Wolfgang Staudt Fotografie

Fotografie und Kultur

Schlagwort: Reisebericht USA (Seite 2 von 3)

USA 2010 – ein Reisebericht

22. juli 2010, hole in the rock road, devils garden, eine neue liebe

Als die Sonne aufgeht, bin ich bereits auf der Utah State Route 12 nach Osten unterwegs. Mein Ziel ist die Hole In The Rock Road, auf die ich in Höhe des Milemarkers 65
nach Südosten einbiege.
Die Hole In The Rock Road wurde von Mormonen gebaut. Im Jahre 1879 suchte ein Treck von 250 Menschen, 83 Planwagen und 1000 Stück Vieh eine Abkürzung über den Colorado River nach dem San Juan Tal im Südosten Utahs. Sie bauten 6 Monate an der Route, einen Zugang zum Colorado River fanden sie in einer Lücke in der Wand des Canyons, dem hole in the rock, dass sie mit Sprengstoff und von Hand erweiterten. Mit Meißeln setzen sie Ankerpunkte in den Sandstein am Abhang des Glen Canyons, um die Wagen angeseilt über das Gefälle von 45 % zum Fluss hin abseilen zu können. Diese Ankerpunkte und die Furchen der Wagenräder sind noch heute in der Engstelle sichtbar.
Nach 12,3 Meilen unpaved erreiche ich den Abzweig zum Devils Garden. Im Devils Garden gibt es viele
überdimensionale Sandsteinfiguren zu bestaunen. Sie stehen zum Teil auf Sockeln, es sieht fast so aus, als hätte sich ein bildender Künstler hier selbst verwirklicht… Die Figuren, die den Namensgeber des Tals wohl an Teufel erinnerten, was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, leuchten im morgentlichen Licht und geben wunderbare Fotomotive her. Einen recht filigranen Arch gibt es noch zu sehen, den Metate Arch, so man ihn findet, er liegt ein wenig versteckt. Froh, so früh aufgebrochen zu sein, so habe ich den Garten für mich alleine.
Sehr groß ist das Gebiet nicht, nach 2 Stunden Aufenthalt hab ich alles gesehen und fotografiert
und verlasse das Tal.
Die Hole In The Rock Road hat noch einiges zu bieten, ich denke, man kann 2 ganze Tage hier einplanen, wenn man sich in den einzelnen Locations so lange aufhält wie ich, um aufwändig zu fotografieren. Für mich heißt es Abschied nehmen von Escalante, ich habe für heute Abend einen Room im Page Boy Hotel in Page am Lake Powell reserviert.
In den beiden Tagen, die ich hier verbringen durfte, habe ich mich ein wenig vernarrt in das propere Städtchen Escalante. Hätte ich nicht in Page vorgebucht, würde ich auf jeden Fall noch hier bleiben….. aber ich werde wiederkommen, so viel ist sicher.
Zum Frühstück mache ich noch ein letztes Mal am Circle D Motel halt. Ja, das Circle D hat ein eigenes Restaurant, das ich aber leider am Tag vorher glatt übersehen hatte. Das Frühstück im Circle D ist das Gegenteil von dem im Prospector Inn von gestern. Das Restaurant ist toll eingerichtet, die Waitress ist supernett, das Essen mundet und ist sogar noch preiswerter als gegenüber.

Der Weg nach Page führt mich bei Cannonville am Kodachrom Basin State Park vorbei, den ich noch besuchen will. In der Web-Enzyklopädie Wikipedia gibt es eine treffende Beschreibung des Parks:
Im Kessel des State Parks befinden sich stark erodierte Felsformationen in unterschiedlichen Farbtönen von Rot, Gelb, Rosa, Weiß und Braun. Ergänzt wird diese natürliche Farbspiel mit dem bestenfalls tiefblauen Himmel und der gelegentlich vorkommenden grünen Vegetation. Dieses breitgefächerte Farbspektrum bewegte die National Geographic Society dazu, das Gelände nach seiner Erkundung im Jahre 1948 im Einverständnis mit der Firma Kodak nach ihrem Farbfilm Kodachrome als Kodachrome Flat zu benennen.

Eine Besonderheit im Parkgebiet ist das Vorkommen zahlreicher spitzer Felsnadeln und Felskamine, deren Herkunft durch die Ablagerung und Sedimentation
in ehemaligen Geysiren erklärt wird, die dann als härteres Gestein stehenblieben, als spätere Verwitterungsprozesse den ursprünglichen Boden um sie herum weg erodiert hatten.

In dem schön gelegenden Park gibt es mehrere Trails, 2 davon laufe ich, den Angels Palace Trail, über den man den Park von oben betrachten kann, und den Nature Trail, der die Pflanzen- und Tierwelt der Gegend mit Hilfe von Schautafeln erläutert. Wer mehr Zeit mitbringt, kann noch längere Trails mitnehmen, unter anderem gibt es noch den Shakespeare Arch zu bewundern.
Beim Verlassen des Parks stoße ich auf die Cottonwood Canyon Road. Durch Fahrt über die 48 Meilen lange, nicht asphaltierte Straße würde ich fast 100 Meilen sparen auf dem Weg nach Page. Für so eine Ersparnis kann man sich schon mal 48 Meilen lang durchschütteln lassen, zumal die Road landschaftlich einige Highlights aufbieten kann.
Gegen die Abkürzung sprechen dunkle Wolken am südlichen Himmel, wenn ich auf der Cottonwood Road in ein Gewitter geraten würde, wär an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken. Dieses Risiko gehe ich lieber nicht ein und fahre auf die 12 zurück.
Die State Route 12 führt am Bryce Canyon vorbei, und je näher ich dem Gebiet des Nationalparks komme, umso mehr holt mich die Zivilisation in Form von riesigen Werbetafeln entlang der Straße wieder ein, auch das Verkehrsaufkommen verstärkt sich zusehens. Das erste Mal seit 6 Tagen habe ich wieder ein Mobilfunknetz! Nun wird mir erst bewusst, wie weltabgeschieden ich die ganze Zeit in den Bergen Utahs gelebt habe…….
In Page beziehe ich mein Zimmer im Page Boy Motel und mache mich auf zu Denny’s Restaurant, wo ich einen Salat zu Abend esse.
Im Restaurant viele ungewohnte Gesichter für mich: Navajo-Indianer. Als Europäer ist man ja an viele nicht-europäisch geformte Gesichter gewohnt, und das ist ja auch gut so, von einer Vielfalt an Kulturen und Nationen gebündelt in einem Staat oder Erdteil profitieren ja alle, die Migranten genau so, wie die schon immer Ansässigen.
Das Gesicht und das Auftreten eines Navajo ist für einen Europäer jedoch völlig fremd, es sperrt sich gegen jeden Vergleich.
Nun denn, wie sagt man so schön: Reisen bildet.

Gefahren: 268,10 Meilen
Benzin:30,00 $
Hotel: 77 $
Essen: 28 $

USA 2010 – ein Reisebericht

21. juli 2010, tag der berge und schluchten

Um 8 Uhr morgens laufe ich ausgeschlafen und hungrig über die Straße zum Prospector Inn Restaurant, das meinem Circle D Motel genau gegenüber liegt, um dort zu frühstücken.
Das Haus sieht von außen vielversprechend aus. Leider haben sowohl der Koch als auch die Waitress ihren Beruf verfehlt, das Essen ist genauso lieblos zubereitet, wie es serviert wird. So macht man sich keine Freunde. Schade eigentlich.

Die Utah State Route 12 ist mit ein Grund für meinen Entschluss, die USA wieder zu besuchen. Die Amerikaner nennen die Straße auch Highway 12 — A Journey Through Time Scenic Byway. Der Highway beginnt an der Bryce Canyon Junction und führt durch atemberaubende Landschaften, durch Canyons und über Pässe 198 km lang nach Torrey.
Für die Straße kann man sich einen Tag Zeit nehmen, wenn man zum Fotografieren unterwegs ist, soviele Motive bietet sie. Sie verläuft durch knochentrockene
Wüsten genauso wie durch grüne Flusstäler, wenn man den Milemarker 85 passiert hat und die Straße sich durch den Dixie National Forest auf die Boulder Mountains hochschraubt, hat sie Ähnlichkeit mit der Schwarzwaldhochstraße, vom Verkehr einmal abgesehen, der hier 20 mal geringer ist. Dort erreicht sie auch ihren höchsten Punkt bei 2987 Metern über NN.
Es gibt jede Menge Turn Outs an markanten Stellen, hier kann man bequem haltmachen und fotografieren. Der Verkehr ist meist äußerst gering, ich habe so manches Mal mein Stativ mitten auf der Fahrbahn aufgebaut, ohne dass ich dabei durch ankommende Fahrzeuge gestört worden bin.
An den Turnouts konnte ich viele Touristen beobachten, die anhielten, ihre Kamera in die Landschaft hielten und wieder davon brausten.
So kann man dieser Landschaft meiner Meinung nicht gerecht werden. Wer diese Straße besucht, um Fotos zu machen, und keine Zeit mitbringt, verschwendet seine Zeit.
Ich habe mir vorgenommen, jedes Bild sorgfältig zu komponieren, ganz gleich, wie lange es dauert. Besonders, wenn man aus großer Höhe die tiefer liegende Landschaft aufnehmen will, sollte man versuchen, die Straße, oder Buschwerk, irgend etwas, was oben steht, mit in die Bildkomposition einzubeziehen, um dem Auge des späteren Betrachters einen Anhaltspunkt zu geben, an dem er die Höhe messen kann, aus der das Foto gemacht wurde. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
Wer schnell mal aussteigt, seine Kamera einfach nach unten hält und abdrückt, hat vielleicht für sich eine schöne Erinnerung festgehalten, ein fremder Betrachter sieht jedoch nur eine flache Landschaft, mit der er meist recht wenig anfangen kann.

So dauert es recht lange, bis ich Torrey erreiche, wo ich nochmal volltanke.
Über die 24 Richtung Caineville erreiche ich den Abzweig zur Notom-Bullfrog-Road, die von hier in südlicher Richtung nach Bullfrog am Lake Powell führt. Sie kreuzt den Burr Trail, den ich ab dieser Kreuzung nach Norden fahren werde, um in Boulder wieder auf die 12 zu stoßen.
Am Himmel machen sich dunkle Wolken breit, ich hoffe, dass diese Gewitterfront sich in einer anderen Richtung entlädt, bei Regen werden sowohl die Notom Road wie auch der Burr Trail zur Lehmfalle. An ein weiterfahren ist dann nicht mehr zu denken, wohl dem, der in einem solchen Fall genug Wasser und Benzin an Bord hat.
Die Landschaft entlang des Trails wird geprägt durch das Waterpocket Fold,
einem Gebirgszug, entlang dem er verläuft. Die Passage macht durch die herrlichen landschaftlichen Aussichten, die sie zu bieten hat, sehr viel Freude, auch wenn man im Auto teilweise kräftig duchgeschüttelt wird.
Ich mache viele Fotos, völlig ungestört, kein anderer Wagen begegnet mir, und treffe nach ungefähr 35 Meilen auf den Burr Trail.
Das Wetter meint es gut mit mir heute, ich genieße die Fahrt durch die wunderbare Landschaft.
Es ist schon später Abend, als ich Escalante wieder erreiche. Ich kaufe mir noch einen Chicken Salad in dem kleinen Subways an der Tanke und fahre zum Circle D Motel.
Ach ja, da war heute wirklich die Hölle los auf dem Burr Trail. Zweimal hatte ich Begegnungen mit anderen Fahrzeugen.

Gefahren: 183,70 Meilen
Benzin: 28,95 $
Hotel: 60 €
Essen: 18 $

USA 2010 – ein Reisebericht

20. juli 2010, viele seltsame gestalten, viele roads, noch mehr bilder

Es ist noch sehr früh, als ich das Rodeway Inn an diesem Morgen verlasse, erst 5:45. Ich muss um 11 Uhr auschecken un möchte vorher nochmal im
Goblin Valley vorbei, um die lustigen Gestalten im Sonnenschein zu sehen und zu fotografieren, was ja gestern Abend durch das Gewitter vereitelt wurde.
Ich werde für meinen frühen Start mit einem schönen Sunrise belohnt, als ich auf dem Hwy 24 Richtung Norden fahre.

Die Goblins liegen wirklich recht kontrastreich im Sonnenlicht, es war eine coole Idee, um diese Zeit hierher zu fahren. Ich wandere durch das Tal und fotografiere, finde immer neue interessante Formen und Motive… die Zeit fliegt dahin. Hier kann man sich als Fotograf wohl einen ganzen Tag aufhalten.

Cowboys auf der Suche nach Rindern entdeckten zunächst dieses Tal, bevor Ende der 1920er Jahre Arthur Chaffin mit zwei Begleitern auf der Suche nach einer alternativen Verbindungsstrecke zwischen Green River und Caineville auf dieses Tal stießen. Chaffin war so beeindruckt, dass er 1949 für mehrere Tage in das von ihm “Pilztal” genannte Gebiet zurückkehrte und die Formationen untersuchte und fotografierte.
Wind, Wasser und Erosion haben im Laufe von Millionen Jahren aus dem Sandstein des Tales Figuren geformt, welche an versteinerte Pilze oder Kobolde erinnern – daher der Name Goblin Valley, Koboldtal.

Um 9 Uhr mache ich mich davon, es sind noch knapp 60 Meilen zu fahren bis Caineville. Es ist noch kein anderer Wagen auf dem Parkplatz, als ich an mein Auto komme, ich war die ganze Zeit alleine hier. Beim Verlassen des Parks gibt es ganz plötzlich einen kurzen, heftigen Regenguss, es ist, als weinten die Goblins ihrem Besucher ein paar Tränen nach. Ihr Süßen: Ich hab Euch auch lieb.

Um 10 bin ich in Cainville, das Frühstücksbuffet ist noch da. Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen und sage tschüss, Caineville, war schön hier. Der Weg führt abermals zunächst gegen Osten, mein Ziel ist Little Egypt, ein Hoodoo-Gebiet am Hwy 89. Nach etwa 6 Meilen biege ich nach Norden in die Coal Mine Road ab, sie führt zu der Factory Butte, von der ich unbedingt noch ein paar Bilder aufnehmen will. Die Butte ist einfach wunderschön, wie sie da in der Sonne liegt, auch hier hat Mutter Natur eine tolle Leistung vollbracht. Eine Stunde vergeht, bevor ich wieder auf der 24 bin….

Little Egypt ist leicht zu finden, man fährt von
Hanksville aus den Hwy 95 nach Süden und biegt etwa 300 m nach dem Milemarker 20 nach Westen auf ein Backcountry Road ab, die direkt zu dem Gebiet mit den rot-weiß gefärbten Hoodoos führt.
Die Hoodoos gleichen, was die Form angeht, denen des Goblin Valleys. Durch ihre Zweifarbigkeit gefallen sie mir fast noch besser… Ich halte mich ewig hier auf, am Himmel dräut es schon wieder gewittrig, als ich am Nachmittag losfahre.
Mein Navi ist der Meinung, dass die kürzeste Verbindung nach Escalante, meinem nächsten Ziel, der Weg
über den Burr Trail ist. Dieser Meinung bin ich auch, biege also wieder auf den 95 nach Süden ab, dann auf die 276, von der der legendäre Burr Trail abzweigt.
Der Burr Trail verbindet Bullfrog am Lake Powell mit Boulder und führt sowohl durch den Capitol Reef National Park wie auch durch das Great Staircase Escalante National Monument und ist nur teilweise asphaltiert. Er ist nach dem Siedler John Atlantic Burr benannt, welcher diese Strecke seit 1876 für den Viehtrieb zwischen hochgelegenen Sommerweiden nahe Boulder und Winterweiden im Tal des Colorado River nutzte.
Es wird immer dunkler am Himmel, ich halte mich nicht mehr mit Fotografieren
auf heute. Nur soviel: der Burr Trail bietet sagenhafte landschaftliche Ausblicke, er ist eine echte Sensation. Morgen werde ich den Tag den drei Straßen Hwy 12, Notom-Bullfrog-Road und abermals dem Burr Trail widmen, dann werde ich euch mehr über den Trail berichten.
Während der ganzen 68 Meilen Fahrt über den Burr Trail bin ich heute keiner Menschenseele begegnet.
Ich hab niemanden vermisst.

Gefahren: 290,90 Meilen
Benzin: 59,79 $
Hotel: 60 €
Essen: 11 $

USA 2010 – ein Reisebericht

19. juli 2010, ärztliche versorgung, scenic drive, goblins

Eigentlich steht für heute Morgen ein Besuch des Goblin Valleys an, den ich jedoch verschieben muss. Ich hab mir eine recht schmerzhafte Entzündung zugezogen, die,
wie auch immer, ärztlich behandelt werden muss.
Barbie schreibt mir beim Frühstück die Adresse der Wayne County Medical Clinic im 29 Meilen entfernten Bicknell auf. Nach dem Frühstück sause ich los und stehe zufälligerweise um Punkt neun an der Klinik, die prompt um neun Uhr öffnet. Das Wort Klinik wird der Sache vielleicht nicht ganz gerecht, es handelt sich um ein einstöckiges Gebäude, in dem noch eine Zahnklinik und eine Pharmacie untergebracht sind… Der Empfang ist freundlich, ich lege meine Creditcard vor und werde gefragt, ob ich in Deutschland eine Versicherung habe, was ich bejahe.
Daraufhin macht die freundliche Dame eine Kopie meines Reisepasses, die später den Papieren für meine Versicherungsabrechnung beigelegt wird, als Nachweis meiner Identifikation.
Nach 10 Minuten werde ich zur Untersuchung gebeten, werde gewogen, Blutdruck, Puls, Blutentnahme, Pinkeln…. die wollen es aber wissen, denke ich… Die Helferin lässt mich alleine. Nochmal 10 Minuten später erscheint die Ärztin im Raum mit den Worten:
“Congratulations! You’ve got it! You’ve got an infect!”
“I think so.. ” lache ich. Sie erklärt mir, dass ich zwei verschiedene Arzneimittel bekomme, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Sie will sicher gehen, dass ich alles richtig verstanden habe, deshalb tippt sie ihre Erklärung, die Arzneien betreffend, in ihr Notebook ein und lässt es dann von GoogleTranslate ins Deutsche übersetzen….
Der ganze Spaß hat mich 111 Dollars gekostet, plus nochmal 29 für die Pillen. Hauptsache, die Bazillen werden gekillt… Um viertel nach 10 stehe ich wieder draußen an meinem Auto, noch nicht geheilt, aber auf dem Weg dahin und beruhigt.

Der Ranger im Visitorcenter in Fruita hat mir
gestern einen Scenic Drive im Capitol Reef National Park ans Herz gelegt, und da Fruita genau auf halber Strecke zurück nach Cainville liegt, beschließe ich, den Scenic Drive auszutesten. Von Bicknell aus komme ich zunächst durch das 2085 m hoch gelegene Torrey. Die Stadt gefällt mir so gut, dass ich halte und ein wenig spazierengehe. Der Fremont River fließt durch die Stadt und lässt Rasen und Bäume wachsen, wo sonst nur dürre Wüste wäre. Torrey liegt sauber und freundlich in der Sonne, es gibt sogar eine Kunstgalerie. Jetzt, im direkten Vergleich, fällt mir erst auf wie schmutzig und heruntergekommen das in nächster Nachbarschaft gelegene Hanksville doch ist.
Wer ein wenig Zeit in der Gegend verbringen will, sollte auf jeden Fall Torrey den Vorzug vor dem depressiven Hanksville geben.

Ich erreiche Fruita und biege von der 24 nach Süden auf den Scenic Drive ab. Für Wohnmobile ist der Trail verboten, weil zu eng.

Sehr sehr oft, wenn ich zu Hause von einer USA-Reise berichte oder von Vorbereitungen für eine solche erzähle, werde ich gefragt, warum ich mir eigentlich kein Wohnmobil mieten würde. Irgendwie gehen alle davon aus, das the American Way Of Travel nur mit einem Wohnmobil erfahrbar ist. Miete Dir ein Mobilhome, und Du bist frei…
Ich denke, dass ist gehört zu den Vorurteilen gegenüber den USA, die sich in Deutschland (und anderen europäischen Ländern) so fest eingenistet haben. Ein Wohnmobil kostet je nach Größe das drei- bis vierfache an Miete als ein PKW, frisst mindestens doppelt so viel Sprit (keine Dieselmotoren üblich!), und wenn man abends einen Campground aufsucht, sind wieder 30 bis 50 Dollars an Platzmiete fällig. Sich irgendwo einfach hinzustellen, bringt garantiert Ärger mit den Behörden ein, außerdem braucht man frisches Wasser, Strom, man muss sein Schmutzwasser irgendwo ablassen können, man braucht wifi…… Also alles Dinge, die ein ganz normales Motelzimmer, das mit gutem Komfort (wifi, refrigerator, Kaffeebereiter, Kühlschrank, air condition) zwischen 60 und 90 Dollars pro Nacht kostet, ganz selbstverständlich bietet. Man vergleiche den Platz, den ein Motelzimmer hat, die Größe der Betten, des Bades, mit dem eines Wohnmobils! Ganz abgesehen davon, dass ich mein Motelzimmer, so ich es morgens schmutzig verlasse, abends wieder sauber vorfinde, mit gemachtem Bett und aufgefülltem Kaffeevorrat…. Wer macht wohl im Mobilhome sauber, wer pflegt die Betten?

Ein Wohnmobil ist das Gegenteil von Freiheit, es ist ein Klotz am Bein, es ist schwerfällig zu fahrn, man darf nicht überall hin, es ist sündhaft teuer. Nicht umsonst haben die amerikanischen Urlauber, die mit Mobilhome verreisen, stets ihren PKW hintenan hängen.
Nehmt Euch doch einfach ‘n Zimmer, Leute. Von mir aus jeden Abend in einer anderen Stadt.

Scenic Drive, zunächst asphaltiert, später unpaved, bietet nichts spektakuläres. Er schlängelt sich schön durch die Canyons, man überquert ein paar Washes, aber all das ist ja fast schon Alltag in dieser Gegend hier. Das Ende des Trails ist gleichzeitig Trailhead für ein paar HikingTours, aber auf Wanderungen in der nachmittäglichen Hitze bin ich heute nicht aus. Also ab nach Hause.

Am späten Nachmittag steige ich nochmals in den Wagen,
um das Goblin Valley zu besuchen. Es hängen zwar schwarze Wolken am Himmel, was aber nichts zu bedeuten hat, das Valley ist 50 Meilen entfernt, dort scheint vielleicht die Sonne. Ich fahre also los – und mitten hinein in den Gewittersturm. Ich kann mich noch eine halbe Stunde im Tal der Pilze aufhalten und ein paar wenige Fotos machen, dann muss ich vor Blitz und Donner die Flucht ergreifen.
Auf dem Rückweg mache ich in Hanksville halt, da gibt es noch ein Restaurant, das ich noch nicht kenne, trägt den stolzen Namen “Blondies”. Es ist ein Hamburgerladen und macht einen verschlissenen Eindruck, was man von außen nicht erkennt. Es arbeiten zwei Mädels, die beide das Lächeln nicht erfunden haben… Ich bestelle einen Chickenburger mit Fries an der Theke und setze mich auf das eingerissene Sitzpolster eines Stuhles an einen Tisch. Kurz darauf wird mir mein Burger serviert, wieder ohne auch nur den Anflug eines Lächelns.
Ich hab’s euch ja gesagt: Hanksville macht depressiv.

Gefahren: 214,60 Meilen
Benzin: 30,00 $
Hotel: 60 €
Essen: 12 $

USA 2010 – ein Reisebericht

16. juli 2010, a lot of arches

Gestern hab ich Euch mit einer Menge Text genervt, heut will ich mal Bilder für sich sprechen lassen.

Nur so viel als Beigabe: ich hab mir für heute den Double O Arch Trail vorgenommen, einen 7 km langen round trip, der als einer der schwierigen Trails im Park ausgewiesen ist. Zum Glück bin ich schon morgens um halb sieben aufgebrochen, so dass ich die größte Hitze gemieden habe. Sechs Stunden war ich unterwegs, inklusive Fotografieren, der Trail hat sich teilweise als sehr schwierig erwiesen, ist aber auf jeden Fall lohnenswert, landschaftlich eine kleine Sensation…. viel Spaß mit den Fotos!

Gefahren: 48,40 Meilen
Hotel: 79,60 $
Benzin: 46,81 $
Essen: 19,80 $

Devil’s Garden Trailhead

Landscape Arch

Partition Arch

Partition Arch

Navajo Arch

Double O Arch

USA 2010 – ein Reisebericht

15. juli 2010, der frühe vogel fängt das licht

Je näher die Zeit einer Reise kommt, umso größer wird stets die Vorfreude. Zu den Dingen, auf die ich mich besonders freue, wenn ich in die USA reise, gehört Frühstück bei Denny’s. Denny’s alt=Restaurant hat 24 Stunden täglich geöffnet und man kann 24 Stunden täglich Frühstück bestellen…… Wer ein Denny’s Restaurant kennt, kennt alle. Die Toilette ist immer an der gleichen Stelle, die Speisekarte ist immer die gleiche mit den gleichen Preisen, die Serviererinnen sind immer bemüht, dir jeden Wunsch von den Augen abzulesen… ob das in Las Vegas ist oder in New York City, das spielt keine Rolle. Besser kann man Franchising nicht machen, ich liebe es.
Heute Morgen gegen 11 Uhr, nach einem ausgiebigen Fototermin im Dead Horse State Park, war ich hungrig genug, in Moab das Denny’s Restaurant aufzusuchen. Ich sag’s Euch gleich: ich wurde nicht enttäuscht. Die Waitress, wie immer genauso souverän wie freundlich, servierte mir Prime Rib Premium Sizzlin’ Breakfast Skillet : Juicy prime rib, scrambled eggs, hash browns, fire-roasted peppers and onions. Served with warm tortillas, freshly made pico de gallo and sour cream. Dazu natürlich Kaffee bis zum Abwinken. Ein Traum für ganze 11 Dollars.

Wie ein Traum auch das Ereignis des gestrigen Abends: Mein Freund Jörg, vor langer Zeit aus dem Saarland nach Berlin gezogen, rief gegen 19:30 Uhr an, er sei auf einem Campground gerade mal 200 Meter unterhalb meines Hotels angekommen. Sofort machte ich mich zu Fuß auf den Weg.
Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend, wir fanden ein Steakhouse gegenüber des Campgrounds, und aßen hervorragende Steaks.
Jörg ist mit Frau und zwei seinen zwei Jungs unterwegs und hat ein Wohnmobil gemietet. Für eine Nacht kostet die Unterkunft auf dem Campground 50 Dollars, das finde ich sehr viel… Wie dem auch sei, wir saßen bei ein paar Miller’s noch gemütlich bis Mitternacht zusammen und tauschten Erfahrungen aus…..

Um 6 Uhr heute Morgen war ich wieder auf den Beinen und eine halbe
Stunde später auf dem Highway Richtung Dead Horse Point State Park. Von Moab aus hat man 32 Meilen zu fahren bis zum Park. Der Schalter am Eingang des Parks war noch geschlossen, ich tütete meine 10 Dollars Eintritt in einen dafür vorgesehenen Umschlag ein, und riss mir die Quittung ab.
Fast hätte ich mich von meinem Vorhaben abbringen lassen, heute Morgen den Park zu besuchen, weil ich in einem Reisebericht just heute Morgen las, vormittags herrsche dort Gegenlicht und damit schlechtes Licht zum fotografieren. Zum Glück habe ich mich darauf nicht verlassen, am Ziel angekommen, fand ich geradezu traumhafte Lichtverhältnisse vor.
Der Park ist nicht sehr groß. Den Ausblick auf den Mäander des Colorado Rivers muss man gesehen haben, er ist jede Strapaze wert! Ich blieb fast 4 Stunden im Park, immer wieder fand ich neue Perspektiven für gute Bilder. Zwischendurch genoss ich die Stille
und die sagenhafte Aussicht. Einmal vernahm ich ein lautes, tiefes Brummen neben meinem Ohr, als ich mich erschrocken umdrehte, erblickte ich einen neugierigen Kolibri, der direkt neben mit in der Luft stand und mit seinem Flügelschlag das erwähnte Brummen verursachte.

Um 17 Uhr brach ich auf zum Arches National Park. Am Eingang besorgte ich mir einen National Parks Pass, eine lohnende Sache für mich, da ich noch mehrere Parks besuchen werde und so ne Menge Eintrittsgelder sparen kann. Der junge Ranger im Schalter freute sich sehr über die Musik in meinem Auto, die ich vergessen hatte, leiser zu drehen, ein Set von Felix Bernhardt. Er zeigte sich so begeistert, dass ich im fast die CD geschenkt hätte, aber ich liebe dieses Set und hab es nur einmal dabei…. Mein erster Halt im Park galt dem Balanced Rock. Er hat seinen Namen redlich verdient, wie man auf dem Foto sehen kann…. Ich umrunde den Felsen einmal auf dem Wanderweg und breche auf Richtung Delicate Arch, der bei Sonnenuntergang besonders schön sein soll.

Nur mit Mühe finde ich einen Parkplatz. Ich frage einen Amerikaner, wie lange der Weg sei zum Arch, er sagt, anderthalb Stunden. Damit habe ich nicht gerechnet, es ist schon halb 8 und die Sonne geht um 9 unter….. schnell packe ich 3 Flaschen Wasser ein und mache mich auf den Weg. Später habe ich nachgelesen, dass der Trail 5 km lang ist und 150 Höhenmeter zu bewältigen sind. Es gibt keinen Schatten. Ich lege ein anständiges Tempo vor, da ich den Arch noch in der tiefstehenden Sonne glühen sehen will, und die Zeit drängt.
Der Trail ist die pure Strapaze in der Hitze, je höher ich steige, umso schwerer zieht die Fototasche an meiner Schulter. Man muss teilweise klettern, machmal hat man nur einen knappen Meter Platz an tiefen Abgründen vorbei. Wer unter Höhenangst leidet, muss hier umkehren. Gekennzeichnet ist der Weg durch aufeinander geschichte Steintürmchen.
Etwas mehr als eine Stunde brauche ich, und oben angekommen, sind all die Strapazen sofort vergessen. Der Delicate Arch ist eine echte Sensation. Er steht auf einem schmalen Felsriff, dahinter gähnt ein Abgrund, und davor ist ein steil abfallender, runder Kessel aus rauhem Sandstein, über den man gut laufen kann, wenn man profilierte Schuhe hat. Wer auf diesem Abhang allerdings ins Rutschen kommt, für den gibt keinen Halt mehr. Viele der Besucher bleiben deshalb jenseits des Kessels,kessel um die wirklich fantastische Szenerie zu genießen, andere tasten sich vorsichtig über den Kessel bis zu dem 14 m hohen Bogen vor, um sich fotografieren zu lassen.
Es herrscht eine fantastische Stimmung in dem Kessel. Ich sehe nur lachende, entspannte Gesichter, jeder redet mit jedem. Ein tolles Event. Ich baue mein Stativ so auf, dass ich im Sitzen den Bogen fotografieren kann, warte auf eine Gelegenheit, ein Foto vom Arch ohne Fotomodels darin aufnehmen zu können, und genieße den Sonnenuntergang. Unzählige Pärchen kommen zu mir, drücken mir ihre Kameras in die Hand und bitten mich, sie in dem Arch abzulichten. Die Disziplin ist unglaublich, alle warten geduldig, bis andere den begehrten Platz wieder verlassen haben, bevor sie selbst den Bogen betreten. Ich stelle meine Kamera ein und drücke
einem Jungen, der mit seiner Mutter neben mir sitzt, die Fernbedienung in die Hand, so komme ich zu einem Foto von mir in dem Bogen.
Als die Sonne schließlich gänzlich verschwunden ist bleibe ich noch ein wenig sitzen und überlege kurz, ob ich noch Fotos mit dem Sternenhimmel im Hintergrund machen soll. Es scheint mir dann aber doch zu riskant, den Rückweg im Dunkeln zu suchen, trotz der Taschenlampe in meiner Tasche. Inzwischen bin ich fast ganz alleine hier, ich packe meine Sachen und verlasse diesen wunderschönen Ort. Es ist stockdunkel, als ich den Parkplatz erreiche, ich leiste mir noch einen Salat bei Denny’s und falle erschöpft ins Bett, sehr sehr glücklich darüber, hier zu sein.

Gefahren: 124 Meilen
Hotel: 79,60 $
Essen: 25,00 $

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »