samstag, der siebte Tag, französische pappeln, dancer in the park
Dicker Smog in der Luft, man kann den Horizont kaum ausmachen an diesem Samstagmorgen.
Im meinem lonely-planet-Reiseführer ist eine 7 Kilometer lange Sightseeing-Tour durch die Französische Konzession beschrieben, die ich mir für solch einen trüben Tag vogenommen habe. Hier zeigt sich Shanghai von seiner hippsten Seite.
Das Stadtteil war einst die Heimat der zahlreichen Abenteurer, Revolutionäre, Gangster, Prostituierten und Schriftsteller Shanghais, auch wenn paradoxerweise die meisten von ihnen keine Franzosen waren, sondern Briten, Amerikaner, Weißrussen oder Chinesen.(lonely planet)
Der Taxifahrer, der mich zur Hengshan Lu bringt, wo ich meinen Spaziergang starte, erwischt einen Fußgänger mit seinem linken Außenspiegel, was ihn allerdings nicht kümmert, er hat genug zu tun mit seinem Handy am Ohr und mit schalten und lenken mit der freien rechten Hand. An der nächsten roten Ampel biegt er den Spiegel wieder in seine Position zurück.
Das Straßenbild in der Französischen Konzession wird durch die Platanen, die rechts und links der Straßen stehen, bestimmt. Sie werden hier Französische Pappeln genannt.
Es macht Freude, über die schattigen Gewege zu laufen, überall gibt es schön gemachte Bars, Restaurants und Boutiquen, in dem Stil, wie man sie auch am Berliner Prenzlauer Berg findet oder früher in New Yorks Soho fand. Überhaupt erinnert mich das Viertel von seinem Flair, seiner Ausstrahlung her, stark an das Soho Anfang der neunziger Jahre.
Man kann sich hier für 40 Euro einen Anzug schneidern oder für 8 Euro eine Stunde lang massieren lassen.
Nach 2 Stunden erreiche ich den Fuxing Park
und schaue den Menschen bei ihrer samstäglichen Freizeitgestaltung zu. Es gibt einen Kindergeburtstag mit Millionen von Luftballons, Männer spielen Karten oder Brettspiele, Paare tanzen auf einer Kreuzung zu der Musik aus einem krächzenden Ghettoblaster….. herrlich. Liebespaare schmusen auf den zahlreichen Parkbänken, auf den Rasenflächen stehen Leute und machen in Zeitlupe ihre Tai Chi-Übungen.
Auf einem der Wege im Park finde ich 10 kleine Katzenbabies, die jemand hier ihrem Schicksal überlassen hat. Sie krabbeln hilflos herum und schreien, wahrscheinlich vor Hunger und Durst. Ein Mann in meinem Alter sieht dem Treiben eine Zeitlang zu, dann nimmt er sich zwei der Babies, säubert sie liebevoll an einem nahegelegenen Brunnen und wickelt sie in sein Hemd, um sie mit nach Hause zu nehmen. Hoffentlich hat sich auch für die verbleibenden Kätzchen ein Retter gefunden.
Ich genieße das Parkleben noch eine Zeitlang auf einer Bank sitzend und verlasse dann den Park über die Nangshang Lu und erreiche schließlich durch die Xingye Lu Xintianti. Xintianti ist eine Fußgängerzone mit Außenbestuhlung, ein Komplex aus Bars und Restaurants. Man kann dort mehr oder weniger stilvoll sein Abendessen im Freien genießen. Auch ein riesiges Paulaner Brauhaus gibt es hier. Es dämmert schon leicht, mein Spaziergang hat einen ganzen Nachmittag verschlungen, und es ist kaum ein freier Platz in einem der Restaurants zu bekommen.
Samstag in Shanghai.
Ich genieße noch ein wenig die Abenddämmerung an der schön geschwungen angelegten Wasserfläche des Taipingqiao Parks und fahre nach Hause. Unweit des Hotels gibt es ein pakistanisches Restaurant, das ich zum Abendessen aufsuche. Eine gute Wahl, es schmeckt hervorragend.
Eine Woche bin ich nun hier.
Es ist, als wär’n wir schon alte Freunde, Shanghai und ich.
May 17, 2009



















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