Wolfgang Staudt Fotografie

Fotografie und Kultur

Tag: Italien

Reisebericht: Südtirol


Für meinen Aufenthalt in Südtirol habe ich  das Hotel Aurora in Meran ausgewählt. Ich halte mich lieber in Städten als auf Dörfern auf, und am Aurora gefiel mir seine Lage mitten in Meran direkt an der Promenade und an der Passer.

Meine Wahl hat sich als eine sehr gute erwiesen. Im Aurora habe ich ganz wunderbar gewohnt, wurde immer auf das freundlichste begrüßt und fand stets ein offenes Ohr für meine Wünsche und Probleme.
Ich freute mich darauf, nachmittags in mein stets sauber aufgeräumtes Zimmer zurückzukehren, und abends auf der Terrasse sitzend zu Abend zu essen. Vielen Dank an das hervorragende Küchen- und das freundliche Restaurantteam.

Ich werde wiederkommen. Auf jeden Fall.

Südtirol: ein Reisebericht

24. juli 2011 höhenrausch

Der Himmel ist glasklar, als ich heute Morgen um 5 Uhr auf meinen Balkon trete und skeptisch nach oben schaue. Also los, die Fototasche geschultert und ab auf die Straße.

Mein Ziel ist das Stilfser Joch, der höchste Gebirgspass Italiens und der zweithöchste asphaltierte Pass der Alpen. Von Prad aus sind 48 Spitzkehren bis auf die 2757 m hohe Passhöhe zu bewältigen…. ich habe etwa 1 Stunde Fahrt durch den Vinschgau vor mir, bis der Spass beginnt. Um halb sieben morgens kommt scheinbar niemand auf die Idee, das Joch hinauf zu fahren, die Straße ist leer. Ich gebe den 200 Pferdchen unter der Haube des Seat die Sporen, und wir jagen in Richtung Himmel, dass es eine Freude ist. Das Doppelkupplungsgetriebe hat, wie von Zauberhand geschaltet, immer den richtigen Gang parat, der Fahrer kann sich ganz und gar auf’s Lenken und die Fahrbahn konzentrieren – wir fegen um die Kehren wie an einer Schnur gezogen.

Oben angekommen,
hält die Temperatur, was die Eiszapfen, die von den Dächern der Gebäude hängen, versprechen: das Thermometer des Wagens zeigt minus 2° Celsius an. Erst mal eine warme Jacke überziehen….. hier oben ist schon Treiben, eine Menge warm angezogene Menschen mit Skikern stehen Schlang vor der Seilbahn, die sie ins Sommerskigebiet bis auf 3450 m hinauf befördern wird. Wäre es nicht so furchtbar kalt, ich wäre neugierig darauf, mit nach oben zu fahren.

Nachdem ich ein paar Fotos aufgenommen habe, verlasse ich die Passhöhe und fahre über die Westseite wieder hinunter Richtung Bormio. Fährt man von Bormio aus über die SS300 nach Ponte di Legno, kommt man über den 2618 m hohen Gaviapass, mein zweites Ziel heute.
Auch hier herrscht noch kein Betrieb heute Morgen, wieder ist uneingeschränkter Fahrspass angesagt. Außerdem bietet die Nordrampe immer wieder ganz fantastische Aussichten auf die umliegende Bergwelt. Oben gibt es einen Parkplatz, man kann um einen Bergsee, den Lago Bianco, herum wandern, von einem Tourismusboom ist herrlich wenig zu vernehmen.
Die Südrampe ist bei weitem nicht so gut ausgebaut wie die nördliche Auffahrt. Gleich zu Anfang weist ein Schild darauf hin, dass die Straßenbreite zwischen 4,50 m und 2,00 m variiert. So ist es auch, einige kurze Tunnel, in denen es teilweise sehr eng zugeht, und ein stockdunkler, 800 m langer Tunnel sind zu durchfahren. Die Straße ist teilweise so schmal, dass einmal sogar ein Motorradfahrer an einer Ausweichstelle anhält, um mich passieren zu lassen. Leitplanken gibt es selten – eine abenteuerliche Fahrt.

In Ponte di Legno biege ich scharf links ab und gelange auf einen dritten Pass, den Tonalepass – und mitten hinein in den Kommerz.
Auf der Passhöhe hat sich eine starke touristische Infrastruktur breitgemacht, ein Schock, wenn man zwei so einsame Passfahrten hinter sich hat wie ich heute Morgen. Ich nutze das Angebot und frühstücke eine Semmel mit Speck und Käse und 2 Tassen starken italienischen Kaffee.

Das Wetter hat sich verschlechtert, ich fasse eine Rückkehr nach Meran ins Auge.
Spontan mache ich noch einen Abstecher nach Proveis, einem kleinen südtiroler Dorf, dass sich seine Ursprünglichkeit erhalten hat. Es macht Freude, in Proveis zu spazieren, Straßen und Plätze sind schön gepflastert, touristischen Schnickschnack gibt es keinen, sondern Ruhe und Beschaulichkeit.
Die Kirche ist sehr schön, ich verbringe eine Stunde darin und nehme ein paar Bilder auf. Die ganze Zeit über bin ich alleine hier. Dieser Abstecher hat sich gelohnt.

Südtirol: ein Reisebericht

20. juli 2011 durch den vinschgau und über den reschenpass

Die Uhr zeigt schon halb acht, als ich erwache, für mich ein ungewöhnlich spätes Erwachen. Das spricht für das Aurora Hotel, ich schlafe hier ruhig und gut und erwache ausgeruht.
Ein Blick aus dem Fenster erstickt jede Euphorie im Keim, der Regen, der gestern Abend begann, hält leider immer noch an. Ich lasse es also gemütlich angehen mit dem Frühstücken und überlege, wie ich den Tag am besten gestalte.
Eine Wanderung scheidet naturgemäß aus, bleibt als Alternative eine Tour mit dem Auto. Ich suche mir eine Strecke durch den Vinschgau mit Ziel Reschenpass aus und hoffe, dass das Wetter im Tagesverlauf ein Einsehen haben wird.

Los gehts über die Staatsstraße 38 über Partschins, Naturns, Tschars nach Kastelbell. Dort halte ich an dem gleichnamigen Schloss. Es regnet nicht mehr, und ich vertrete mir ein wenig die Beine, indem ich vom Schloss, das noch geschlossen ist, bergauf wandere, durch Obstplantagen und Weinberge, die abwechselnd das Landschaftsbild des gesamten Vinschgaus prägen. Der Weg nach oben verläuft sehr sehr steil und endet an einem Bauernhof mit angeschlossener Gastronomie.

Von hier oben schieße ich ein paar Fotos ins Tal hinab. Der Aufstieg hat mir Freude gemacht. Am Schloss angekommen, fahre ich weiter Richtung Reschenpass, leider immer wieder von Regenschauern begleitet. Der Verkehr auf der SS40 ist sehr dicht, ein Überholen auf der kurvenreichen Strecke ist selten möglich und im Grunde genommen auch sinnlos.
Ich passiere den Haidersee, Reschensee und Reschenpass und halte ein zweites Mal am Naudererschloss in Nauders an. Vom Schloss aus hat man eine schöne Panoramasicht auf Nauders, das malerisch wolkenverhangen zwischen den Bergen daliegt. Für bestimmte Effekte hat ein solches Wetter auch sein Gutes….

Natürlich kann, wer den Reschensee passiert, nicht umhin, den Parkplatz anzusteuern, von dem aus man den alten Kirchturm des urprünglichen Ortes Graun besichtigen und bewundern kann, der als Überrest des im See versunkenen alten Grauns aus dem Wasser wie ein ewiger Zeuge herausragt.

Die Reste des eigentlichen Graun befinden sich heute auf dem Grund des Sees, eines Stausees, der 1950 für die Stromgewinnung errichtet wurde. Bis auf den denkmalgeschützten Kirchturm wurden alle Gebäude geschleift, das Dorf wurde am östlichen Talrand neu erstellt und die Bevölkerung umgesiedelt. Der Kirchturm von St. Peter, der heute aus dem See ragt, ist das einzige, was vom ehemaligen Graun noch erhalten geblieben ist.(Wikipedia)

Ich schätze mal ganz spontan, dass dieser Turm
nach seinem schiefen Kollegen in Pisa der am zweithäufigsten fotografierte Turm der Welt ist. Das Fremdenverkehrsamt hat sogar eine Kameraanlage mit Selbstauslöser installiert, mit Hilfe derer man auf Knopfdruck ein Bild von sich selbst vor dem Turm aufnehmen kann, dass man dann später im Internet bewundern kann…

Ich halte also hier an und mache ein paar Fotos von dem Turm, wobei ich aufpassen muss, dass meine Aufnahmen nicht durch Regentropfen auf dem Objektiv zerstört werden.
Der Verkäufer eines Obststandes spricht mich freundlich an, er möchte, dass ich ein Bild von ihm aufnehme, dass ihn vor seinem Stand zeigt. Das tue ich gerne, er schreibt mit seine E-Mail-Adresse auf eine Ansichtskarte und schenkt mir eine ganze Tüte mit verschiedenen Früchten gefüllt zum Dank.
Schließlich fahre ich weiter, und biege in Graun ganz spontan nach links ins Langtauferer Tal ab. Ein toller Entschluss, wie sich herausstellt, den das Tal glänzt nicht nur mit sagenhaften Ausblicken, sondern auch durch seine sagenhafte Einsamkeit,
über die ich nach dem Rummel in Graun mehr als glücklich bin. Die schmale Straße windet sich bis nach Melag durch eine schroffe Berglandschaft, die mich immer wieder zum Fotografieren anhalten lässt. Bei einem solchen Stopp lerne ich einen auffallend geschmackvoll gekleideten 82jährigen Herrn aus Krefeld kennen, der mir erzählt, dass er schon seit über 30 Jahren mehrmals im Jahr ein paar Wochen Zeit in diesem Tal verbringt. Der Glückliche.

In dem festen Glauben, dass ich der Landschaft des Vinschgaues trotz widriger Wetterbedingungen ein paar stimmungsvolle Bilder abgewinnen konnte, fahre ich zurück ins schöne Meran, dass ich gegen 16:45 erreiche.
Ich habe nicht das Gefühl, mich über irgendetwas ärgern zu müssen.

Südtirol: ein Reisebericht

19. juli 2011 ein weg mit aussichten

Das Wetter ist nicht der Reißer heute Morgen – die Gipfel rundum stehen im Wolkendunst.
In einem Prospekt, den mit die freundliche Rezeptionistin des Aurora gestern samt Stadtplan überreicht hat, habe ich vom Tappeinerweg
gelesen, einer etwa 6 Kilometer langen Promenade, die am Hang des Küchelbergs etwa 100 m über dem Meraner Talkessel verläuft und naturgemäß herrliche Ausblicke auf die Stadt bietet.
Gegen 8:30 Uhr, nach dem Frühstück, laufe ich los.
Wer jemals in Italien war, weiß, dass das Frühstück made in Italia keine Abschweifung wert ist – ich möchte es trotzdem kurz erwähnen. Als Besonderheit gilt es schon, schwarzen Kaffee zu bestellen. Italiener trinken morgens Cappuchino oder Latte. Ich bin der erste Gast im Frühstücksraum heute Morgen, und die Serviererin redet mich zu meinem Erstaunen in italienischer Sprache an. Nun gut, meine Sprachkenntnisse reichen aus, einen Kaffee ohne Milch zu bestellen… umso verblüffter bin ich, als diesselbe Serviererin mit dem nächsten Gast in akzentfreiem Deutsch parliert. Sie hat mich für einen Italiener gehalten – dass wird mir heute noch mehrmals passieren.
Zurück zum Frühstück: das kann man in Italien nicht.
Mit Frühstück meinen die Italiener ein Croissant, das man zeitungslesend in den schon erwähnten Latte tunkt. Sonst nichts. Das Buffet im Hotel ist zwar sehr umfangreich, aber eben lieblos hergerichtet. Zugegeben, ich bin ein Frühstücksfan, ich liebe es, warme Speisen zu frühstücken, Bratkartoffeln, Rühr- oder Spiegelei, gebratenen Speck, Würstchen mit Senf… Das einzig warme jedoch, das dieses Buffet bietet, sind hartgekochte Eier. Das Brot ist knochentrocken und entbehrt jeden Geschmack, auch eine typisch italienische Un-Art. Ich labe mich an den frischen Früchten, die es sowohl einzeln als auch in Form einer Schüssel mit Obstsalat gibt.
Danach laufe ich also los, zunächst über die Kurpromenade,
an der ja auch das Aurora liegt. Ich komme am Kurhaus vorbei, das auf jeden Fall ein Foto wert ist. Überall auf der Promenade kommt man an Inseln mit blühenden Pflanzen vorbei, so wunderschön arrangiert und so herrlich duftend, wie ich es in Deutschland noch nie erleben durfte. Ein Lob der Stadtgärtnerei und dem milden Klima Merans.
Ich passiere das Kurhaus und laufe nach links zur Pfarreikirche St. Nikolaus hinauf. Vom Pfarrplatz aus erreiche ich über eine steile Treppe mein Ziel, den Tappeinerweg. Hat man den Weg erst erstiegen, hat die Anstrengung auch schon ein Ende – der Weg verläuft fast völlig eben bis zum Stadtteil Gratsch. An seinem Ende gebt es eine Bushaltestelle, wer will, kann also von hier aus mit dem Bus zum Stadtzentrum zurückkehren.
Ich bin den Weg zweimal gelaufen, hin und zurück, denn es ist ein einmalig schöner Weg.
Nicht nur für die in der Tat sagenhaften Aussichten auf Meran kann man sich begeistern, sondern auch für die exotische, zum Teil betörend duftende Pflanzenwelt, die der Weg aufbietet.

An Nadelbäumen sind vor allem Pinie und Himalajazeder häufig gepflanzt; an Laubbäumen und -sträuchern sind Korkeiche, Ölbaum, Europäischer Zürgelbaum, Westlicher Erdbeerbaum, Eukalyptus, Bambusarten und Magnolien zu nennen. Einen süßen Duft – wie der Name schon verspricht – verströmen die Blüten der Süßen Duftblüte (Osmanthus fragrans). Auch Chinesische Hanfpalmen, Agaven, Aloen und Opuntien sind gepflanzt, daneben viele kleinere Blütenpflanzen und Bodendecker.
Die Gemeinde Meran führt einen Baumkataster, in dem auch ein großer Teil der entlang des Tappeinerwegs anzutreffenden größeren Bäume und Sträucher aufgeführt sind. Dieser Baumkataster ist im Internet aufrufbar. Eine Statistik in diesem Kataster führt über
400 Baum- und Strauchexemplare auf. Diese sind entlang des Tappeinerweges mit einem nummerierten Schild beschriftet, so dass der Tappeinerweg auch als ein botanischer Lehrpfad benutzt werden kann.
(Wikipedia)
Auf dem Rückweg laufe ich noch ein Stück der Gilfpromenade, die sich am Zenoberg nahtlos an den Tappeinerweg anschließt. Ich komme zur Gilfklamm, einer engen Felsenschlucht, durch die sich der Wildbach Passer mit gewaltig schäumendem Getöse zwängt.
Über die Winterpromenade an der Passer entlang erreiche ich am Ende wieder meinen Ausgangspunkt, die Kurpromenade. Und Massen von Menschen, die in und vor den zahlreichen Cafés und Restaurants den Tag genießen.
Eine lebendige Stadt, meine Urlaubsheimat.

Südtirol: ein Reisebericht

18. juli 2011 saarbrücken – meran mit ein paar umwegen

Als 11 oder 12jähriger Junge, so genau weiß ich das nicht mehr, habe ich einmal einen dreiwöchigen Urlaub in Meran,
Südtirol, verbracht. Diese 3 Wochen habe ich seither als ein richtig tolles Erlebnis im Gedächnis, es hat mir sehr gut gefallen in Meran, und immer schon wollte ich diese Stadt nochmal besuchen.
Heute ist es soweit, ich breche auf, die Alpen zu überqueren.
Von Meran aus kann hat man es mit dem Auto nicht weit zu einigen der berühmtesten und höchsten Alpenpässe, wie zum Beispiel der Reschenpass, das Stilfser Joch, Ofenpass, Timmelsjoch usw. Diese Pässe möchte ich erfahren und erleben und natürlich fotografisch aufnehmen. Meran ist ja berühmt für sein mediterranes, ungewöhnlich mildes Klima, ich hoffe sehr, dass das Wetter mitspielt.

In Wikipedia kann man über das Klima Merans lesen:
Das Klima Merans ist mediterran geprägt; übers Jahr werden durchschnittlich ca. 300 Sonnentage gezählt. Von der Texelgruppe im Norden und Nordwesten wird der Talkessel vor Niederschlägen und kalten Winden gut geschützt. Das nach Süden geöffnete Tal sorgt für die Zufuhr ausgeglichen warmer Luft (auch im Spätherbst und im Frühjahr), wodurch das Wachstum mediterraner Pflanzen wie z. B. Palmen, Zypressen, Steineichen, Lorbeer, Myrthen und Libanonzedern begünstigt wird. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 11,5 Grad; die Januardurchschnittstemperatur 1,1 Grad, die Julidurchschnittstemperatur 21,7 Grad. (Mittlere Höchsttemperaturen: Jan. 6,5 Grad; Juli 29,5 Grad; mittlere Tiefsttemperaturen: Jan. -4,3 Grad, Juli 13,9 Grad). Jahresniederschlag im Mittel: rund 700 mm, mit relativ trockenen Wintern und relativ feuchten Sommern.

Um 4:30 am Morgen bin ich auf der Straße, passiere die Bundesstraße 10 und fahre ab Karlsrunhe über die A8 weiter Richtung Süden. Ab dem Kreuz Ulm/Elchingen geht es dann auf der A7 weiter Richtung Innsbruck. Mein Navigationsgerät heißt mich mitten auf der Strecke, die Autobahn zu verlassen, ohne dass ich den Sinn verstehe – wahrscheinlich gibt es Richtung Innsbruck Staumeldungen. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Gerät gemacht, was das Umfahren von Staus angeht, also verlasse ich die Autobahn, wie geheißen, und fahre fortan Landstraße, bis auf einige wenige Autobahnstücke in Österreich, bis zu meinem Ziel.
Bei Pfronten im Allgäu überquere ich die Grenze nach Österreich, und lande schließlich im Ötztal, dass ich ganz durchfahre.
Es macht einen sehr auf Tourismus eingestellten Eindruck, manche Orte kommen mir vor wie ganzjährig geöffnete Rummelplätze, die Straßen quellen über vor Menschenmassen, für mich ein Urlaubs-Alptraum. Das Wetter ist sehr schlecht, und als ich in Umhausen einen Wegweiser zu Wasserfällen sehe, biege ich kurz entschlossen ab, ich habe ja Zeit genug, bei diesem Wetter verpasse ich in Meran garantiert nichts. Es ist nicht weit zu den Wasserfällen, dort angekommen, bereue ich jedoch meine Entscheidung, was diesen Abstecher angeht, weil schon auf dem Parkplatz, der zu den Fällen gehört, rummelplatzartige Zustände auszumachen sind. Ich fahre einfach weiter
und komme so in das kleine Dörfchen Niederthai, sehr malerisch, ich steige aus, um ein Bilder aufzunehmen.
Weiter geht es durch die Stubaier Alpen, bis zum Timmelsjoch. Das Timmelsjoch ist ein 2474 Meter hoher Grenzpass zwischen Österreich und Italien. Der Pass ist mautpflichtig, die Gebühr beträgt 14 Euro. Es sind 9 Spitzkehren bis zur Grenze, falls ich richtig gezählt habe, und witzigerweise steht an jeder der Kehren ein Schild mit der jeweiligen Nummer und der Höhe über NN. Leider wird ab der Kehre Nummer 7 der Nebel so dicht, dass ich von der Landschaft nichts mehr mitkriege, ich habe Mühe, dem Verlauf der Straße zu folgen, so schlecht ist die Sicht.
Die Abfahrt auf italienischer Seite kommt mir sehr viel länger und kurvenreicher vor als die Strecke auf der österreichischen Seite. Mehrere Tunnels sind zu passieren, in welchen sich der Nebel ebenfalls breit gemacht hat, was mir ein überaus gespenstisches, noch nie zuvor gehabtes Fahrerlebnis beschert. Der Verkehr ist sehr dünn, ich bin die ganze Zeit alleine auf meiner Spur, und nur selten hab ich Gegenverkehr.

Meine Hoffnung, Italien würde mich auf der jenseitigen Seite des Passes mit besserem Wetter empfangen, wird durch starken Regen enttäuscht. Auch in Meran, das ich schließlich gegen 14:30 Uhr und rund 700 Kilometern Fahrt erreiche, regnet es leicht. Im Hotel Aurora erhalte ich ein sehr sympathisches Einzelzimmer in der vierten Etage mit einem gigantischen Balkon. Das macht Laune, hier werde ich aushalten können.

Nachdem ich mich eingerichtet habe, lasse ich mich ein wenig durch die Straßen und Gassen der Stadt treiben. Die meisten von Ihnen sind eng, wie man es von italienischen Städten kennt.
Wer gerade wie aus Berlin, wo man gemeinhin auf weitläufigen Straßen mit breiten Gehwegen flaniert, kommt, für den ist die erwähnte Enge erstmal sehr gewöhnungsbedürftig.
Das meinem Hotel angegliederte Restaurant ist sehr teuer, ich lese die ausgestellten Karten der Restaurants, an denen ich vorbeilaufe. Leider gibt es kaum Unterschiede, was die Auswahl der gebotenen Gerichte angeht. Fantasie zeigen die Wirte allerdings, wenn es um die Preisgestaltung geht, nur die Berge rund um die Stadt sind höher. Ich möchte kein fettes Fleisch- oder Knödelgericht zu Abend essen und entscheide mich am Ende für eine indisches Restaurant.

Der Wetterbericht für Dienstag verspricht kaum bessere Verhältnisse, ich werde morgen also keine Passfahrten unternehmen, um einen Reinfall wie am Timmelsjoch auszuschließen. Was ich bisher von Meran gesehen habe, ist mir sympathisch, ich werde den Dienstag nutzen, meine Eindrücke zu vertiefen.
Mal sehen.