zehnter tag, walzer am morgen, pudong am abend
Die Sonne weckt mich, gut gelaunt sitze
ich um 6:30 morgens am Frühstückstisch. Im Reiseführer wird der Yuyuan Garden als einer der schönsten Chinas deklariert, und den will ich mir ansehen, wenn die Touristenmassen in noch nicht überschwemmen, früh am Morgen eben. Auch das Huxinting Tea House möchte ich mir nochmal ansehen ohne die vielen Menschen, die es am Sonntagmorgen bevölkert haben.
Um 7:15 laufe ich los, es ist nicht sehr weit bis zur Altstadt, einfach immer geradeaus den Bund runter. In der Altstadt angekommen, höre ich Walzerklänge, wirklich, original Wiener Walzer…. sie kommen von dem Portal eines noch geschlossenen Kaufhauses, dass man mit Hilfe eines Ghettoblasters zur Tanzfläche umfunktioniert hat. Vier Paare sind
mit Walzertanzen zugange, es ist viertel vor acht, Dienstagmorgen, und das ist das Normalste von der Welt.
Ich versuche, die Szene in meine Heimatstadt Saarbrücken zu übertragen… Walzertanz am frühen Morgen auf dem Portal des Kaufhofes, auf der Viktoriastraße tost der Berufsverkehr… wie das wohl ausginge?
Auch an dem tea house mit der neun-Biegungen-Brücke erklingt Musik, als ich dort ankomme. Ein Mann spielt auf einer Flöte,
ein anderer spielt ein Streichinstrument, das einer Geige ähnlich sieht, und eine Frau singt dazu. Auch das ist ganz normaler Alltag, wie es scheint, es hat sich noch nicht mal ein Kreis aus Zuschauern um die Gruppe herum gebildet, obwohl die Musik sehr gut klingt. Was müssen diese Chinesen doch für glückliche Menschen sein.
Das Teehaus ist erst schwach besucht, ich mache ein paar Fotos. Um halb 9 öffnet der Yuyuan Garden, ich bezahle 40 Yuan Eintritt und bin heute Morgen sein erster Besucher.
Der Garten mit seinen zahlreichen Pavillions, alten Bäumen und Teichen ist eine Sensation. Noch nie habe ich einen so wunderschönen, so kunstvoll angelegten Garten gesehen. Die Wege sind mit Kieselsteinen in immer neuen Mustern gepflastert, jeder Durchgang von einem Abschnitt in den anderen hat eine neue, fantasievolle Form, und überall sind Jadesteine positioniert. Ich genieße es, über die verwinkelten Wege zu laufen, bald weiß ich nicht mehr, in welcher Richtung der Eingang wohl war…. das spielt auch keine Rolle, ich genieße die Stille, die wunderbare
Ausstrahlung dieses Platzes.
Der Garten wurde 1559 von Pan Yunduan, einem hohen Beamten der Ming-Dynastie, erbaut. Er ist also in diesem Jahr 450 Jahre alt geworden. Im Jahre 1961 wurde er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, seit 1982 steht er auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.
Um halb zehn dann, es ist, als hätte jemand das Licht angeknipst, endet mein wunderschöner Garten-Film. Eine Reisegruppe nach der anderen überschwemmt den Garten, belagert die Wege, die Durchgänge, die Pavillions. Wie gut, dass ich so früh aufgebrochen bin heute Morgen. Danke, lieber Reiseführer.
Ich laufe noch ein wenig durch die Altstadt, genehmige mir noch ein paar gefüllte Teigtaschen, das muss einfach sein, und laufe dann in Richtung Bund zurück. Meine Speicherkarten sind alle voll mit Fotos vom Garten, die ich abspeichern muss, bevor ich neue Unternehmungen starten kann…
Auf der Promenade am Bund sprechen mich
zwei Mädchen an, ich muss sie vor der Kulisse Pudongs im Hintergrund fotografieren. Sie geben sich zuckersüß, wir plaudern ein wenig, und ich blamiere mich kräftig, weil ich die allermeisten Namen der chinesischen Städte, die sie mir aufzählen, nicht kenne. Sie wissen aber, dass Berlin die Hauptstadt von Deutschland ist und Frankfurt einen großen Flughafen hat und im Westen Deutschlands liegt….
Sie haben keinerlei Berührungsängste, sie krempeln die Ärmel meines T-Shirts nach oben, um meine Tattoos vollständig sehen zu können, und scheuen sich nicht, die allerintimsten Fragen zu stellen, wenn es ihnen in den Sinn kommt. Am Ende geben sie mir ihre E-Mailadressen, wegen der Fotos. Was müssen diese Chinesen doch für glückliche Menschen sein.
Als ich am späten Nachmittag aus
dem Fenster schaue, ist die Sicht glasklar, jeglicher Dunst ist verschwunden. Am Himmel machen CumulusWolken breit. Ideales Wetter zum Fotografieren.
Ich laufe zum Bund, um die Fähre
nach Pudong zu nehmen. Dort angekommen, sind die Schatten schon lang. Ein Paar Aufnahmen von der Skyline Pudongs muss ich noch machen, die Wolkenkratzer glänzen in der tiefstehenden Sonne wie nie zuvor. Auf der anderen Seite des Flusses angekommen, laufe ich zum Lujiazui Park, von dem aus man einen schönen Blick auf die umstehenden Towers hat. Hier möchte ich während derkurzen blauen Stunde ein paar Fotos aufnehmen.
Es ist
noch ein anderer Fotograf mit einer Nikon und einem Stativ zur Stelle, als ich den Park erreiche. Er begrüßt mich freudig, und wir wandern zusammen um den kleinen See im Park, um unsere Aufnahmen zu machen, die wir miteinander vergleichen. Er spricht genauso viel deutsch oder englisch wie ich mandarin, nämlich kein Wort. Und trotzdem verstehen wir uns und haben eine lustige halbe Stunde zusammen…..
An dem See gibt es ein kleines Fast Food Restaurant. ich bekomme für 35 (3,70 €) Yuan eine kräftige Suppe mit Fleisch, gebratenes Hühnchen mit Zwiebeln und Kartoffeln, eine Schale mit Broccoli und einen Riesenpott mit Reis. Wer da nicht satt wird…..
Leider habe ich zweimal Pech mit meiner Taxiauswahl, der erste Fahrer kann wohl den Zettel mit der Adresse meines Hotels nicht lesen, und der zweite will ohne Taxameter für 50 Yuan fahren. Das ist Betrug, ich steige wieder aus und finde noch ein drittes Taxi, der Fahrpreis beträgt 23 Yuan. Dieser Fahrer hat sich ein Trinkgeld verdient.
May 20, 2009



















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VERY NICE KAMERA.BESONDERS ZWEI FOTOS IM YU GARTEN GEFALLEN MIR.DIE FARBE IST SUPER.HABEN SIE KEINE PS GEMACHT ODER..
GUTE REISE!