Wolfgang Staudt Fotografie

Fotografie und Kultur

Tag: Desert

USA 2010 – ein Reisebericht

19. juli 2010, ärztliche versorgung, scenic drive, goblins

Eigentlich steht für heute Morgen ein Besuch des Goblin Valleys an, den ich jedoch verschieben muss. Ich hab mir eine recht schmerzhafte Entzündung zugezogen, die,
wie auch immer, ärztlich behandelt werden muss.
Barbie schreibt mir beim Frühstück die Adresse der Wayne County Medical Clinic im 29 Meilen entfernten Bicknell auf. Nach dem Frühstück sause ich los und stehe zufälligerweise um Punkt neun an der Klinik, die prompt um neun Uhr öffnet. Das Wort Klinik wird der Sache vielleicht nicht ganz gerecht, es handelt sich um ein einstöckiges Gebäude, in dem noch eine Zahnklinik und eine Pharmacie untergebracht sind… Der Empfang ist freundlich, ich lege meine Creditcard vor und werde gefragt, ob ich in Deutschland eine Versicherung habe, was ich bejahe.
Daraufhin macht die freundliche Dame eine Kopie meines Reisepasses, die später den Papieren für meine Versicherungsabrechnung beigelegt wird, als Nachweis meiner Identifikation.
Nach 10 Minuten werde ich zur Untersuchung gebeten, werde gewogen, Blutdruck, Puls, Blutentnahme, Pinkeln…. die wollen es aber wissen, denke ich… Die Helferin lässt mich alleine. Nochmal 10 Minuten später erscheint die Ärztin im Raum mit den Worten:
“Congratulations! You’ve got it! You’ve got an infect!”
“I think so.. ” lache ich. Sie erklärt mir, dass ich zwei verschiedene Arzneimittel bekomme, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Sie will sicher gehen, dass ich alles richtig verstanden habe, deshalb tippt sie ihre Erklärung, die Arzneien betreffend, in ihr Notebook ein und lässt es dann von GoogleTranslate ins Deutsche übersetzen….
Der ganze Spaß hat mich 111 Dollars gekostet, plus nochmal 29 für die Pillen. Hauptsache, die Bazillen werden gekillt… Um viertel nach 10 stehe ich wieder draußen an meinem Auto, noch nicht geheilt, aber auf dem Weg dahin und beruhigt.

Der Ranger im Visitorcenter in Fruita hat mir
gestern einen Scenic Drive im Capitol Reef National Park ans Herz gelegt, und da Fruita genau auf halber Strecke zurück nach Cainville liegt, beschließe ich, den Scenic Drive auszutesten. Von Bicknell aus komme ich zunächst durch das 2085 m hoch gelegene Torrey. Die Stadt gefällt mir so gut, dass ich halte und ein wenig spazierengehe. Der Fremont River fließt durch die Stadt und lässt Rasen und Bäume wachsen, wo sonst nur dürre Wüste wäre. Torrey liegt sauber und freundlich in der Sonne, es gibt sogar eine Kunstgalerie. Jetzt, im direkten Vergleich, fällt mir erst auf wie schmutzig und heruntergekommen das in nächster Nachbarschaft gelegene Hanksville doch ist.
Wer ein wenig Zeit in der Gegend verbringen will, sollte auf jeden Fall Torrey den Vorzug vor dem depressiven Hanksville geben.

Ich erreiche Fruita und biege von der 24 nach Süden auf den Scenic Drive ab. Für Wohnmobile ist der Trail verboten, weil zu eng.

Sehr sehr oft, wenn ich zu Hause von einer USA-Reise berichte oder von Vorbereitungen für eine solche erzähle, werde ich gefragt, warum ich mir eigentlich kein Wohnmobil mieten würde. Irgendwie gehen alle davon aus, das the American Way Of Travel nur mit einem Wohnmobil erfahrbar ist. Miete Dir ein Mobilhome, und Du bist frei…
Ich denke, dass ist gehört zu den Vorurteilen gegenüber den USA, die sich in Deutschland (und anderen europäischen Ländern) so fest eingenistet haben. Ein Wohnmobil kostet je nach Größe das drei- bis vierfache an Miete als ein PKW, frisst mindestens doppelt so viel Sprit (keine Dieselmotoren üblich!), und wenn man abends einen Campground aufsucht, sind wieder 30 bis 50 Dollars an Platzmiete fällig. Sich irgendwo einfach hinzustellen, bringt garantiert Ärger mit den Behörden ein, außerdem braucht man frisches Wasser, Strom, man muss sein Schmutzwasser irgendwo ablassen können, man braucht wifi…… Also alles Dinge, die ein ganz normales Motelzimmer, das mit gutem Komfort (wifi, refrigerator, Kaffeebereiter, Kühlschrank, air condition) zwischen 60 und 90 Dollars pro Nacht kostet, ganz selbstverständlich bietet. Man vergleiche den Platz, den ein Motelzimmer hat, die Größe der Betten, des Bades, mit dem eines Wohnmobils! Ganz abgesehen davon, dass ich mein Motelzimmer, so ich es morgens schmutzig verlasse, abends wieder sauber vorfinde, mit gemachtem Bett und aufgefülltem Kaffeevorrat…. Wer macht wohl im Mobilhome sauber, wer pflegt die Betten?

Ein Wohnmobil ist das Gegenteil von Freiheit, es ist ein Klotz am Bein, es ist schwerfällig zu fahrn, man darf nicht überall hin, es ist sündhaft teuer. Nicht umsonst haben die amerikanischen Urlauber, die mit Mobilhome verreisen, stets ihren PKW hintenan hängen.
Nehmt Euch doch einfach ‘n Zimmer, Leute. Von mir aus jeden Abend in einer anderen Stadt.

Scenic Drive, zunächst asphaltiert, später unpaved, bietet nichts spektakuläres. Er schlängelt sich schön durch die Canyons, man überquert ein paar Washes, aber all das ist ja fast schon Alltag in dieser Gegend hier. Das Ende des Trails ist gleichzeitig Trailhead für ein paar HikingTours, aber auf Wanderungen in der nachmittäglichen Hitze bin ich heute nicht aus. Also ab nach Hause.

Am späten Nachmittag steige ich nochmals in den Wagen,
um das Goblin Valley zu besuchen. Es hängen zwar schwarze Wolken am Himmel, was aber nichts zu bedeuten hat, das Valley ist 50 Meilen entfernt, dort scheint vielleicht die Sonne. Ich fahre also los – und mitten hinein in den Gewittersturm. Ich kann mich noch eine halbe Stunde im Tal der Pilze aufhalten und ein paar wenige Fotos machen, dann muss ich vor Blitz und Donner die Flucht ergreifen.
Auf dem Rückweg mache ich in Hanksville halt, da gibt es noch ein Restaurant, das ich noch nicht kenne, trägt den stolzen Namen “Blondies”. Es ist ein Hamburgerladen und macht einen verschlissenen Eindruck, was man von außen nicht erkennt. Es arbeiten zwei Mädels, die beide das Lächeln nicht erfunden haben… Ich bestelle einen Chickenburger mit Fries an der Theke und setze mich auf das eingerissene Sitzpolster eines Stuhles an einen Tisch. Kurz darauf wird mir mein Burger serviert, wieder ohne auch nur den Anflug eines Lächelns.
Ich hab’s euch ja gesagt: Hanksville macht depressiv.

Gefahren: 214,60 Meilen
Benzin: 30,00 $
Hotel: 60 €
Essen: 12 $

USA 2010 – ein Reisebericht

16. juli 2010, a lot of arches

Gestern hab ich Euch mit einer Menge Text genervt, heut will ich mal Bilder für sich sprechen lassen.

Nur so viel als Beigabe: ich hab mir für heute den Double O Arch Trail vorgenommen, einen 7 km langen round trip, der als einer der schwierigen Trails im Park ausgewiesen ist. Zum Glück bin ich schon morgens um halb sieben aufgebrochen, so dass ich die größte Hitze gemieden habe. Sechs Stunden war ich unterwegs, inklusive Fotografieren, der Trail hat sich teilweise als sehr schwierig erwiesen, ist aber auf jeden Fall lohnenswert, landschaftlich eine kleine Sensation…. viel Spaß mit den Fotos!

Gefahren: 48,40 Meilen
Hotel: 79,60 $
Benzin: 46,81 $
Essen: 19,80 $

Devil’s Garden Trailhead

Landscape Arch

Partition Arch

Partition Arch

Navajo Arch

Double O Arch