25. juli 2010, coal mine canyon, tuba city, grand canyon

Es gibt sie noch, die alte amerikanische Tradition, was die Gastlichkeit angeht.
Gestern Morgen, ich kam von einer Tour zum Coal Mine Canyon hungrig in Tuba City an, suchte ich ein Lokal zum Frühstücken. Natürlich fallen sofort die Ketten ins Auge, McDonalds, Taco Bell, KFC, Pizza Hut und wie sie alle heißen. In einer Seitenstraße fand ich Kate’s Café, dort machte ich halt.

Das Café war voll besetzt, als ich eintrat. Außer der jungen Waitress waren alle Anwesenden Navajos. Tuba City liegt in der Painted Desert, hat 8000 Einwohner, von denen die Mehrheit Navajo-Indianer sind. Das Café war eingerichtet, wie man sich ein typisch amerikanisches Diner vorstellt…
Die Bedienung kam an den Tisch, brachte ein Lächeln wie Sonnenschein im Mai mit, wischte erstmal den Tisch, obwohl er sauber war. Ich bestellte Kate’s Omelette, das kam mit Bratkartoffeln,einer Schale mit frischen Erdbeeren und Melone, Toast, Butter, einer Auswahl Marmelade (die Waitress entschuldigte sich dafür, dass Erdbeere leider heute aus ist) und schmeckte köstlich. Der andere Kellner, ein junger Navajo, stand seiner Kollegin in nichts nach, immer ein Lächeln auf den Lippen, brachte er mir meine Coffee-Refills.
An dem Tisch neben mir saßen zwei alte Männer, sie unterhielten sich in ihrer Stammessprache, das erste Mal hörte ich diese Sprache. Auch der junge Kellner sprach mit den alten Leuten in Navajo. Schön, dass diese Traditionen erhalten bleiben und so die Identität eines Volkes gewahrt wird.
Wenn
ihr mal in der Nähe seit, fahrt nicht vorbei, ohne einzukehren, Kate’s Café hat das nicht verdient.
Den Tipp mit dem Coal Mine Canyon hatte ich von dem hervorragenden Fotografen und Reiseberichterstatter Steffen Synnatschke, der einen Trip zu dem Canyon im Internet veröffentlicht hat.
Zum Coal Mine Canyon kommt man über Tuba City, man fährt im Ort nach Süden auf die State Route 264 und biegt dann kurz vor dem Milemarker 337 auf eine unpaved road ab, der man noch einen halben Kilometer folgt bis zum Parkplatz.
Der Canyon sieht klasse aus, sehr fotogen,
ich denke, die Bilder sprechen für sich. Wer in der Nähe ist, sollte einen Abstecher hierher auf jeden Fall einplanen. Man kann wunderbar am Canyonrand vorbei wandern und findet ständig neue Einblicke und Motive.
Steffen Synnatschke beschreibt noch eine zweite Dirt Road, 3 Meilen weiter auf der 264, die zu wunderbaren Ausblicken führen soll. Die Einfahrt zu diesem Trail ist jedoch durch ein Tor mit Vorhängeschlössern versehn, sieht also ganz nach einem privaten Grundstück aus. Das Tor war zwar offen, als ich hier ankam, ich bin da aber trotzdem nicht reingefahren. Ich finde, den privaten Bereich anderer Menschen sollte man respektieren.

Für den Rückweg, nach meinem formidablen Frühstück bei Kate’s, habe ich einen Abstecher zum Grand Canyon Nordrim vorgesehen. Das Northrim ist total abgelegen zu erreichen und bei weitem nicht so populär und überlaufen wie das Southrim, wo um diese Zeit wahrscheinlich kein Parkplatz mehr frei ist. Es ist wunderbar gemütlich und gediegen, und die Temperaturen sind auch um die Mittagszeit angenehm, schon wegen der Höhe, die über 2500 m liegt.
Wo auch immer, und ganz gleich, wie oft man schon dort war, wenn man hinunter in den Canyon blickt, es raubt einem immer wieder den Atem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo auf der Erde eine spektakulärere Landschaftsform gibt als diese.
Man steht am Canyonrand,
sieht hinein und kann es einfach nicht fassen: So viel grandiose Schönheit,so viel schiere Größe, so viel Naturgewalt. Einfach unglaublich.
Leider gibt sich der Canyon sehr unfotogen. Ich habe bis heute nur sehr wenige Fotos gesehen, die dieser Landschaft wirklich gerecht werden. Entweder man hat unwahrscheinlich viel Glück und findet sofort den richtigen Ort zur richtigen Zeit mit dem idealen Licht, oder man muss viele Tage lang suchen und probieren, um eben diesen Ort zu treffen.
Die meisten Touristen sind über ihre Grand Canyon-Fotos enttäuscht, wenn sie sie zu Hause betrachten, da geht es mir nicht anders.
Am Northrim
gibt es eine wunderbare Lodge mit Cabins mitten im Wald auf 2500 m Höhe, sehr beschaulich mit Veranden, auf denen Schaukelstühle stehen….
Hier möchte ich mal für ne Zeitlang logieren, irgendwann, im Mai oder Juni, wenn die Luft noch frisch ist hier oben, und die zahlreichen Hiking Trails ausprobieren, die das Northrim bietet.
Ich werde mir kein Auto mieten, um hierher zu kommen, sondern mir einen grauen Bart stehen lassen und mir ein Tuch um den Kopf binden und mit einer Harley-Davidson herfahren.
Ohne Helm, mit der Stirn im Wind. Irgendwann.

Gefahren: 415,50 Meilen
Benzin:52,99 $
Hotel: 77 $
Essen: 32 $

Ein Versuch, die gewaltige Größe des Grand Canyon in einer Panoramafotografie festzuhalten. Die Aufnahme entstand am Bright Angel Point, der 2516 m hoch liegt. Der Colorado River am Grunde der Schlucht fließt 1100 m tiefer. Der gegenüberliegende Rand des Canyons ist 34 Meilen weit weg.
Auf dem Bild kann man in der linken Hälfte(bitte auf das Foto klicken, um es zu vergrößern!) eine Bergspitze erkennen, die 106 Meilen weit entfernt ist.