Wolfgang Staudt Fotografie

Fotografie und Kultur

Schlagwort: Reisebericht Sächsische Schweiz

Sächsische Schweiz: ein Reisebericht

8. juli 2011 von bad schandau nach berlin und ein schloss dazwischen

Es gilt, Abschied zu nehmen von Bad Schandau, der Sächsischen Schweiz und dem Parkhotel, das fällt nicht so ganz leicht, denn ich habe mich sehr wohl gefühlt hier – mein besonderer Dank an
das Team des Parkhotels, deren Service keine Wünsche offengelassen hat, und im Besonderen an das Küchenteam für das geniale Frühstück am Morgen, und die wohl ausgesuchten und köstlich zubereiteten Speisen der Abende. Ein Haus, dass ich ohne Einschränkung weiter empfehlen möchte.

Von hier nach Köpenick im Osten Berlins, wo mir ein guter Freund mit seiner Familie seit Jahren Unterschlupf gewährt, wann immer ich mich nach der Hauptstadt sehne, sind 235 Kilometer zurückzulegen. Das heißt, dass ich mir Zeit lassen kann mit der Fahrt, ich beschließe, einen kurzen Zwischenstopp an Schloss Moritzburg einzulegen, dass mir auf Fotos sehr gut gefallen hat.

Ich verwende ganz bewusst den Ausdruck Sehnsucht, wenn ich über Berlin rede. In keiner anderen
Stadt fühle ich mich mehr zu Hause als dort. Auch in Saarbrücken nicht. Ich liebe die Hauptstadt, Ihre Weitläufigkeit, Ihre Menschen, die Vielfalt an Kulturen und Subkulturen, die Wasserstraßen, Plätze, Parks, die Clubszene…. Ein starkes Gefühl der Verbundenheit macht sich in mir breit, jedesmal, wenn ich nach Berlin komme, das Gefühl, wieder daheim zu sein. Ich fühle mich umso freier, je länger ich in der Stadt weile, ein Gefühl, dass ich sonst nirgendwo erlebe.
Das war nicht immer so. Auch in den 90er Jahren war ich fast jedes Jahr in Berlin. Damals wirkte die Stadt immer ein wenig unheimlich auf mich, hektisch, irgendwie unfertig, irgendwie so schlechtgelaunt auf mich. Von der Clubszene jetzt mal abgesehen, meine ich, die damals wie heute die beste der Welt war und ist.
Die ganze Stadt war eine riesige Baustelle, in jeder Beziehung – eine Erfahrung, die mir in vielen Gesprächen mit Berlinern, auch in diesem Jahr wieder, immer wieder bestätigt wird.
Sehr gut erinnere ich mich an einen Sommermorgen in den 90ern im TresorPark in der Leipziger Straße mit Sven Väth, als der Tag dämmerte: wir kuckten tanzend in das nagelneue Sonntagmorgenhimmelblau und sahen nichts als Baukräne, 100te von Kränen, wir trauten unseren Augen nicht, aber die Kräne waren wirklich da, an der Großbaustelle Potsdamer Platz.
Hätte ich gewusst, wie sich das alles entwickeln würde mit Berlin, ich wär nie und nimmer in Saarbrücken geblieben.

Um elf fahre ich los, durchfahre Dresden und erreiche Moritzburg gegen Mittag. Fast hätte ich die Autobahn nicht verlassen und wäre nach Berlin durchgefahren, weil es die Fahrt über regnete. Der Himmel zeigte sich in dem tristesten Grau, dass er auf Lager hat. Just vor Moritzburg machte sich eine Insel aus tiefstem Blau in dem grauen Einerlei breit, was ich zum Anlass nahm, doch abzubiegen. So fand ich das herrliche Schloss in strahlendem Sonnenschein
daliegend vor, sehr zu meiner Freude die von dem starken Wind, der den Schlossteich aufwühlte und so verhinderte, das sich das Schloss in jenem auf fotogene Weise spiegelte, unwesentlich getrübt wurde.

Ich mache also Aufnahmen ohne Spiegelung. Der tiefblaue Himmel und das Schloss überbieten sich gegenseitig der Schönheit, ich bin sehr froh darüber, hier zu sein und genieße es, einmal um den Schlossteich herum zu wandern.
Wer einmal in der Nähe zu tun hat oder auf sich auf einer Reise befindlich in der Gegend vorbeikommt, sollte sich die Zeit für einen Abstecher nehmen. Es lohnt sich.

Am Nachmittag erreiche ich Köpenick und richte mich ein. Mein Freund und Gastgeber ist nicht zu Hause, er besucht mit seiner Familie seine Leute im Saarland und freut sich auch deswegen über meinen Besuch, weil er durch mich seine Katzen versorgt weiß.

Über meinen einwöchigen Aufenthalt in Berlin werde ich nicht weiter berichten. Die Woche vergeht viel zu schnell, ich verbringe meine Zeit damit, Freunde zu treffen, die ich nur sehe, wenn ich hier bin; und damit, die Ausstrahlung, die Atmosphäre, das Licht, die Weitläufigkeit, die Architektur, die Freundlichkeit, die Luft, die Graffitti, die Gastronomie, die Vielfalt, die Freiheit dieser wundervollen Stadt zu bewundern, zu leben, zu genießen.
Love it.

Sächsische Schweiz: ein Reisebericht

7. juli 2011 beuthenfall – idagrotte – kuhstall – lichtenhainer wasserfall – beuthenfall

Um sieben sitze ich am Frühstückstisch, um frühzeitig zu meiner heutigen Wandertour aufbrechen zu können.
Mein Ziel ist die Idagrotte, eine natürliche Höhle in 440 Höhe am Frienstein. Sie wurde im Mittelalter als Wohnraum genutzt.
Ich parke das Auto auf einem kleinen Parkplatz in Beuthenfall, der über die Kirnitzschtalstraße von Bad Schandau aus zu erreichen ist. Von hier aus laufe ich zunächst noch bequem über den Dietrichsgrund, von dem ich dann auf den Hinteren Heideweg abzweige, der direkt zum Frienstein und damit zur Idagrotte führt. Ab der Abzweigung hat es ein Ende mit dem bequemen Wandern, es gilt ab hier, Treppenstufen zu bezwingen… ich fange an zu zählen, lege auf einer Bank jenseits der 300 eine Pause ein und vergesse beim Weitersteigen das Weiterzählen, so dass ich euch leider keine entgültige Anzahl nennen kann. Eins ist klar: der Aufstieg ist kein Pappenstiel….
Oben angekommen, finde ich die Idagrotte,
die nur über einen schmalen Felsgrat erreichbar ist. Die Aussicht von da oben ist wunderbar und entschädigt für die Strapazen des Aufstiegs. Man blickt über den Wildensteiner Wald hinüber zum Kuhstall, man sieht den Wachberg, den Weifberg, den Wolfsberg und schließlich auf der rechten Seite die obere Winterbergspitze und die Winterbergbarbarine.
Eine fantastische Stille nimmt den Besucher gefangen, nichts ist zu hören außer ab und an das Summen eines Insektes.

Ich genieße die Stille und die Aussicht, ruhe mich aus von den Strapazen des Aufstiegs. Meine Wanderkarte studierend, beschließe ich, über die Obere Affensteinpromenade hinüber zum Kuhstall
zu wandern, den ich ja bei meinem ersten Besuch am Montag nur in Nieselregen und Nebel vorfand. Die Obere Affensteinpromenade schlängelt sich auf einer Höhe sehr schön am Felsabsatz des Winterbergs vorbei und bietet immer wieder schöne Aussichten, bis es schließlich über genauso viele Stufen, wie es vorher zum Frienstein hinaufging, wieder herabgeht ins Tal.
Man läuft nun wieder recht bequem durch dichten Wald über den sogenannten Fremdenweg, bevor der steile Aufstieg zu Kuhstall beginnt, der durch die Nasse Schlucht führt.
Heute finde ich den Kuhstall bei Sonnenschein vor, es sind massenweise andere Wanderer unterwegs, und ich brauche eine Menge Geduld, um ein gutes Foto aufnehmen zu können. Die Kuhstallbaude, die am Montag wegen des üblen Wetters geschlossen hatte, ist heute geöffnet, was ich zum Anlass nehme, mir zum Lohn für die anstrengende Wanderung hierher ein paar Würstchen und einen großen Pott Kaffee zu gönnen.
Den Abstieg zum Lichtenhainer Wasserfall kann man ganz locker laufen, ich begegne vielen Familien mit Kindern und vielen Ausflüglern in gehobenem Alter, für die der Kuhstall ein schönes Ziel ist,
das vom Kirnitzschtal aus ohne Strapazen erreichbar ist.
Am Wasserfall angekommen, nehme ich noch ein paar Fotos auf, bevor ich mich auf den Weg nach Beuthenfall zu meinem Wagen mache.
Ich war für die 8,5 Kilometer dieser Wanderung etwa 5 Stunden unterwegs. Natürlich kann man die Strecke viel schneller schaffen, wenn man nicht so viele Fotografierpausen einlegt wie ich….
Eine für das Gebiet der Sächsischen Schweiz ganz wesentliche Erfahrung hat sich heute wieder bestätigt: Eine wunderschöne Landschaft mit fantastischen Aussichten und Fotomotiven, die man sich aber mit Anstrengung erwandern, zum Teil auch erklettern muss. Wer schnell mal seinen Wagen am Rand der Straße oder auf dem Parkplatz eines Aussichtspunktes abstellen und die gebotene Aussicht knipsen will, der sollte seinen Urlaub anderswo planen.


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Sächsische Schweiz: ein Reisebericht

6. Juli 2011 dresden

Ich freue mich sehr auf eine Verabredung mit Mandy, die am heutigen Abend mit mir eine Raddampferfahrt
über die Elbe durch Dresden unternehmen will. Der Dampfer startet um 18:45 Uhr an der Anlegestelle unterhalb der Brühlschen Terrasse. Der späte Nachmittag gehört, verkehrstechnisch gesehen, zur Rush Hour, deswegen fahre ich frühzeitig kurz vor 17 Uhr in Bad Schandau los. Ich errreiche Dresden ohne den geringsten Stau, und finde sofort einen Parkplatz am Terrassenufer, für den bis zum Ende der Gebührenpflicht um 20 Uhr 3 Euro zu berappen sind.
Ich habe noch eine Stunde Zeit totzuschlagen. Das macht in Dresden sehr viel Freude, ich schlendere ein wenig durch die Innenstadt, mache Fotos von der Frauenkirche vor blauem Himmel, und begeistere mich für die großartige Schönheit, die vielfältige und reichhaltig vorhandene Gastronomie und die spätnachmittägliche Atmosphäre in der Stadt. Ich werde auf jeden Fall
in naher Zukunft einen Kurzurlaub hier in dieser Stadt einplanen, das steht jetzt schon fest.
Als ich Mandy treffe, nehmen wir noch Zeit für ein Radler, dann pilgern wir los zum Anlegeplatz, wo die „Stadt Wehlen“ auf ihre Passagiere wartet.

Der Personendampfer Stadt Wehlen ist der älteste Schaufelraddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt.
Der Raddampfer wurde 1879 in der Werft Dresden-Blasewitz gebaut und am 18. Mai 1879 als Glattdeckdampfer Dresden in Dienst gestellt. Nach einer, durch den Bau eines neuen Personendampfers „Dresden“ nötig gewordenen, zwischenzeitlichen Umbenennung in Mühlberg trägt das Schiff seit 1962 den Namen Stadt Wehlen.
Wichtige Umbauten erfolgten 1949/50 (u.a. Aufbau des Oberdecks). Nach einer Kollision mit dem Dampfer Pirna und einem Kesselschaden war die Stadt Wehlen von 1977 bis zur Reparatur 1982 außer Dienst gestellt. Die bisher letzte Veränderung am Schiff erfolgte 1993/94 mit einer historischen Rekonstruktion.
(Quelle: Wikipedia)

Mandy wählt einen Platz auf Deck, der überdacht ist, das sollte sich als kluge Wahl erweisen.
Kurz darauf nimmt der Dampfer Fahrt auf. Man kann in der Mitte
des Schiffes der mächtigen Maschine beim Arbeiten zusehen, durch den Geruch des Maschinenöles wird dieses Erlebnis noch authentischer. In den Radkästen sind Schaulöcher ausgespart, so dass sich auch die Antriebschaufeln betrachten lassen.
Eine aufmerksame und freundliche Kellnerin versorgt uns mit Speisen und Getränken, während wir flussaufwärts schippern. Wir passieren mehrere Elbbrücken, als letzte die Loschwitzer Brücke, eine Stahlkonstruktion, die unter dem Namen „Blaues Wunder“ weltbekannt geworden ist, und die drei Elbschlösser Schloss Albrechtsberg, die Villa Stockhausen und Schloss Eckberg. Auf der anderen Flussseite fahren wir an dem architektonisch interressanten Krematorium Dresdens vorbei. Alles wird über die Bordlautsprecher in zwei Sprachen ausführlich erklärt und beschrieben.
Leider bricht während der Fahrt noch ein Gewittersturm über uns herein, mit starkem Regen verbunden. Die allermeisten Passagiere müssen ihre Sitzplätze an den Tischen verlassen, um nicht nass zu werden… Mandy und ich haben großes Glück: wir sitzen unter Dach auf der regenabgewandten
Seite und werden verschont. Der Sturm ist genau so kurz wie heftig, als wir das herrliche Pillnitzer Schloss erreichen, ist es wieder hell. Die Schlossanlage stammt aus dem 18. Jahrhundert und besteht aus dem Wassepalais, das von der Elbe aus sichtbar ist, dem Bergpalais und dem Neuen Palais. Der von den Gebäuden eingeschlossene barocke Lustgarten wird durch einen umliegenden Schlosspark ergänzt.
Nach der Passage des Schlosses wendet der Dampfer, und wir stampfen flussabwärts wieder zurück, Elbflorenz entgegen. Der von den Gebäuden eingeschlossene barocke Lustgarten wird durch einen umliegenden Schlosspark ergänzt. Wenn man sich dem in der Abendsonne glänzenden Dresden auf der Elbe fahrend nähert, wird besonders deutlich, wo der Beiname „Elbflorenz“ herkommt. Die Silhouette der Stadt am Horizont erinnert tatsächlich stark an die des toskanischen Florenz.
Als das Schiff anlegt, waren wir knapp drei kurzweilige Stunden unterwegs, in denen wir mannigfaltige Eindrücke
sammeln konnten. Vielen Dank, liebe Mandy, für diese tolle Idee, und die Organisation des Ausfluges.
Wir spazieren noch gemütlich durch die Stadt, an der Semperoper vorbei durch den Zwinger, über die Brühlsche Terrasse an der Hochschule für Bildende Künste vorbei zurück zum Terrassenufer, wo wir unsere Autos geparkt haben.
Wir verabschieden uns, ich fahre mit glücklichen Erinnerungen an einen gelungenen Urlaubsabend zurück nach Bad Schandau.


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Die sächsische Schweiz: ein Reisebericht

6. juli 2011 pfaffenkopf und barbarine

Am Montag dieser Woche,
diesem verregneten Montag, der einem noch verregneteren Sonntag folgte, wartete ich, zusammen mit einer Menge anderer Touristen, die ebenso wie ich voller Optimismus, aber ohne Regenschirm unterwegs waren, im Haus des Gastes in Bad Schandau auf das Ende des Weltuntergangs in Form eines Regensturms, der ein Verlassen des Hauses unmöglich machte, so man nicht binnen Sekunden triefnass sein wollte.

Im günstigsten Fall kommt man miteinander ins Gespräch,
so man zu gemeinsamen Warten verdammt ist, und so kam es, dass ich ein nettes Ehepaar aus Berlin kennenlernte, die ich mit ihrem kleinen Hund schon des Morgens beim Frühstück im Hotel gesehen hatte. Der nette Berliner gab mir den Tipp mit dem Pfaffenkopf, er zeigte mir den Weg auf der Karte, und erklärte, die Besteigung des Pfaffenkopfes sei zwar ein anstrengendes, aber nicht minder wundervolles Erlebnis. Ich kaufte die Karte und nahm mir vor, so das Wetter irgendwann ein Einsehen habe würde und die Welt dieses Mal wider Erwarten nicht untergänge, den Pfaffenkopf zu erobern.

Heute Morgen war es dann soweit, mit Karte und Fotografierausrüstung bewaffnet verließ ich gegen acht das Hotel.
Man nimmt die B 172 Richtung Königstein und biegt direkt, nachdem man die Elbe überquert hat, nach links Richtung Paffendorf und Kurort Gohrisch ab. Leider ist der Wegweiser, aus welchen Gründen auch immer, nur zu sehen, wenn man aus der entgegengesetzten Richtung, aus Königstein kommend also, die B 172 befährt. Man muss also aufpassen, dass man den Abzweig nicht verpasst.

Die Straße führt zum Kurort Gohrisch, dort biegt man an der zweiten Möglichkeit nach links Richtung Pfaffendorf ab. Dieser Abzweig ist noch leichter zu verpassen als der erste auf der Bundesstraße, weil es hier keinerlei Hinweisschilder gibt… im Zweifel einfach im Dorf nochmal jemanden fragen.

In Pfaffendorf angekommen, findet man einen großen Parkplatz,
von dort startet man die Wanderung zum Tafelberg, dem Pfaffenstein. Man hat 2 Möglichkeiten, aufzusteigen, einen etwas längeren bequemen weg, oder den kürzeren steilen Weg über Stiegen, der auch Bestandteil des Malerweges ist. Ich nehme den steilen Aufstieg, der sich als recht strapaziös erweist, er führt durch zum Teil sehr steile und noch engere Stiegen. Eine Familie, die eine Zeitlang hinter mir aufsteigt und  reichlich Gute-Laune-Lärm verursacht, kehrt auf einmal um – wahrscheinlich ist ihnen dieser Weg zu beschwerlich geworden…

Oben angekommen, zeigt sich die Oberfläche sehr zerklüftet. Will man zur Barbarine gelangen, hat man noch eine kleine unwegsame Wanderung auf der Tafelbergoberfläche zu bewältigen, unter anderem muss man sich durch einen engen Felsspalt, der maximal 50 cm breit ist, zwängen. Für jemanden wie mich, der eine Fototasche mitführt, die die zugelassenen Handgepäckmaße der meisten Fluggesellschaften (RyanAir ist keine Fluggesellschaft, sondern ein Billigflieger, im wahren Sinne des Wortes)  voll ausnützt, keine allzu leichte Aufgabe. Will man gute Aufnahmen erstellen, muss man da wohl durch…..

Die Barbarine ist ein freistehender, 42,70 m hoher Felsen, ein Wahrzeichen der sächsischen Schweiz.  Sie wurde 1905 zum ersten Mal durch Bergsteiger bestiegen.
Weil der obere Kopf des nadelförmigen Felsens durch Blitzschlag und Erosion instabil geworden ist, wurde die Bergsteigerei an der Barbarine 1976 verboten.

Einer Sage nach stellt der Felsen eine versteinerte Jungfrau dar, das immerwährende Mahnmal eines Strafgerichts, nach welchem es geschehen seyn soll, daß eine Mutter ihre Tochter Sonntags habe heißen in die Kirche gehen, die Tochter aber sey währender Kirche auf den Pfaffstein in die Heydelbeere gegangen, und als sie die Mutter daselbst angetroffen, habe sie die Tochter im Zorn verwünschet, daß sie müsse auf der Stelle zum Stein werden; worauf solches augenblicklich also geschehen, und daher diese zum Stein gewordene Jungfer auf immer allhier stehe, und mit ihrem Steinbilde alle ungehorsame Kinder warne. Der Name Barbarine wurde vom Vornamen des Mädchens abgeleitet. (Quelle: Wikipedia)

Dadurch, dass ich relativ früh aufbrach, bin ich alleine hier oben am Aussichtspunkt zur Barbarine. Für den Rückweg benutze ich den ²bequemen” Abstieg. Er ist in Relation zu dem steilen Aufstieg bequem, das bestätige ich, von einem wirklich bequemen Wanderweg kann aber keine Rede sein.

Am frühen Nachmittag treffe ich im Hotel ein. Den Abend werde ich in Dresden verbringen, mit einer Raddampfertour. Darüber folgt ich ein gesonderter Bericht.


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Sächsische Schweiz: ein Reisebericht

5. Juli 2011  wandertag: über die schrammsteine

Der Morgen sieht noch trübe aus, gegen Mittag lockert die Bewölkung jedoch schnell auf, und die Sonne lässt sich blicken. Das nehme ich zum Anlass, zu einer Wanderung zur Schrammsteinaussicht aufzubrechen.

Von Bad Schandau aus fahre ich nach Postelwitz und biege dort nach links Richtung Ostrau ab. Die Straße führt an der Schrammsteinbaude vorbei, und etwa 200 Meter weiter liegt auf der rechten Seite der Straße ein Parkplatz. Dort stelle ich den Wagen ab und wandere den Schießgrund hinauf bis zum Großen Schrammtor. Der Weg ist mit einem grünen Punkt gekennzeichnet, zusätzlich trägt er das Zeichen des Malerweges, zu dem er gehört. Vom Schrammtor aus wird der Weg sehr anspruchsvoll, es geht über steile und enge Stiegen aufwärts. Wer über keine Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und gutes rutschfestes Schuhwerk verfügt, sollte tunlichst die
Finger davon lassen, dort hoch steigen zu wollen.

Oben in ca. 420 Metern Höhe angekommen, wird man für all die Klettermühen mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Schrammsteine belohnt. Schrammsteinaussicht ist ein schmaler Grat, mit stählernen Geländern gesichert.

Ich halte mich eine gute Stunde hier oben auf, die Stille, das Wetter und den sagenhaften Blick genießend.

Die steilen Stiegen möchte ich nicht wieder herabsteigen, ich beschließe, über den Schrammsteingratweg bis zur Breiten Kluft zu wandern und dort zum Elbleitenweg hinunter zu steigen, der mich wieder zum Großen Schrammtor und von dort zum Parkplatz zurück bringen wird. Zunächst gilt es, den Jägersteig zu überwinden, was wieder mit einiger Kletterei über schmale Stiegen und Himmelsleitern verbunden ist.

Dabei muss ich an meine Mutter denken, die sich sehr beruhigt darüber gezeigt hat, dass ich in diesem Jahr meinen Urlaub nicht in den Wüsten des amerikanischen Westens verbringe. Lässt man mal die Gefahr der Dehydration, die in einem deutschen Mittelgebirge natürlich um ein vielfaches geringer ist als in einer Wüste, beiseite, so finde  ich die heutige Kletterei insgesamt gefährlicher  als die Wanderungen, die ich in Utah und Arizona in den letzten Jahren unternommen habe.

Wie auch immer, meine Wanderung macht Freude.
Dank meiner ausgezeichneten Karten weiß ich immer, wo ich bin, und habe keinerlei Probleme damit, an der Großen Kluft den Abstieg zum Elbleitenweg zu finden, der mich durch dichten Wald schließlich wieder zurück ans Große Schrammtor und zu meinem Parkplatz nahe der Schrammsteinbaude führt. Viele der Menschen, die mir unterwegs begegnen, bleiben auf ein kurzes Schwätzchen stehen, eine Sitte, die mir sehr gut gefällt. Meistens kann man den ein oder anderen Tipp über die Gegend erfahren, zum Beispiel über ein besonders gutes Gasthaus in der Nähe,  oder selber eine Auskunft geben, oder man tauscht sich darüber aus, wo man herkommt, was auch ganz aufschlussreich sein kann. Indem man sich mit Menschen aus anderen Teilen Deutschlands unterhält, auch wenn es nur ein paar Minuten dauert, lernt man andere Teile Deutschlands kennen.

Es ist kurz vor 19 Uhr, als ich den Parkplatz erreiche. Ich war knapp 7 Stunden unterwegs, stelle ich staunend fest…. Die Zeit ist nur so dahingeflogen. Was dafür spricht, dass eine Wanderung über die Schrammsteine eine unterhaltsame Angelegenheit ist.

Sächsische Schweiz: ein Reisebericht

4. Juli 2011  ein historischer personenaufzug und eine ebensolche straßenbahn

Der Montag gelobt Besserung, zumindest, was die Temperatur angeht: es ist etwas wärmer als sonntags. Am Morgen geht immer noch fieser grauer Regen nieder, als er im Verlaufe Vormittags etwas nachlässt,
mache ich mich auf, Erkundigungen im Haus des Gastes einzuholen. Ich habe etwas über die Kirnitzschtalbahn  in einer Broschüre gelesen, über diese historische Bahn möchte ich mehr erfahren, sie scheint mir geeignet für kurzweiligen Zeitvertreib und touristische Freuden auch bei schlechtem Wetter.  Straßenbahnen sind ja bekanntermaßen im Inneren trocken und bieten so Zuflucht vor mancherlei wetterhaften Unbilden.

Im Haus des Gastes gibt man freundlich Auskunft über Haltestellen und Fahrzeiten. Mein Aufenthalt dort verlängert sich um eine beträchtliche Weile, da es draußen inzwischen wieder schüttet. Durch den erzwungenen Aufenthalt lerne ich ein Ehepaar aus Berlin kennen, auch die beiden haben keinen Schirm mit, die mir empfehlen, doch den Pfaffenstein zu besuchen, wenn es mal wieder Sommer wird, ein Tipp, den ich gerne abspeichere, Ich revanchiere mich mit einem Tipp und einer Broschüre, die Kirnitzschtalbahn betreffend.

Zurück im Hotel,
sind gerade die Hausdamen dabei, mein Zimmer zu richten, ich greife spontan nach meiner Fototasche und verlasse das Haus sofort wieder. Mein Ziel ist der Personenaufzug auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Wikipedia weiß über den Aufzug:

Der Personenaufzug Bad Schandau ist ein 1904 in Bad Schandau errichteter Personenaufzug, der von Bad Schandau auf die  Ostrauer Scheibe  führt. Der örtliche Hotelier Rudolf Sendig regte den Bau an und finanzierte ihn.

Der Aufzug fährt in einem 52,26 Meter hohen, im Jugendstil gestalteten und bei der Firma Kelle & Hildebrandt in Großluga hergestellten Stahlfachwerkturm nach oben, welcher am Boden einen Durchmesser von 5,20 Meter und in der Höhe des Ausstiegs
einen solchen von 2,5 Meter hat. Auf dem Weg nach oben überwindet er einen Höhenunterschied von 47,76 Meter.

Die Fahrt mit dem Aufzug nach oben kostet 2 Euro, wenn ich mich recht erinnere. Oben angekommen, hat man natürlich einen fantastischen Blick auf Bad Schandau und den Verlauf der Elbe. Es gibt dort einen Kiosk, der die üblichen Souvenirs und kleine Speisen und Getränke feilbietet. Ich verdrücke eine ganz fantastische Kirschschnecke und trinke Kaffee dazu. Den jungen Bediensteten frage ich nach der Entfernung von hier nach den Schrammsteinen, einer Felsformation ganz in der Nähe. Er gibt freundlich Auskunft, rät mir aber davon ab, die Schrammsteine bei der momentanen Wetterlage zu besichtigen, der Aufstieg sei bei Nässe zu gefährlich. Morgen werde ich wissen, was er damit meinte….

In direkter Nachbarschaft zu dem Kiosk existiert ein Luchsgehege, dass ich mir noch ansehe. Das erste Mal, das ich einen europäischen Luchs beobachten kann.

Wieder unten angekommen, mache ich mich auf den Weg zum Stadtpark von Bad Schandau, dort fährt die Bahn mit dem unaussprechlichen Namen, die Kirnitzschtalbahn, zu jeder vollen und halben Stunde ab. der Fahrpreis beträgt 7 Euro, bis zur Endstation Beuthenfall und zurück. Die Bahn setzt sich mit soviel altersschwach ächzendem Getöse in Bewegung, dass ich mich reflexartig frage, ob im Ort wohl ein Taxiunternehmen ansässig ist, für den Fall, dass die Bahn den Rückweg nicht mehr schaffen sollte…

In Beuthenfall angekommen, laufe ich noch etwa 10 Minuten bis zum Lichtenhainer Wasserfall.

Der Wasserfall, im Grunde genommen recht klein,  ist schon seit 200 Jahren ein Touristenmagnet. Im Jahr 1830 installierte man oberhalb des Falles ein aufziehbares Wehr. Das Wehr existiert heute noch, es wird zur jeden vollen und halben Stunde “gezogen”, wodurch der Wasserfall auf ein vielfaches seiner normalen Größe anschwillt. Zu  der “Wasserfallziehung” erklingt musikalische Untermalung.

Das Wetter hält immer noch, so dass ich beschließe, zum “Kuhstall” zu laufen, der in einer etwa einstündigen Wanderung von hier aus zu erreichen ist.  Als Kuhstall wird ein Felsentor bezeichnet , das zweitgrößte der Sächsischen Schweiz. Es liegt in 337 m Höhe auf dem Neuen Wildenstein, einem Felsen, und ist 11 m hoch, 17 m breit und 24 m tief. Der Wanderweg ist nicht anspruchsvoll, er führt stetig bergauf durch dichten Wald. Oben angekommen, stehe ich in den Wolken, sprich: dichtem Nebel. Ich kann mir zwar das Kuhstall genannte Felsentor ansehen, jedoch keinerlei Aussicht ins Tal genießen.

Zudem fängt es nun auch noch ekelhaft zu nieseln an. Ich nehme ein paar Fotos auf.
Der Inhalt meiner Fototasche fühlt sich klamm und feucht an, ich bekomme Angst  um die wertvolle Ausrüstung und trete den Rückweg an, in dessen Verlauf der Nieselregen Gott sei Dank wieder nachlässt.

Die Kirnitzschtalbahn bringt mich wieder zurück nach Bad Schandau. Ich brauche meinen Rückfahrschein nicht vorzuweisen. Der Fahrer der Bahn, der gleichzeitig der Schaffner ist, kann sich die Gesichter seiner wenigen Fahrgäste ohne Mühe merken.