Wolfgang Staudt Fotografie

Fotografie und Kultur

Tag: Landscape

Sommer an der Saarschleife

Sommer an der Saarschleife

Die sächsische Schweiz: ein Reisebericht

6. juli 2011 pfaffenkopf und barbarine

Am Montag dieser Woche,
diesem verregneten Montag, der einem noch verregneteren Sonntag folgte, wartete ich, zusammen mit einer Menge anderer Touristen, die ebenso wie ich voller Optimismus, aber ohne Regenschirm unterwegs waren, im Haus des Gastes in Bad Schandau auf das Ende des Weltuntergangs in Form eines Regensturms, der ein Verlassen des Hauses unmöglich machte, so man nicht binnen Sekunden triefnass sein wollte.

Im günstigsten Fall kommt man miteinander ins Gespräch,
so man zu gemeinsamen Warten verdammt ist, und so kam es, dass ich ein nettes Ehepaar aus Berlin kennenlernte, die ich mit ihrem kleinen Hund schon des Morgens beim Frühstück im Hotel gesehen hatte. Der nette Berliner gab mir den Tipp mit dem Pfaffenkopf, er zeigte mir den Weg auf der Karte, und erklärte, die Besteigung des Pfaffenkopfes sei zwar ein anstrengendes, aber nicht minder wundervolles Erlebnis. Ich kaufte die Karte und nahm mir vor, so das Wetter irgendwann ein Einsehen habe würde und die Welt dieses Mal wider Erwarten nicht untergänge, den Pfaffenkopf zu erobern.

Heute Morgen war es dann soweit, mit Karte und Fotografierausrüstung bewaffnet verließ ich gegen acht das Hotel.
Man nimmt die B 172 Richtung Königstein und biegt direkt, nachdem man die Elbe überquert hat, nach links Richtung Paffendorf und Kurort Gohrisch ab. Leider ist der Wegweiser, aus welchen Gründen auch immer, nur zu sehen, wenn man aus der entgegengesetzten Richtung, aus Königstein kommend also, die B 172 befährt. Man muss also aufpassen, dass man den Abzweig nicht verpasst.

Die Straße führt zum Kurort Gohrisch, dort biegt man an der zweiten Möglichkeit nach links Richtung Pfaffendorf ab. Dieser Abzweig ist noch leichter zu verpassen als der erste auf der Bundesstraße, weil es hier keinerlei Hinweisschilder gibt… im Zweifel einfach im Dorf nochmal jemanden fragen.

In Pfaffendorf angekommen, findet man einen großen Parkplatz,
von dort startet man die Wanderung zum Tafelberg, dem Pfaffenstein. Man hat 2 Möglichkeiten, aufzusteigen, einen etwas längeren bequemen weg, oder den kürzeren steilen Weg über Stiegen, der auch Bestandteil des Malerweges ist. Ich nehme den steilen Aufstieg, der sich als recht strapaziös erweist, er führt durch zum Teil sehr steile und noch engere Stiegen. Eine Familie, die eine Zeitlang hinter mir aufsteigt und  reichlich Gute-Laune-Lärm verursacht, kehrt auf einmal um – wahrscheinlich ist ihnen dieser Weg zu beschwerlich geworden…

Oben angekommen, zeigt sich die Oberfläche sehr zerklüftet. Will man zur Barbarine gelangen, hat man noch eine kleine unwegsame Wanderung auf der Tafelbergoberfläche zu bewältigen, unter anderem muss man sich durch einen engen Felsspalt, der maximal 50 cm breit ist, zwängen. Für jemanden wie mich, der eine Fototasche mitführt, die die zugelassenen Handgepäckmaße der meisten Fluggesellschaften (RyanAir ist keine Fluggesellschaft, sondern ein Billigflieger, im wahren Sinne des Wortes)  voll ausnützt, keine allzu leichte Aufgabe. Will man gute Aufnahmen erstellen, muss man da wohl durch…..

Die Barbarine ist ein freistehender, 42,70 m hoher Felsen, ein Wahrzeichen der sächsischen Schweiz.  Sie wurde 1905 zum ersten Mal durch Bergsteiger bestiegen.
Weil der obere Kopf des nadelförmigen Felsens durch Blitzschlag und Erosion instabil geworden ist, wurde die Bergsteigerei an der Barbarine 1976 verboten.

Einer Sage nach stellt der Felsen eine versteinerte Jungfrau dar, das immerwährende Mahnmal eines Strafgerichts, nach welchem es geschehen seyn soll, daß eine Mutter ihre Tochter Sonntags habe heißen in die Kirche gehen, die Tochter aber sey währender Kirche auf den Pfaffstein in die Heydelbeere gegangen, und als sie die Mutter daselbst angetroffen, habe sie die Tochter im Zorn verwünschet, daß sie müsse auf der Stelle zum Stein werden; worauf solches augenblicklich also geschehen, und daher diese zum Stein gewordene Jungfer auf immer allhier stehe, und mit ihrem Steinbilde alle ungehorsame Kinder warne. Der Name Barbarine wurde vom Vornamen des Mädchens abgeleitet. (Quelle: Wikipedia)

Dadurch, dass ich relativ früh aufbrach, bin ich alleine hier oben am Aussichtspunkt zur Barbarine. Für den Rückweg benutze ich den ²bequemen” Abstieg. Er ist in Relation zu dem steilen Aufstieg bequem, das bestätige ich, von einem wirklich bequemen Wanderweg kann aber keine Rede sein.

Am frühen Nachmittag treffe ich im Hotel ein. Den Abend werde ich in Dresden verbringen, mit einer Raddampfertour. Darüber folgt ich ein gesonderter Bericht.


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