post Category: Reisetagebuch,Shanghai post Comments (0) postMay 23, 2009

zwölfter tag, der krieg gegen den staub, neureich, hofbräuhaus

Heute morgen wirkt alles ein bisschen klarer. Der gestrigegood morning, Shanghai! Dauerregen hat den Staub von den Blättern der wenigen Bäume Shanghais gespült, sie sehen richtig grün aus, nicht mehr staubig-rotgrau. Überhaupt, der Kampf gegen den Staub in dieser Stadt, in der an jeder Ecke gebaut wird, in der solch ein Wahnsinnsverkehr herrscht – man kann ihn förmlich auf der Zunge schmecken, er lässt so manches Mal die Augen tränen….
Überall kann man die Menschen pinseln, wischen, kehren, mit dem Wasserschlauch hantieren sehen, um der allgegenwärtigen Staubschicht Herr zu werden. Gestern hatten sie einen mächtigen Verbündeten.

Hab mir für heute Pudong zur Besichtigung ausgewählt, die Gegend um den Century Park, soweit bin ich bis jetzt noch nicht gekommen. Ich laufe zur Metrostation East Shanghai Science and Technology Museum (Shanghai Metro)Nanjing Road, kaufe eine Fahrkarte für 4 Yuan und fahre mit der Linie 2 bis zum Shanghai Science and Technology Museum.
Ich muss immer wieder staunen, wie anders Shanghai doch aussieht, wenn man auf die andere Seite des Flusses kommt. Breite Straßen mit breiten Gehwegen, allen voran die Century Avenue mit ihren 8 Spuren, schnurgerade, von Pavillons und Blumenkästen gesäumte Flaniermeilen für Fußgänger, und nicht zu vergessen die beiden fantasievoll angelegten Parks, der Century Park kleine Lujiazui und der riesige Century Park. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert….. da kann man als Deutscher schon mal neidisch werden. Das Shanghai Science and Technology Museum, das mit der gleichnamigen Metrostation direkt verknüpft ist, beeindruckt allein schon durch seine schiere Größe. Wie lange man als Besucher wohl braucht, um diesen Riesenbau zu durchwandern und alle Ausstellungen zu besuchen?
Alle unsere Franchising-Ketten sind am Platz, H&M, Vero Moda, Lavazza,shanghai Hägen Dasz, Paulaner, an jeder Ecke ein Starbucks, ganz klar, McDonalds…. um nur einige zu nennen. Überall findet man Kunstwerke, ganz toll die überdimensionale Sonnenuhr am Ende der Century Avenue mitten im Kreisverkehr, die der junge Künstler Zhong Song aus Bejing nach einer Idee von Carpentier hier verwirklicht hat. Der Name der imposanten Skulptur ist Licht des Ostens.
Je länger ich jedoch umherspaziere, umso synthetischer wirkt das alles auf mich. Manchmal
Sundial kommt man in Wohnungen von “neureichen” Leuten, Menschen, die in eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, es durch Studium und Fleiß zu Wohlstand gebracht haben. Das muss nicht so sein, aber oft ist es so, dass ich den großzügigen Wohnungen solcher Leute oft dasselbe Feeling habe, wenn ich ihre teuren Einrichtungsgegenstände, ihre wertvollen Kunstwerke an den Wänden sehe: Teure und wertvolle Dinge sind versammelt, aber der Bezug der Dinge zueinander fehlt, es ist nicht mit der Zeit gewachsen, zueinander gekommen, es wirkt einfach nur teuer, nicht geschmackvoll. Der alte Adel fehlt, wenn ihr wisst, was ich meine. So also wirkt Pudong auf mich, aber das ist natürlich meine subjektive Meinung. Man muss sich einfach vor Augen halten, dass Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch Ackerland war, wo man heute von superschnellen Fahrstühlen fast 500 Meter hoch in den Himmel katapultiert wird….
Ich laufe noch zum Qinciyang-Tempel qinciyang-tempelin der Yuanshen Lu, aber leider ist er geschlossen, wie so viele Sehenswürdigkeiten in der Stadt wird auch er in Hinblick aufhofbraeuhaus_shanghai2 die Expo 2010 auf Vordermann gebracht.
Nun gut, die Sonne ist schon untergegangen, ich fahre mit der Metro zurück zum Science and Technology Museum, in dessen Nähe in der Jinyan Lu das Hofbräuhaus Shanghai liegt. Das Münchner Hofbräuhaus habe ich nie besucht, dieses hier ist jedenfalls riesig und kann mit ebensolchen Braukesseln aufwarten. Ich esse eine Tirolerpfanne, köstlich, und trinke dazu bayrisches Bier, auch köstlich, das von sehr netten Chinesinnen in Dirndln und Kellnern in Lederhosen serviert wird. Nun ja.
Gut, dass sich vor der Tür gleich ein Taxi findet.

Sorry, no comments yet.

Write Your Comment

Comment Guidelines: Basic XHTML is allowed (a href, strong, em, code). All line breaks and paragraphs will be generated automatically.

You should have a name, right? 
Your email address, I promised I won't tell it to anyone. 
If you have a web site or blog, you can type the URL right here. 
This is where you type your comments. 
Remember my information for the next time I visit.