dreizehnter tag, früher anfang, viel los im huaihai park, nobles ende
Als ich an diesem Morgen erwachend aus dem Fenster sehe, ist der Himmel klar, die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Es ist
viertel vor sechs. Noch eine halbe Stunde, bis die Sonne am Horizont erscheint. Zeit genug, runter zum Bund zu laufen, um den Sonnenaufgang von der Uferpromenade am Huangpu River aus zu genießen. In Windeseile ziehe ich mich an, packe Fototasche und Stativ und mache mich auf den Weg. Es ist noch ruhig auf den Straßen, ich erreiche die Promenade so schnell wie nie zuvor. Auch hier ist es noch ruhig, außer mir sind noch zwei Amerikanerinnen mit Kameras zugange. Der Sonnenaufgang
ist herrlich, ich schieße eine Menge Fotos und genieße zwischendurch die wunderbare Stimmung des frühen Morgens an diesem breiten Fluss. Es hat sich gelohnt, so früh aufzustehen, das steht fest. Es ist schon weit nach 7, als mich der Frühstückshunger zurück ins Hotel treibt.
Nach diesem wohlverdienten Frühstück und einer erfrischenden Dusche laufe ich zur East Nanjing Road, um mit der Metro zum Shanghai Stadium zu fahren. Dort ist der Busbahnhof für die Ausflugsbusse, die in die umliegenden Städte und Dörfer fahren. Mein erklärtes Ziel für heute ist Zhujiajiao Zhen. Leider bin ich zu spät, die nette Dame am Ticketschalter erklärt mir, dass erst morgen früh wieder Busse dorthin fahren. Jetzt rächt sich die lange Herumtreiberei am Bund heute Morgen, aber das ist nicht weiter schlimm, Zhujiajiao läuft nicht weg, das steht fest, außerdem hat Shanghai wirklich genug zu bieten, ganz klar.
Ich entscheide mich dafür, nochmal nach Xintianti zu fahren, jene Fußgängerzone mit den alten Shikumen-Häusern, die so furchtbar überlaufen war, als am letzten Samstag dort war.
Diesmal ist es gemütlicher, es ist wirklich schön hier. Ich laufe durch das Viertel und mache ein paar Bilder. Eigentlich wollte ich gemütlich ein Süppchen essen und ein Glas Tsingtao Beer genießen, aber die Gesichter der Menschen, die die Terrassen hier bevölkern, wirken mir zu elitär, zu abgehoben. Scheinbar gehört man in Shanghai schon zum Adel, wenn man es sich leisten kann, seine Nudelsuppe in Xintianti zu schlürfen, keine Ahnung, ich möchte mit solchem Volk jedenfalls nichts zu tun haben, das hab ich hinter mir. Es ist nur ein kleines Stück zu gehen bis zu dem herrlichen Fuxing-Park, dort
kaufe ich mir etwas zu trinken, lasse mich im Schatten auf einer der zahlreichen Bänke nieder und genieße dieses tolle Stück Natur mittten in der Stadt. Um wieviel angenehmer als in Xintianti das Publikum hier doch ist.
Ich verlasse den Park in Richtung auf die Huaihai road, ich möchte diese breite Einkaufsstraße ein wenig näher erkunden. Dort angekommen, lasse ich mich treiben und erreiche irgendwann den Huaihai Park. Dort scheint eine Festveranstaltung im Gange zu sein, eine Bühne ist aufgebaut, und es gibt jede Menge Buden, die Essen und Getränke unter die Leute bringen. Gegrillte Hühnerfüße, leckere Fleischspießchen in allen Variationen, allerlei Meeresfrüchte, mit Brühe gefüllte Teigtaschen, Ananas und Kokosnüsse, es gibt alles, was das Herz begehrt. Über alldem liegt eine
fröhliche, sonnige Stimmung.
Immer weiter geradeaus laufend erreiche ich irgendwann den Bund und gehe über die Zhongshan Lu in Richtung Hotel. Ich bin viel gelaufen heute, es ist sehr warm geworden, das frühe Aufstehen am Morgen schlägt zu Buche, ich will vor dem Abendessen noch ein wenig chillen und hab ein bisschen Sehnsucht nach meinem klimatisierten Zimmer.
Zu Abend essen möchte ich heute in einem Restaurant namens Good Morning Shanghai. Es ist nur einen Block von meinem Hotel entfernt. Von außen sieht es ein wenig heruntergekommen aus, genau wie das ganze Gebäude des Astor House Hotels, zu dem es gehört. Als ich das Restaurant betrete, erlebe ich eine riesige Überraschung. Ich betrete einen Saal, mit einer Deckenhöhe von geschätzten 8 Metern Höhe, die geschmackvoll stuckverzierte Decke wird von
Säulen getragen, imposante kristallene Kronleuchter tauchen den Raum in ein wunderbares Licht, man sitzt auf stilvollen Polstermöbeln…. hui, in einem so prunk- und doch geschmackvoll vornehm eingerichteten Restaurant hab ich noch nie gegessen und frage mich natürlich sofort, ob ich mir das wohl werde leisten können?
Ich konnte. Am Ende bezahle ich für eine Suppe aus Meeresfrüchten, die mit drei verschiedenen Sorten Brot und hausgemachter Kräuterbutter serviert wird, und ein Lammcarée, das nicht nur geschmacklich, sondern auch architektonisch, so wie es auf dem Teller angerichtet ist, eine Meisterleistung darstellt, schlappe 20 Euro. Tsingtao Beer inbegriffen. Das ist mein mit Abstand teuerstes Abendessen in Shanghai bis jetzt, aber auch mit Abstand das stilvollste.
Good night, Sir. Have a nice evening.
May 26, 2009



















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