Timmelsjoch. Das Timmelsjoch ist ein 2474 Meter hoher Grenzpass zwischen Österreich und Italien. Der Pass ist mautpflichtig, die Gebühr beträgt 14 Euro. Es sind 9 Spitzkehren bis zur Grenze, falls ich richtig gezählt habe, und witzigerweise steht an jeder der Kehren ein Schild mit der jeweiligen Nummer und der Höhe über NN. Leider wird ab der Kehre Nummer 7 der Nebel so dicht, dass ich von der Landschaft nichts mehr mitkriege, ich habe Mühe, dem Verlauf der Straße zu folgen, so schlecht ist die Sicht.
Die Abfahrt auf italienischer Seite kommt mir sehr viel länger und kurvenreicher vor als die Strecke auf der österreichischen Seite. Mehrere Tunnels sind zu passieren, in welchen sich der Nebel ebenfalls breit gemacht hat, was mir ein überaus gespenstisches, noch nie zuvor gehabtes Fahrerlebnis beschert. Der Verkehr ist sehr dünn, ich bin die ganze Zeit alleine auf meiner Spur, und nur selten hab ich Gegenverkehr.Meran
Meine Hoffnung, Italien würde mich auf der jenseitigen Seite des Passes mit besserem Wetter empfangen, wird durch starken Regen enttäuscht. Auch in Meran, das ich schließlich gegen 14:30 Uhr und rund 700 Kilometern Fahrt erreiche, regnet es leicht. Im Hotel Aurora erhalte ich ein sehr sympathisches Einzelzimmer in der vierten Etage mit einem gigantischen Balkon. Das macht Laune, hier werde ich aushalten können.

Nachdem ich mich eingerichtet habe, lasse ich mich ein wenig durch die Straßen und Gassen der Stadt treiben. Die meisten von Ihnen sind eng, wie man es von italienischen Städten kennt. Hotel Aurora, MeranWer gerade wie aus Berlin, wo man gemeinhin auf weitläufigen Straßen mit breiten Gehwegen flaniert, kommt, für den ist die erwähnte Enge erstmal sehr gewöhnungsbedürftig.
Das meinem Hotel angegliederte Restaurant ist sehr teuer, ich lese die ausgestellten Karten der Restaurants, an denen ich vorbeilaufe. Leider gibt es kaum Unterschiede, was die Auswahl der gebotenen Gerichte angeht. Fantasie zeigen die Wirte allerdings, wenn es um die Preisgestaltung geht, nur die Berge rund um die Stadt sind höher. Ich möchte kein fettes Fleisch- oder Knödelgericht zu Abend essen und entscheide mich am Ende für eine indisches Restaurant.

Der Wetterbericht für Dienstag verspricht kaum bessere Verhältnisse, ich werde morgen also keine Passfahrten unternehmen, um einen Reinfall wie am Timmelsjoch auszuschließen. Was ich bisher von Meran gesehen habe, ist mir sympathisch, ich werde den Dienstag nutzen, meine Eindrücke zu vertiefen.
Mal sehen.

19. juli 2011 ein weg mit aussichten

Das Wetter ist nicht der Reißer heute Morgen – die Gipfel rundum stehen im Wolkendunst.
In einem Prospekt, den mit die freundliche Rezeptionistin des Aurora gestern samt Stadtplan überreicht hat, habe ich vom TappeinerwegMeran - Gratsch gelesen, einer etwa 6 Kilometer langen Promenade, die am Hang des Küchelbergs etwa 100 m über dem Meraner Talkessel verläuft und naturgemäß herrliche Ausblicke auf die Stadt bietet.
Gegen 8:30 Uhr, nach dem Frühstück, laufe ich los.
Wer jemals in Italien war, weiß, dass das Frühstück made in Italia keine Abschweifung wert ist – ich möchte es trotzdem kurz erwähnen. Als Besonderheit gilt es schon, schwarzen Kaffee zu bestellen. Italiener trinken morgens Cappuchino oder Latte. Ich bin der erste Gast im Frühstücksraum heute Morgen, und die Serviererin redet mich zu meinem Erstaunen in italienischer Sprache an. Nun gut, meine Sprachkenntnisse reichen aus, einen Kaffee ohne Milch zu bestellen… umso verblüffter bin ich, als diesselbe Serviererin mit dem nächsten Gast in akzentfreiem Deutsch parliert. Sie hat mich für einen Italiener gehalten – dass wird mir heute noch mehrmals passieren.
Zurück zum Frühstück: das kann man in Italien nicht. Meran KurhausMit Frühstück meinen die Italiener ein Croissant, das man zeitungslesend in den schon erwähnten Latte tunkt. Sonst nichts. Das Buffet im Hotel ist zwar sehr umfangreich, aber eben lieblos hergerichtet. Zugegeben, ich bin ein Frühstücksfan, ich liebe es, warme Speisen zu frühstücken, Bratkartoffeln, Rühr- oder Spiegelei, gebratenen Speck, Würstchen mit Senf… Das einzig warme jedoch, das dieses Buffet bietet, sind hartgekochte Eier. Das Brot ist knochentrocken und entbehrt jeden Geschmack, auch eine typisch italienische Un-Art. Ich labe mich an den frischen Früchten, die es sowohl einzeln als auch in Form einer Schüssel mit Obstsalat gibt.
Danach laufe ich also los, zunächst über die Kurpromenade, Meran - Pfarrkirche St. Nikolausan der ja auch das Aurora liegt. Ich komme am Kurhaus vorbei, das auf jeden Fall ein Foto wert ist. Überall auf der Promenade kommt man an Inseln mit blühenden Pflanzen vorbei, so wunderschön arrangiert und so herrlich duftend, wie ich es in Deutschland noch nie erleben durfte. Ein Lob der Stadtgärtnerei und dem milden Klima Merans.
Ich passiere das Kurhaus und laufe nach links zur Pfarreikirche St. Nikolaus hinauf. Vom Pfarrplatz aus erreiche ich über eine steile Treppe mein Ziel, den Tappeinerweg. Hat man den Weg erst erstiegen, hat die Anstrengung auch schon ein Ende – der Weg verläuft fast völlig eben bis zum Stadtteil Gratsch. An seinem Ende gebt es eine Bushaltestelle, wer will, kann also von hier aus mit dem Bus zum Stadtzentrum zurückkehren.
Ich bin den Weg zweimal gelaufen, hin und zurück, denn es ist ein einmalig schöner Weg.
Nicht nur für die in der Tat sagenhaften Aussichten auf Meran kann man sich begeistern, sondern auch für die exotische, zum Teil betörend duftende Pflanzenwelt, die der Weg aufbietet.Meran
An Nadelbäumen sind vor allem Pinie und Himalajazeder häufig gepflanzt; an Laubbäumen und -sträuchern sind Korkeiche, Ölbaum, Europäischer Zürgelbaum, Westlicher Erdbeerbaum, Eukalyptus, Bambusarten und Magnolien zu nennen. Einen süßen Duft – wie der Name schon verspricht – verströmen die Blüten der Süßen Duftblüte (Osmanthus fragrans). Auch Chinesische Hanfpalmen, Agaven, Aloen und Opuntien sind gepflanzt, daneben viele kleinere Blütenpflanzen und Bodendecker.
Die Gemeinde Meran führt einen Baumkataster, in dem auch ein großer Teil der entlang des Tappeinerwegs anzutreffenden größeren Bäume und Sträucher aufgeführt sind. Dieser Baumkataster ist im Internet aufrufbar. Eine Statistik in diesem Kataster führt über Meran Tappeinerweg II400 Baum- und Strauchexemplare auf. Diese sind entlang des Tappeinerweges mit einem nummerierten Schild beschriftet, so dass der Tappeinerweg auch als ein botanischer Lehrpfad benutzt werden kann.
(Wikipedia)
Auf dem Rückweg laufe ich noch ein Stück der Gilfpromenade, die sich am Zenoberg nahtlos an den Tappeinerweg anschließt. Ich komme zur Gilfklamm, einer engen Felsenschlucht, durch die sich der Wildbach Passer mit gewaltig schäumendem Getöse zwängt.
Über die Winterpromenade an der Passer entlang erreiche ich am Ende wieder meinen Ausgangspunkt, die Kurpromenade. Und Massen von Menschen, die in und vor den zahlreichen Cafés und Restaurants den Tag genießen.
Eine lebendige Stadt, meine Urlaubsheimat.

Meran - Gilfklamm

Meran - Tappeinerweg

20. juli 2011 durch den vinschgau und über den reschenpass

Die Uhr zeigt schon halb acht, als ich erwache, für mich ein ungewöhnlich spätes Erwachen. Das spricht für das Aurora Hotel, ich schlafe hier ruhig und gut und erwache ausgeruht.
Ein Blick aus dem Fenster erstickt jede Euphorie im Keim, der Regen, der gestern Abend begann, hält leider immer noch an. Ich lasse es also gemütlich angehen mit dem Frühstücken und überlege, wie ich den Tag am besten gestalte. Vinschgau -KastelbellEine Wanderung scheidet naturgemäß aus, bleibt als Alternative eine Tour mit dem Auto. Ich suche mir eine Strecke durch den Vinschgau mit Ziel Reschenpass aus und hoffe, dass das Wetter im Tagesverlauf ein Einsehen haben wird.

Los gehts über die Staatsstraße 38 über Partschins, Naturns, Tschars nach Kastelbell. Dort halte ich an dem gleichnamigen Schloss. Es regnet nicht mehr, und ich vertrete mir ein wenig die Beine, indem ich vom Schloss, das noch geschlossen ist, bergauf wandere, durch Obstplantagen und Weinberge, die abwechselnd das Landschaftsbild des gesamten Vinschgaus prägen. Der Weg nach oben verläuft sehr sehr steil und endet an einem Bauernhof mit angeschlossener Gastronomie. Vinschgau
Von hier oben schieße ich ein paar Fotos ins Tal hinab. Der Aufstieg hat mir Freude gemacht. Am Schloss angekommen, fahre ich weiter Richtung Reschenpass, leider immer wieder von Regenschauern begleitet. Der Verkehr auf der SS40 ist sehr dicht, ein Überholen auf der kurvenreichen Strecke ist selten möglich und im Grunde genommen auch sinnlos.
Ich passiere den Haidersee, Reschensee und Reschenpass und halte ein zweites Mal am Naudererschloss in Nauders an. Vom Schloss aus hat man eine schöne Panoramasicht auf Nauders, das malerisch wolkenverhangen zwischen den Bergen daliegt. Für bestimmte Effekte hat ein solches Wetter auch sein Gutes….Nauders, Austria

Natürlich kann, wer den Reschensee passiert, nicht umhin, den Parkplatz anzusteuern, von dem aus man den alten Kirchturm des urprünglichen Ortes Graun besichtigen und bewundern kann, der als Überrest des im See versunkenen alten Grauns aus dem Wasser wie ein ewiger Zeuge herausragt.

Die Reste des eigentlichen Graun befinden sich heute auf dem Grund des Sees, eines Stausees, der 1950 für die Stromgewinnung errichtet wurde. Bis auf den denkmalgeschützten Kirchturm wurden alle Gebäude geschleift, das Dorf wurde am östlichen Talrand neu erstellt und die Bevölkerung umgesiedelt. Der Kirchturm von St. Peter, der heute aus dem See ragt, ist das einzige, was vom ehemaligen Graun noch erhalten geblieben ist.(Wikipedia)

Ich schätze mal ganz spontan, dass dieser Turm Vinschgau - Reschenseenach seinem schiefen Kollegen in Pisa der am zweithäufigsten fotografierte Turm der Welt ist. Das Fremdenverkehrsamt hat sogar eine Kameraanlage mit Selbstauslöser installiert, mit Hilfe derer man auf Knopfdruck ein Bild von sich selbst vor dem Turm aufnehmen kann, dass man dann später im Internet bewundern kann…

Ich halte also hier an und mache ein paar Fotos von dem Turm, wobei ich aufpassen muss, dass meine Aufnahmen nicht durch Regentropfen auf dem Objektiv zerstört werden.
Der Verkäufer eines Obststandes spricht mich freundlich an, er möchte, dass ich ein Bild von ihm aufnehme, dass ihn vor seinem Stand zeigt. Das tue ich gerne, er schreibt mit seine E-Mail-Adresse auf eine Ansichtskarte und schenkt mir eine ganze Tüte mit verschiedenen Früchten gefüllt zum Dank.
Schließlich fahre ich weiter, und biege in Graun ganz spontan nach links ins Langtauferer Tal ab. Ein toller Entschluss, wie sich herausstellt, den das Tal glänzt nicht nur mit sagenhaften Ausblicken, sondern auch durch seine sagenhafte Einsamkeit, Vinschgau - Langtauferer Talüber die ich nach dem Rummel in Graun mehr als glücklich bin. Die schmale Straße windet sich bis nach Melag durch eine schroffe Berglandschaft, die mich immer wieder zum Fotografieren anhalten lässt. Bei einem solchen Stopp lerne ich einen auffallend geschmackvoll gekleideten 82jährigen Herrn aus Krefeld kennen, der mir erzählt, dass er schon seit über 30 Jahren mehrmals im Jahr ein paar Wochen Zeit in diesem Tal verbringt. Der Glückliche.

In dem festen Glauben, dass ich der Landschaft des Vinschgaues trotz widriger Wetterbedingungen ein paar stimmungsvolle Bilder abgewinnen konnte, fahre ich zurück ins schöne Meran, dass ich gegen 16:45 erreiche.
Ich habe nicht das Gefühl, mich über irgendetwas ärgern zu müssen.

21. juli 2011 durch und über die Dolomiten

Für den heutigen Donnerstag habe ich mir auf den Plan geschrieben, Pässe zu sammeln. Nicht Reisepässe oder PAs, darin sind andere besser als ich, nein: Alpenpässe.
Es wurden insgesamt sieben, die ich heute Abend meiner Sammlung hinzufügen kann.Dolomiten - Würzjoch Ich will sie gleich nennen, der Reihenfolge nach, in der ich sie passiert habe: das Würzjoch (1987 m), den Passo di Valparola (2192 m), den Passo di Falzarego (2105 m), den Passo di Giau (2236 m), den Passo di Fédala (2057 m), das Sellajoch (2240 m), und zu guter Letzt, das Grödnerjoch (2121 m).

Am besten gefallen von allen hat mir der Passo di Giau, auch das will ich gleich ausposaunen, er reiht Spitzkehre an Spitzkehre durch eine fantastische Landschaft mit sagenhaften Ausblicken, er bietet superschöne Wanderwege, und das beste ist: er ist nicht überlaufen. Die Passstraße ist vergleichsweise schmal, trotzdem macht sie jede Menge Freude. Dolomites - Passo di Giau IINoch mehr Spaß hatte ich dabei, vom Parkplatz aus einen breiten, befestigten Weg nach oben zu steigen. Der Weg ist sehr steil, deswegen planen die Leiter der umliegenden Altenheime ihre Ausflüge woanders ein, man kann hier entspannt wandern und trifft sogar mal junge, gutgelaunte Leute unterwegs. Ich begegne einigen Familien, die mit Picknickkörben bewaffnet nach oben steigen.
Es ist fast windstill, trotz der Höhe. Wie ich die geniale Aussicht genieße! Ich habe es geschafft: ich habe das Dach der Welt erklommen….

Das genauso leise wie romantische Klingeln der von weidenden Kühen am Hals getragenen Glocken wir ab und zu von Motorradfahrern, die Lärm mit Sportlichkeit verwechseln,Me @ Dolomites unterbrochen. Ein Missverständniss, dass dadurch potenziert wird, dass Motorradfahrer Herdenmenschen sind. Dieses „Problem“ wird sich, so denke ich, in sehr absehbarer Zeit von selbst lösen, so ich das Alter der allermeisten Zweiradfans richtig schätze, gehören sie auf jeden Fall einer aussterbenden Spezies an.

Fangen wir von vorne an, ich bin um 5:30 heute morgen auf der Straße, fahre auf der Autobahn bis Brixen, von Brixen aus Richtung Würzjoch, dann bis St. Martin i. Thurn. Das Wetter ist traumhaft, erst in der zweiten Tageshälfte wird es sich verschlechtern. Die Straße ist schmal und kurvenreich, und vor allem: leer. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Ich lasse den Seat laufen, er ist breitreifig und bretthart gefedert, lässt sich wie ein Go-Kart um die Ecken lenken – er frisstDolomites - Passo di Giau IV diese Straße, sehr zur Freude seines Passagiers. Der Parkplatz am Würzjoch ist fast leer, das wird im Tagesverlauf nicht mehr vorkommen…. Ich mache ein paar Bilder von den imposanten Geislerspitzen, die ich heute noch aus mehreren Perspektiven werde bewundern können.

In St. Martin fahre ich nach rechts auf die SS244 Richtung Stern, dort angekommen, halte ich mich wieder links zum Valparolapass. Dort wirkt die Bergwelt der Dolomiten noch schroffer, noch bizarrer als am Würzjoch. Genauso verhält es sich mit der Betriebsamkeit, es sind schon jede Menge Menschen unterwegs, viele von ihnen sehr auf recht hektische Weise, was mir immer ein wenig rätselhaft vorkommt. Wenn mir etwas gefällt und mein Interresse geweckt ist, dann lasse ich mir Zeit dabei, meine Neugier zu stillen. Der Ort, an dem ich gerade bin, das ist derDolomites - Passo di Valparola wichtigste auf der Welt für mich, so er mir gefällt, und diesen Ort werde ich in Ruhe erforschen, auch wenn ich dafür meinen Tagesplan ändern muss und ein anderer Ort, den ich noch nicht kenne, von der Liste gestrichen wird. Das schöne an Orten und Sehenswürdigkeiten ist ja, dass sie nicht weglaufen. Das Grödnerjoch wird auch morgen noch dasein, oder?

Am Falzaregopass biege ich links ab auf die SR48 Richtung Cortina, dann oberhalb von Cortina rechts auf die SP368 Richtung Selva di Cadore, über den genialen Passo di Giau, dann noch vor Selva di Cadore rechts auf die SP251 Richtung Rucava.

Dolomites - Passo di GiauAuf dieser Straße gibt es einen Aussichtpunkt, der eine atemberaubende Sicht auf das tief unten im Tal liegende Caprile und den Lago d’Alleghe bietet.
Unbedingt hier anhalten!
Der Punkt ist leicht zu erkennen an einem massiven, hohen Stahlgeländer, das auf den Fels geschraubt ist. Es gibt sogar Bänke zum Picknicken. Da die Straße hier gut ausgebaut ist, fegen alle vorbei…. wie schade (siehe oben!). Ich habe mich, zusammen mit 3 sehr sympathischen Motorradfahrern, die ihrer Sprache nach aus Österreich stammten (ihre interressanten und sehr gepflegten Bikes, eine Bennelli Sei, eine Original Honda CB 750 aus den Siebzigern und eine etwa genauso alte Laverda, trugen tschechische Kennzeichen), mehr als eine halbe Stunde hier aufgehalten und Blick genossen.

Wie es weiter geht, ist klar, ihr könnt das in maps.google leicht nachvollziehen,Dolomiten  - Lago d'Alleghe in Canazei nehme ich im Kreisverkehr die erste Ausfahrt und schraube mich zum Sellajoch hinauf, ein sehr schöner Pass, ich setze ihn auf den zweiten Platz meiner heutigen Eroberungen. Anschließend über das Grödnerjoch hinüber und dann Richtung Brixen und Meran.
Die beschriebene Strecke kann ich, was ihre landschaftlichen Reize angeht, auf jeden Fall empfehlen. Selten habe ich an einem einzigen Tag so viele so genial schöne Eindrücke gewonnen.
Eins möchte ich euch ans Herz legen: fahrt so früh los, wie es geht. Am besten vor Sonnenaufgang. Ihr werdet dafür, zumindest am Anfang, mit leeren Straßen und tauglänzenden Wiesen rechts und links derselben belohnt werden und eure Müdigkeit im nullkommanix vergessen.
Ab 10 Uhr morgens sind die Parkplätze voll, und die Passstraßen quellen über vor Verkehr. Mehr als einmal habe ich heute an die betörend einsamen Straßen Utahs und Arizonas gedacht, die ich im letzten Jahr be- und erfahren durfte. Dolomites - Passo di Giau III

Leider ist vor Brixen ein Tunnel wegen eines Unfalles gesperrt. Als ich ankomme, hat sich schon ein kilometerlanger Stau gebildet. Es ist RushHour, 17:30 Uhr, der Stau vergrößert sich rasend.
Ich beschließe, meine Zeit nicht mit Warten zu verplempern, sondern mir ein Restaurant zum Abendessen zu suchen. Das finde ich in St. Georgen/Bruneck, es heißt „Tiroler Hof“, und genauso sieht es auch aus. Ich gönne mir etwas und bestelle das Tagesmenü, das aus drei überraschend wohlschmeckenden Gängen besteht und seinen Preis von 20,50 Euro allemal wert ist.

Kurz vor 21 Uhr erreiche ich Meran. Ich war über fünfzehn Stunden unterwegs, acht davon habe ich am Steuer gesessen und 430 Kilometer zurückgelegt.
Zufrieden und glücklich. Was will man mehr.

Dolomiten - Blumengruß

22. juli 2011 lazy day in meran

Meran ist eine Stadt mit etwa 40 000 Einwohnern. Mein Hotel, das Aurora, steht mitten in dieser Stadt. Ich habe es mir schon sehr lange zur Gewohnheit gemacht, wenn ich mir eine Urlaubsregion aussuche, ein Hotel Hotel Aurora, Meran in einer größeren Stadt in dieser Region zu buchen. Viele meiner Bekannten verstehen nicht, „wie man seinen wertvollen Urlaub zwischen Hochhäusern und Abgasen verbringen kann“.

Natürlich ist es meist billiger, ein Hotel in einem Dorf derselben Region zu buchen. In einem Ort, der Sommers wie Winters das Zehnfache und mehr Menschen bewirtet, als er selber Einwohner hat. Es gibt hunderte solcher Dörfer in den Alpen, mit tausenden familiär geführten Familienhotels mit immer den gleichen Namen: Bergblick, zum Bären, Panoramahotel, Gletscherblick, Alpenglühn, Weißes Rössl, Bergydill, Löwen, Zur Post…. Meist liegen sie an der Hauptstraße des Dorfes, weil es mehr Straßen nicht gibt, an der Straße, an der sich dicht an dicht Souvenirshops, Gaststätten, Kegelbahnen, factory outlets, Skischulen, Minigolfanlagen, Busunternehmen, Skiläden, Meran - Blick von Dorf TirolLäden für Outdoorbekleidung und Wanderschuhe, Eisdielen, Aprés-Ski-Läden und Diskotheken aneinanderreihen, an der Straße, durch die sich, mit einem Mordsgetöse, der ganze Durchgangs- und sonstige Verkehr quält – und natürlich, auf naturgemäß genauso schmalen wie überfüllten Gehwegen, die Menschen, nämlich die, die hier ihre wertvollste Zeit des Jahres verbringen.

In Meran gibt es so viele Promenaden, dass ich gar nicht alle aufzählen kann: die Kurpromenade, die Sommer- und die Winterpromenade, die Gilfpromenade, den Tappeinerweg, die Laubengasse – alles mehr oder weniger breite Wege, auf denen es keinen Kraftverkehr gibt. Ihr könnt hier in aller Ruhe durch eine lebendige Stadt spazieren, promenieren eben, wenn ihr wollt, am Fluss entlang, ihr könnt eure Kinder laufen lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie unter den nächsten Lastzug geraten….Schloss Tirol und Brunnenburg es gibt sogar die Chance, auf einer der unzähligen Ruhebänke mit einem Einheimischen ins Gepräch zu kommen – hier leben noch Menschen, die nicht Kellner oder Kellnerin, Koch oder Köchin oder Zimmermädchen sind, will heißen, Menschen, die Fremden nicht nur berufsbezogen begegnen. Eben.

Keinesfalls habe ich irgendetwas einzuwenden gegen Leberknödelsuppe, Fisoleneintopf, Erdäpfelsalat, Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln, Schweinsbraten mit Semmelknödeln, Gefüllte Kalbsbrust, Geselchtes, Wiener Schnitzel, Paprika- oder Jägerschnitzel mit Pommes und Salat, Wiener Tafelspitz mit Röstkartoffeln, Schnittlauchsauce und Apfelkren oder Semmelkren, Back- oder Brathendl, Tiroler Speckknödel, Topfen-, Marillen- und Germknödel,Brunnenburg und Meran Girardirostbraten, Tirolerpfanne, Palatschinken, Brettljause … das sind alles wohlschmeckende Gerichte, die Speisekarten im Hintertupfinger Tal sind wohlgefüllt damit, man wird sich in einem der Souvenirläden ein entsprechendes Kochbuch zulegen, um sie zu Hause nachkochen zu können.
Aber nur in der Stadt kann ich Sushi zu Abend essen, wenn mir danach ist, oder zum Inder, Vietnamesen, Libanesen, Thailänder, Indonesier um die Ecke gehen. Nur in der Stadt kann ich meine Angebetete zu einem halben Dutzend frische Austern, begleitet von einem Glas Champagner, einladen, wen es etwas zu feiern gibt.
Gestern Abend habe ich, wie beschrieben, traditionell nach Art des Landes in Bruneck zu Abend gegessen. Das Essen, ebenfalls wie beschrieben, war hervorragend im Geschmack – aber das Ambiente war eine Katastrophe. Die Serviererin war derart uninspiriert, dass ich mich fragte, wodurch ich sie wohl so erschreckt haben mochte, dass sie nicht die SpurMeran eines Lächelns für mich übrig hatte. Der Wein, ein Weißburgunder aus der Gegend, hatte Klasse, zum Glück, denn er war total daneben temperiert.

Heute habe ich hier im hoteleigenen Restaurant gegessen, ganz bescheiden: einen Sommersalat mit gebratenen Hühnchenstreifen und frischen Früchten. Vor dem Salat brachte man mir noch einen lieben Gruß aus der Küche: Meeresfrüchte auf Roter Beete. Als die Kellnerin, die sich sehr wohl auf’s Lächeln versteht, den Salat auf einem quadratischen gläsernen Teller servierte, eilte gleichzeitig ihr Kollege herbei, um mein Besteck nochmal zu ordnen…. Das sind Kleinigkeiten, ganz klar, aber sie machen das Leben angenehmer, man fühlt sich als Gast, im Sinne des Wortes. Das soll man sich gefälligst wert sein, in den wertvollsten Wochen des Jahres.

Nur eine Stadt kann die Vielfalt zu bieten, die ich liebe, für eben jene Wochen des Jahres, falls ihr versteht, was ich meine. Es gibt viele Beispiele für ganz faszinierende Städte in weltbekannten Urlaubszielen: Nizza, Biarritz, Oostende, Los Angeles, Goldstrand, Barcelona, Honolulu, Singapur, Rio de Janeiro, und viele mehr.
Eine Stadt ist eine Stadt ist eine Stadt.

Der gestrige Tag war so schön wie anstrengend. Brunnenburg II
Der Seat soll heute mal in der Garage bleiben, ich mache mich nach dem Frühstück auf, den Berg hinauf zu Dorf Tirol zu laufen, das ungefähr eine Wanderstunde entfernt von Meran entfernt 300 Meter höher am Berg liegt. Ich steige hinter der Pfarrkirche St. Nikolaus die Stiegen zum Tappeinerweg hinauf, wo ich gleich an den Abzweig zum Tirolersteig gelange, der direkt zu Dorf Tirol führt.

Der Weg ist steil, 200 Höhenmeter sind noch zu schaffen, aber angenehm schattig und still. Oben angekommen, kämpfe ich gegen die Tendenz an, gleich wieder umzukehren, denn ungewohnter Lärm und Hektik machen sich breit. Ich kämpfe mich vorwärts durch die Hauptstraße, bis ich den Abzeig finde, der zum Schloss Tirol führt. Froh nun, nicht umgekehrt zu sein, genieße ich die nagelneue StilleDorf Tirol und die exklusiven Aussichten, die der Weg auf das tief unten wundervoll in der Sonne liegende Meran, die Brunnenburg und natürlich Schloss Tirol bietet. Der Weg macht Freude ohne Ende, meine für Glücksgefühle zuständigen Synapsen legen eine Sonderschicht ein.
Ich mache unterwegs eine Menge Fotos, überhole ein paar Altersheime und gelange schließlich zum Schloss. Me@Tyrol CastleIch verzichte auf eine Schlossbesichtigung, ich habe mit meiner Fototasche und dem Stativ einfach zu viel Gepäck mit, um mich bequem mit vielen Menschen auf engem Raum aufhalten zu können. Der Eintritt ins Schloss kostet 6 Euro. Das Schloss ist bis 17:00 geöffnet.
Den Rückweg genieße ich ebenso wie den Hinweg, es ist einfach atemberaubend schön hier.
Ich möchte mir die Brunnenburg ansehen, sie liegt direkt unterhalb des Schlosses auf einem separaten Felsen, und laufe einen recht steilen Weg hinab, diesmal, ohne jemanden zu begegnen. Vor der Brunnenburg finde ich das Kassenhäuschen, leider ist es unbesetzt, obwohl die Burg laut einer großen Infotafel schon seit einer Stunde geöffnet hat.
Enttäuscht kehre ich um und fasseTirol Castle den Beschluss, mit dem gesparten Eintrittsgeld dem Zimmermädchen des Aurora zu eine Anerkennung zu gewähren, das sich für die tägliche akkurate Pflege meines Zimmers ein Trinkgeld wirklich verdient hat.
Zum Glück brauche ich den steilen Weg, der mich zur Brunnenburg gebracht hat, nicht wieder hinauf zu laufen, denn direkt an der Burg finde ich einen Wegweiser zu Meraner Tappeinerweg. Auch dieser Weg führt sehr steil bergab und endet am Gratscher Ende des Tappeinerweges, was bedeutet, das ich noch sechs aussichtenreiche Kilometer bis zu meiner Basis in Meran zu laufen habe.
Was ich gerne tue, in frohen Gedanken über einen geglückten morgentlichen Spaziergang.

Tyrol Castle

23. juli 2011 über den wolken

Das Wetter sieht übel aus heute Morgen,Karersee und Latemargruppe trotzdem mache ich mich um 5:30 Uhr auf den Weg. Mein erstes Ziel ist der Karersee, er soll ja einer der schönsten der vielen Alpenseen sein. Von Bozen aus erreiche ich den See über die Staatsstraße 241 durch das Eggental über Welschnofen. Er liegt direkt an der Straße, und es gibt einen gebührenpflichtigen Parkplatz.
Zunmächst bin ich ein wenig enttäuscht, wie klein der See ist, aber beim Umwandern steigt die Begeisterung, als der Dunst die Berge rundum freigibt, die sich im grünschimmernden Wasser des Sees spiegeln. Da ich recht früh hier bin, habe ich ihn für mich alleine, kein Mensch gegegnet mir.

Weiter geht es über den Karerpass nach Canazei, wo ich nach links Richtung Pordoijoch abbiege. Das 2239 m hohe Pordoijoch ist die neue Nummer eins in meiner Passsammlung. Die Fahrt nach oben macht Riesenspass,Pordoijoch - Straße nach Arabba oft halte ich an, um die immer neuen, fantastischen Ausblicke zu genießen. Oben angekommen, finde ich eine Cafeteria, wo ich eine Semmel mit Käse und Tiroler Speck und 2 Tassen Kaffee frühstücke. Gestärkt mache ich mich zu einer kleinen Wanderung auf. Es sind nur 11° hier oben, ich ziehe eine wärmende Jacke über. Man kann auch mit einer Seilbahn auf den 2950 m hohen Plateaufelsen Sass Pordoi fahren, die einfache Fahrt kostet 7,50 Euro. Das Ende der Seilbahn liegt in den Wolken, so dass eine Fahrt heute Morgen eine Tour in den Nebel bedeuten würde, was sich nicht wirklich lohnt.
Meine Wanderung führt mich in Richtung auf die gegenüberliegende Lankofelgruppe. Mit Freude stapfe ich aufwärts, ich fühle mich wohl hier oben. Leider wird der Nebel immer dichter, je höher ich komme… Ich beschließe, abzuwarten, vielleicht wird sich die Sonne ja durchsetzen, For Youund porträtiere einige Alpenblumen, zum Zeitvertreib. Meine Hoffnung wird enttäuscht, es fängt sogar an zu regnen, und ich muss den Rückzug antreten, froh, die feste Jacke übergezogen zu haben.

Ich verlasse diesen schönen Ort in Richtung auf Arabba, dort biege ich nach links ab, fege über den Campolongo-Pass nach Corvara, das ich durchfahre, um anschließend nach links auf die SS242 zum Grödnerjoch abzubiegen. Das Wetter verschlechtert sich zusehens, und eine Fahrt über das Grödnerjoch bedeutet den kürzesten Weg Richtung Meran von hier aus. Auf dem Joch in 2121 Metern Höhe angelangt, verweile ich noch ein wenig und mache ein paar Bilder, auf denen hauptsächlich Wolken zu sehen sein werden, und mache mich, als es abermals zu regnen beginnt, auf den Heimweg.
Eine spannende Fahrt, resümiere ich, zu Hause angekommen. Wie unterhaltsam doch Wolken sein können.

Pordoijoch

Dolomiten

Grödnerjoch - Clouds

24. juli 2011 höhenrausch

Der Himmel ist glasklar, als ich heute Morgen um 5 Uhr auf meinen Balkon trete und skeptisch nach oben schaue. Also los, die Fototasche geschultert und ab auf die Straße. Stilfser Joch - Ostseite
Mein Ziel ist das Stilfser Joch, der höchste Gebirgspass Italiens und der zweithöchste asphaltierte Pass der Alpen. Von Prad aus sind 48 Spitzkehren bis auf die 2757 m hohe Passhöhe zu bewältigen…. ich habe etwa 1 Stunde Fahrt durch den Vinschgau vor mir, bis der Spass beginnt. Um halb sieben morgens kommt scheinbar niemand auf die Idee, das Joch hinauf zu fahren, die Straße ist leer. Ich gebe den 200 Pferdchen unter der Haube des Seat die Sporen, und wir jagen in Richtung Himmel, dass es eine Freude ist. Das Doppelkupplungsgetriebe hat, wie von Zauberhand geschaltet, immer den richtigen Gang parat, der Fahrer kann sich ganz und gar auf’s Lenken und die Fahrbahn konzentrieren – wir fegen um die Kehren wie an einer Schnur gezogen.

Oben angekommen,Stilfser Joch - Westseite hält die Temperatur, was die Eiszapfen, die von den Dächern der Gebäude hängen, versprechen: das Thermometer des Wagens zeigt minus 2° Celsius an. Erst mal eine warme Jacke überziehen….. hier oben ist schon Treiben, eine Menge warm angezogene Menschen mit Skikern stehen Schlang vor der Seilbahn, die sie ins Sommerskigebiet bis auf 3450 m hinauf befördern wird. Wäre es nicht so furchtbar kalt, ich wäre neugierig darauf, mit nach oben zu fahren.

Nachdem ich ein paar Fotos aufgenommen habe, verlasse ich die Passhöhe und fahre über die Westseite wieder hinunter Richtung Bormio. Fährt man von Bormio aus über die SS300 nach Ponte di Legno, kommt man über den 2618 m hohen Gaviapass, mein zweites Ziel heute.Gaviapass - Kehre Auch hier herrscht noch kein Betrieb heute Morgen, wieder ist uneingeschränkter Fahrspass angesagt. Außerdem bietet die Nordrampe immer wieder ganz fantastische Aussichten auf die umliegende Bergwelt. Oben gibt es einen Parkplatz, man kann um einen Bergsee, den Lago Bianco, herum wandern, von einem Tourismusboom ist herrlich wenig zu vernehmen.
Die Südrampe ist bei weitem nicht so gut ausgebaut wie die nördliche Auffahrt. Gleich zu Anfang weist ein Schild darauf hin, dass die Straßenbreite zwischen 4,50 m und 2,00 m variiert. So ist es auch, einige kurze Tunnel, in denen es teilweise sehr eng zugeht, und ein stockdunkler, 800 m langer Tunnel sind zu durchfahren. Die Straße ist teilweise so schmal, dass einmal sogar ein Motorradfahrer an einer Ausweichstelle anhält, um mich passieren zu lassen. Leitplanken gibt es selten – eine abenteuerliche Fahrt.

In Ponte di Legno biege ich scharf links ab und gelange auf einen dritten Pass, den Tonalepass – und mitten hinein in den Kommerz.Tonalepass Auf der Passhöhe hat sich eine starke touristische Infrastruktur breitgemacht, ein Schock, wenn man zwei so einsame Passfahrten hinter sich hat wie ich heute Morgen. Ich nutze das Angebot und frühstücke eine Semmel mit Speck und Käse und 2 Tassen starken italienischen Kaffee.

Das Wetter hat sich verschlechtert, ich fasse eine Rückkehr nach Meran ins Auge.
Spontan mache ich noch einen Abstecher nach Proveis, einem kleinen südtiroler Dorf, dass sich seine Ursprünglichkeit erhalten hat. Es macht Freude, in Proveis zu spazieren, Straßen und Plätze sind schön gepflastert, touristischen Schnickschnack gibt es keinen, sondern Ruhe und Beschaulichkeit.
Die Kirche ist sehr schön, ich verbringe eine Stunde darin und nehme ein paar Bilder auf. Die ganze Zeit über bin ich alleine hier. Dieser Abstecher hat sich gelohnt.

Proveis - Kirche

Proveis -  Rathaus und Kirche

26. juli 2011 abschied von meran und suedtirol

Der heutige Tag wird mich am Abend wieder zu Hause in Saarbrücken sehen. Ich muss mich verabschieden von Meran, den Bergen, die es einrahmen, dem Rauschen der Passer, den fantastischen Promenaden mit den herrlich duftenden Blumenbeeten, dem Aurora Hotel, meinem Balkon über der Stadt, dem Abendessen auf der Terrasse an der Kurpromenade.

Meran - Sunset

Ich werde wiederkommen, keine Frage, vielleicht werde dann ich meine Fotoausrüstung zu Hause vergessen und mich ganz und gar dem Flair Merans hingeben – davon werde ich träumen, wenn ich wieder im Alltagstrott stecke, zu Hause.

Meran - Aurora

Verabschieden muss ich mich auch von Südtirol, den Dolomiten, den aufregenden Passstraßen, vom Höhenrausch..

Stilfser Joch - Westseite

Vielen Dank für alles und dafür, dass es euch gibt.