17. mai 2012 ein schloss der superlative, grandioses vatertagskonzert

Habe ich Euch schon erzählt, wie vernarrt ich darin bin, historische Schlösser zu besichtigen, zu bewundern? Es ist wie eine Sucht. Ganz gleich, wohin ich eine Reise plane, sei es anlässlich eines Urlaubes oder sei es beruflich, ich recherchiere stets, ob sich am Zielort oder im Umkreis desselben ein Schloss oder eine Burg findet, das/die besichtigt werden kann. Schloss Chambord - Brücke
Was liegt da näher, als sich in die Mitte Frankreichs zu begeben, ins liebliche Tal der Loire, wo es insgesamt an die 300 Schlossanlagen zu bewundern gibt – ein Mekka für einen Schlosssüchtigen.

Heute Morgen um 2:30 verließ ich also Saarbrücken, in Richtung Paris. Die Städte Reims und Paris ließ ich ohne Staus und sonstige unangenehmen Verkehrskonflikte hinter mir und kam nach 560 Kilometern um 8:00 Uhr morgens am Château de Chambord an, dem ersten Objekt meiner Begierden.
Das Château de Chambord schafft es locker, selbst einem Schlossjunkie wie mir eine Überdosis zu besorgen. Der Anblick des gewaltigen Bauwerkes mit seinen ungezählten Türmen raubte mir den Atem. Was für eine Pracht!Château de Chambord
Lasst es mich er- oder besser aufzählen: Schloss Chambord ist 154 Meter lang, 117 Meter breit und 56 Meter hoch. Es besitzt 77 Treppen, 282 Kamine und 426 Räume. Wenn das keine Superlative sind? Ich war um diese Zeit ganz alleine dort, und wer mich und meine Gewohnheiten kennt, weiß, dass ich das zu schätzen weiß. Der frühe Fotograf fängt das Bild. Ich konnte also unzählige Fotos aufnehmen, ohne massenweise andere Touris unfreiwillig mit auf die Speicherkarte zu bannen. Nichts gegen Tourismus, ich denke, es gibt kaum eine Branche, die mehr Arbeit und Brot unter die Menschheit bringt als des Tourismus.Château de Chambord - Bedroom Nicht zuletzt ich selber verkaufe ab und an Bilder aus meinem Portfolio an Veranstalter und Ansichtskartengestalter… was mich vielleicht ein bisschen von dem Standardtouri unterscheidet, ist mein Frühaufstehertum. Ich bin immer schon ca. 2 Sunden vor dem ersten Reisebus an Ort und Stelle, ich liebe Sonnenaufgänge und die ersten Stunden des Tages, mit ihrem weichen Licht, ihrer Stille. Es gehört zu meinen allerliebsten Empfindungen, das Werden des neuen Tages zu beobachten, ganz bewusst mit zu erleben.
So umrundete ich heute mit Gelassenheit dieses Wunder von Château de Chambord -Towerseinem Schloss, und als sich gegen 9:00 die Tür öffnete, trat ich ein, um mir das Bauwerk von innen anzusehen. Ich blieb an die vier Stunden im Schloss, es ist einfach fantastisch…. Ein kleiner Hinweis zwischendurch für Fotografen: das Fotografieren im Schloss ist erlaubt, das Benutzen eines Statives nicht. Es gibt Schließfächer, in denen man sein Stativ einsperren kann, bis man das Schloss wieder verlässt.
Das Wetter verschlechterte sich dramatisch während meines Aufenthaltes, meine feste Jacke lag im Auto, ich war am Morgen mit einer dünnen Jacke vom Parkplatz aus aufgebrochen ohne zu frieren, nun, am fortgeschrittenen Vormittag, fror ich erbärmlich. Nach einem petit déjeuner im Café des Schlosses fühlte ich mich besser….

Mein Tagesziel hieß Tours. Dort hab ich ein Hotel gebucht für 3 Nächte. Auf dem Weg nach Tours hielt ich in der Stadt Blois an, sie gefiel mir angesichts ihrer Lage direkt an der Loire, ich konnte mehrere historische Bauten entdecken, als ich durch die Stadt fuhr, und als mit ein freier Parkplatz auffiel, machte ich spontan halt, schnappte mir meine Fototasche und ging los. Cathédrale Saint-Louis, Blois
Zunächst hieß es, die Loire zu überqueren, denn mein Parkplatz lag an dem Ufer ohne erkennbares historisches Feedback. Just auf der Loirebrücke fing es an zu regnen… zum Glück hielt es nicht lange an. Ich ließ mich ziellos treiben, das mache ich gerne, wenn ich neu in einer unbekannten Stadt ankomme, es geht nichts über eine Stadterkundung zu Fuß, alles andere ist dagegen oberflächlich. Im Zentrum fand ich eine breite hohe Treppe, die für sich schon eine Sehenswürdigkeit ist, und stieg nach oben. Dort angekommen, wand ich mich nach rechts, und fand mich vor der Kathedrale Saint-Louis wieder. Spontan trat ich ein – und war sofort begeistert ob der schlichten Schönheit des Kirchenschiffes. Zu meiner großen Freude übte sich gerade jemand auf das virtuoseste am Orgelspiel. Ich ließ mich auf einem der Stühle nieder und lauschte den Stimmen der Orgel.Château d'Amboise Die Musik zog mich in ihren Bann, noch nie zuvor habe ich in einer Kirche solch eine fantastische, ergreifende Musik gehört, der Organist muss ein wahrer Meister gewesen sein. Ich beobachtete die Menschen, die die Kathedrale betreten – die meisten drehen sich in der Mitte des Kirchenschiffes um und sehen nach oben. Dahin, wo die Musik herkam. Es war einfach unmöglich, nicht zuzuhören.
Ich blieb lange sitzen, die Zeit war zum unwichtigsten überhaupt geworden….
Wieder draußen, wand ich mich in Richtung des Schlosses von Blois. Dort angekommen, trat ich jedoch nicht ein, ich merkte, dass mich heute nichts mehr würde beeindrucken können, meine Aufnahmefähigkeit war an ihrer Grenze angekommen. Ich wanderte wieder über die Brücke, es fing abermals an, zu tröpfeln, und fuhr Richtung Tours weiter.
Dieser Weg führte durch Amboise, Amboise - Loire-Bridge and Châteauund wieder konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, mir einen Parkplatz zu suchen und mir die Stadt anzusehen. Hoch über der Stadt steht ein ehemaliges Königsschloss, Château d’Amboise, dessen Anblick der Grund dafür war, dass ich nicht einfach weiterfahren konnte. Wieder musste ich zunächst die Loire überqueren, dann erreichte ich die Altstadt und den Aufgang zum Schloss – und wähnte mich auf einem Rummelplatz. Andenkenläden, die sich mit Restaurants und FastFoodLäden abwechseln, dazu tausende von Menschen, dass ist an diesem Nachmittag zuviel für mich. Nichts wie weg hier, das war mein erster Gedanke…
Als ich an meinem Wagen ankam, schien die Sonne. Ich startete in Richtung Tours – genug für heute.


18. mai 2012 chenonceau – das schönste schloss frankreichs?

Wer je Fotos von Schloss Chenonceau gesehen hat,Schloss Chenonceau - Platanenallee wird es auf seiner muss-ich-sehen-Liste ganz oben stehen haben. Ich hatte heute Morgen 33 Kilometer zu fahren bis Chenonceau – und kam eine Stunde zu früh an. Die Zeit nutzte ich auf dem Picknickplatz in der Nähe des Eingangstores zum Schreiben von Ansichtskarten an meine Lieben zu Hause.
Kurz vor der Öffnung um 9 Uhr besorgte ich mir eine Eintrittskarte am Automaten. Ein Ticket kostet 11 Euro. Ich war der erste Gast heute Morgen, ein bisschen verwundert, andererseits aber auch froh darüber, dass mir niemand das Mitnehmen meines Stativs verwehrt hatte. So gelang es mir, Fotos von der 330 Meter langen Platanenallee und dem blumenkübelbewehrten Eingangsbereich aufzunehmen, ohne eine Menschenseele im Bild. Auch die sagenhafte, in den Fluss Cher gebaute Galerie konnte ich völlig leer ablichten.
Das SchlossChâteau de Chenonceau - Gallery ist eine ästhetische Sensation. Selten habe ich ein so gelungen gestaltetes Gebäude bewundern dürfen. Jährlich besuchen 800 000 Menschen das Schloss, damit ist es nach Versailles das Schloss mit der zweithöchsten Besucherzahl in Frankreich. Ich ließ mich durch die Zimmer treiben, die sich langsam mit immer mehr Menschen füllten. Links vom Eingang fand ich die Kapelle. Sie wurde während der französischen Revolution zu einem Holzlager umfunktioniert und so gerettet.
Wieder draußen,Schloss Chenonceaux - Garten der Katharina von Medici wanderte ich durch die beiden Gärten links und rechts des Schlosses. Sie sind genau wie das Schloss selbst überaus sehenswert, zudem bieten sie schöne Blicke auf die Gebäude aus verschiedenen Perspektiven. Dazu gibt es noch einen vollständig renovierten historischen Bauernhof zu bewundern, daran angegiedert ist der Gemüse- und Blumengarten des Schlosses.
Auf die Besichtigung des Labyrintes habe ich verzichtet.
Da ich das Schloss unbedingt auch von der Südseite aus fotografieren wollte, fuhr ich an der Cher vorbei,Schloss Chenonceaux - Garten der Diana von Poitiers bis ich eine Brücke fand. Jenseits der Brücke stellte ich den Wagen ab und wanderte ungefähr eine halbe Stunde am Fluss entlang, bis das Schloss in Sicht kam. Sogar die Sonne ließ sich für ein paar Minuten blicken. Ich kam mit einem Touristen aus Belgien ins Gespräch, er und seine Frau waren mit Fahrrädern im Park unterwegs, sie machten Geocaching und waren gerade dabei, hier nach einem Versteck zu suchen. Der Belgier erzählte, dass er schon seit 20 Jahren hier in die Gegend komme, und dass er Chenonceaux für das schönste Schloss Frankreichs halte.
Langsam machte ich mich auf den Rückweg, es war inzwischen 14 Uhr geworden. Ich fuhr einen Umweg über Loches, um mir ein bisschen die Gegend anzusehen. Die Landschaft in der Gegend ist am besten wohl mit der Vokabel „weitläufig“ zu beschreiben.Schloss Chenonceau Es ist größenteils flaches Agrarland, die Besiedlung ist dünn und die Straßen führen oft kilometerweit stur geradeaus. In den meisten Ortschaften geht es eng zu, besonders in den historischen Kernen, Gehwege fehlen oft ganz oder sind sehr schmal, als Fußgänger muss man vorsichtig sein….
Als ich Tours erreichte, war es schon fast an der Zeit für’s Abendessen, dass ich im einem Grillhaus einnahm.


19. mai 2012 verbundenheit mit château d’azay-le-rideau

Meine Hoffnungen auf eine Besserung des Wetters hin zu Sonnenschein wurden auch heute Morgen enttäuscht, als ich aus dem Hotelfenster sah. Nun, immerhin regnete es nicht.Schloss Azay-le-Rideau Ich wollte nach Azay-le-Rideau. Dort existiert ein Wasserschloss, dass mir auf Fotos gut gefallen hat. Obwohl ich nur 20 Minuten zu fahren hatte bis zum Schloss, kam ich später an als geplant und musste mich am Eingang in eine Schlange einreihen. Dann die erste Überraschung: die Dame, die die Eintrittskarten kontrollierte, deutete auf meine Tasche und sagte, mit dieser Tasche dürfe ich das Schloss nicht betreten, die müsse ich hierlassen. Als ich nach dem Grund fragte, antwortete sie, die Tasche sei zu groß. Das hatte ich noch nie erlebt, selbst in den paranoiden USAChâteau d'Azay-le-Rideau - Living Room nicht: mein Stativ darf ich mitnehmen, die Tasche jedoch nicht? Ich packte also meine notwendigen Utensilien aus der Tasche in meine Jackentaschen um und sah zu, wie die Tasche in einem dafür vorgesehenen Fach verstaut wurde. Die könne ich beim Verlassen des Schlosses wieder abholen, sagte man mir noch…

So betrat ich das Gebäude, das mir sogleich gefiel. Man wird zunächst über eine Treppe ganz nach oben zum Dachstuhl geführt, der wirklich sehenswert ist, ein Denkmal für die Handwerkskunst der Zimmerleute. Dann geht man über eine Wendeltreppe wieder hinunter und kann so Stockwerk für Stockwerk besichtigen. Die Räume sind liebevoll eingerichtet, ich genoss meine Wanderung durch die Vergangenheit,Azay-le-Rideau - Treppenhaus und da der Betrieb sich noch in Grenzen hielt, konnte ich mit ein wenig Geduld von einigen der Zimmer schöne Aufnahmen machen. Inzwischen regnete es draußen heftig…..

Ich hielt mich lange auf mit meinem Rundgang, und als ich im Erdgeschoss ankam, hatte sich der Regen wieder gelegt. Das Schloss liegt in einem Park und ist von Wasser umgeben. Es ist traumhaft schön, ein archektonisches Highlight. Ich wanderte einmal um das Gebäude, es gefiel mir zunehmend. Dieser Besuch hatte sich auf jeden Fall gelohnt.
Mittag war schon vorbei, als ich gut gelaunt zum Aus- bzw. Eingang steuerte, um meine Tasche abzuholen. Château d'Azay-le-Rideau - ReflectionsEin freundliche Angestellte kümmerte sich gleich darum, eine andere jedoch kam fast panisch auf mich zu, deutete auf mein Stativ und sagte, das dürfe ich aber auf keinen Fall mit ins Schloss nehmen…. Gott sei Dank hatte ich alle meine Bilder schon im Kasten.
Das Schloss liegt mitten in der kleinen Ortschaft Azay-le-Rideau. Ich ließ mich ein wenig durch die Gassen treiben, es gibt noch eine Kirche zu bewundern, deren Schiff aus dem 11. bis 13. Jahrhundert stammt. Ich wanderte über einen malerische Brücke, und ruhte ein wenig am Fluss, die friedliche Stille genießend.
In einem Bistro des Ortes aß ich ein Sandwich und fand eine Broschüre des Ortes Langeais ganz in der Nähe. Spontan beschloss ich, dort vorbei zu fahren.

Langeais wird beherrscht von einem Schloss, das riesengroß mitten im Ort steht wie eine trutzige Burg. Noch berauscht von Azay-le-Rideau,Langeais - Kirche St-Jean-Baptiste ließ ich es jedoch links liegen und wandte mich der Kirche St-Jean-Baptiste zu, deren schlanker Turm mir aufgefallen war, als ich über die Loire-Brücke auf den Ort zufuhr. Zu meiner Freude fand ich die Kirchentür offen. Die Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das schmale Kirchenschiff öffnet sichin seiner Mitte nach rechts und links, so dass sich ein quadratischer Raum ergibt, in dessen Mitte der Altartisch plaziert ist. Eine eher ungewöhnliche, jedoch reizvolle Konstruktion. Ich nahm ein paar Fotos auf und genoss die Ausstrahlung des Raumes, die ganze Zeit über war ich der einzige Besucher.
Wieder zurück am Wagen, war der Nachmittag schon fortgeschritten, ich fuhr Richtung „nach Hause“, meinem Hotel in Tours. Genug Kultur für heute.

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20. mai 2012 verregneter abschied von der loire, schöner vormittag in der champagne

Sonntag und letzter Tag meines Kurzurlaubes. Der Wecker klingelte um halb sechs, ich wollte mir in aller Frühe die Stadt Vendome nordöstlich von Tours ansehen,Our Lady of Rheims Cathedral und anschließend stand noch ein Besuch des Wasserschlosses Sully-sur-Loire auf meinem Reiseplan. Beide Absichten machte ein diesiger Regen zunichte.
Ich steuerte auf die Autobahn Richtung Heimat, in der Hoffnung, dass sich der Regen bis zu der Stadt Orleans legen sollte, dann hätte ich kurzentschlossen noch einen Abstecher nach Sully-sur-Loire machen können. Ich hatte kein Glück: das miese Wetter hielt an, bis ich an Hauptstadt Paris vorbeifuhr. Nahe Reims kam dann sogar die Sonne zum Vorschein, und ich bog Richtung Reims-Centre ab. Vor 20 Jahren hatte ich diese Stadt schon einmal besucht, und hatte schöne Erinnerungen an die Kathedrale Notre-Dame, die ich bei dieser Gelegenheit auffrischen wollte.
In der Stadt war wenig Reims - Kathedrale Notre-DameVerkehr, ich folgte den Hinweisschildern Richtung Kathedrale und fand sofort einen Parkplatz in der Nähe der Kirche. Sie gilt als eine der bedeutensten gotischen Kirchen Frankreichs, und gehört seit 1991 zum Unesco-Weltkulturerbe. Jahrhundertelang wurden in ihr die französichen Könige gekrönt.
Die Kathedrale beeindruckte mich genauso wie bei meinem ersten Besuch. Als ich das Kirchenschiff durchwanderte, läutete es zur Messe, ich beschloss, zu bleiben und die Messe mit zu feiern. Es gab einen Chor auf Höhe des Altars, der zusammen mit dem Orgelspiel auf beeindruckende Weise die tolle Akustik der Kirche hörbar machte.
Dieser Abstecher hatte sich gelohnt, zufrieden machte ich mich auf den Heimweg.

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