22. juli 2010, hole in the rock road, devils garden, eine neue liebe

Als die Sonne aufgeht, bin ich bereits auf der Utah State Route 12 nach Osten unterwegs. Mein Ziel ist die Hole In The Rock Road, auf die ich in Höhe des Milemarkers 65
nach Südosten einbiege.
Die Hole In The Rock Road wurde von Mormonen gebaut. Im Jahre 1879 suchte ein Treck von 250 Menschen, 83 Planwagen und 1000 Stück Vieh eine Abkürzung über den Colorado River nach dem San Juan Tal im Südosten Utahs. Sie bauten 6 Monate an der Route, einen Zugang zum Colorado River fanden sie in einer Lücke in der Wand des Canyons, dem hole in the rock, dass sie mit Sprengstoff und von Hand erweiterten. Mit Meißeln setzen sie Ankerpunkte in den Sandstein am Abhang des Glen Canyons, um die Wagen angeseilt über das Gefälle von 45 % zum Fluss hin abseilen zu können. Diese Ankerpunkte und die Furchen der Wagenräder sind noch heute in der Engstelle sichtbar.
Nach 12,3 Meilen unpaved erreiche ich den Abzweig zum Devils Garden. Im Devils Garden gibt es viele
überdimensionale Sandsteinfiguren zu bestaunen. Sie stehen zum Teil auf Sockeln, es sieht fast so aus, als hätte sich ein bildender Künstler hier selbst verwirklicht… Die Figuren, die den Namensgeber des Tals wohl an Teufel erinnerten, was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, leuchten im morgentlichen Licht und geben wunderbare Fotomotive her. Einen recht filigranen Arch gibt es noch zu sehen, den Metate Arch, so man ihn findet, er liegt ein wenig versteckt. Froh, so früh aufgebrochen zu sein, so habe ich den Garten für mich alleine.
Sehr groß ist das Gebiet nicht, nach 2 Stunden Aufenthalt hab ich alles gesehen und fotografiert
und verlasse das Tal.
Die Hole In The Rock Road hat noch einiges zu bieten, ich denke, man kann 2 ganze Tage hier einplanen, wenn man sich in den einzelnen Locations so lange aufhält wie ich, um aufwändig zu fotografieren. Für mich heißt es Abschied nehmen von Escalante, ich habe für heute Abend einen Room im Page Boy Hotel in Page am Lake Powell reserviert.
In den beiden Tagen, die ich hier verbringen durfte, habe ich mich ein wenig vernarrt in das propere Städtchen Escalante. Hätte ich nicht in Page vorgebucht, würde ich auf jeden Fall noch hier bleiben….. aber ich werde wiederkommen, so viel ist sicher.
Zum Frühstück mache ich noch ein letztes Mal am Circle D Motel halt. Ja, das Circle D hat ein eigenes Restaurant, das ich aber leider am Tag vorher glatt übersehen hatte. Das Frühstück im Circle D ist das Gegenteil von dem im Prospector Inn von gestern. Das Restaurant ist toll eingerichtet, die Waitress ist supernett, das Essen mundet und ist sogar noch preiswerter als gegenüber.

Der Weg nach Page führt mich bei Cannonville am Kodachrom Basin State Park vorbei, den ich noch besuchen will. In der Web-Enzyklopädie Wikipedia gibt es eine treffende Beschreibung des Parks:
Im Kessel des State Parks befinden sich stark erodierte Felsformationen in unterschiedlichen Farbtönen von Rot, Gelb, Rosa, Weiß und Braun. Ergänzt wird diese natürliche Farbspiel mit dem bestenfalls tiefblauen Himmel und der gelegentlich vorkommenden grünen Vegetation. Dieses breitgefächerte Farbspektrum bewegte die National Geographic Society dazu, das Gelände nach seiner Erkundung im Jahre 1948 im Einverständnis mit der Firma Kodak nach ihrem Farbfilm Kodachrome als Kodachrome Flat zu benennen.

Eine Besonderheit im Parkgebiet ist das Vorkommen zahlreicher spitzer Felsnadeln und Felskamine, deren Herkunft durch die Ablagerung und Sedimentation
in ehemaligen Geysiren erklärt wird, die dann als härteres Gestein stehenblieben, als spätere Verwitterungsprozesse den ursprünglichen Boden um sie herum weg erodiert hatten.

In dem schön gelegenden Park gibt es mehrere Trails, 2 davon laufe ich, den Angels Palace Trail, über den man den Park von oben betrachten kann, und den Nature Trail, der die Pflanzen- und Tierwelt der Gegend mit Hilfe von Schautafeln erläutert. Wer mehr Zeit mitbringt, kann noch längere Trails mitnehmen, unter anderem gibt es noch den Shakespeare Arch zu bewundern.
Beim Verlassen des Parks stoße ich auf die Cottonwood Canyon Road. Durch Fahrt über die 48 Meilen lange, nicht asphaltierte Straße würde ich fast 100 Meilen sparen auf dem Weg nach Page. Für so eine Ersparnis kann man sich schon mal 48 Meilen lang durchschütteln lassen, zumal die Road landschaftlich einige Highlights aufbieten kann.
Gegen die Abkürzung sprechen dunkle Wolken am südlichen Himmel, wenn ich auf der Cottonwood Road in ein Gewitter geraten würde, wär an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken. Dieses Risiko gehe ich lieber nicht ein und fahre auf die 12 zurück.
Die State Route 12 führt am Bryce Canyon vorbei, und je näher ich dem Gebiet des Nationalparks komme, umso mehr holt mich die Zivilisation in Form von riesigen Werbetafeln entlang der Straße wieder ein, auch das Verkehrsaufkommen verstärkt sich zusehens. Das erste Mal seit 6 Tagen habe ich wieder ein Mobilfunknetz! Nun wird mir erst bewusst, wie weltabgeschieden ich die ganze Zeit in den Bergen Utahs gelebt habe…….
In Page beziehe ich mein Zimmer im Page Boy Motel und mache mich auf zu Denny’s Restaurant, wo ich einen Salat zu Abend esse.
Im Restaurant viele ungewohnte Gesichter für mich: Navajo-Indianer. Als Europäer ist man ja an viele nicht-europäisch geformte Gesichter gewohnt, und das ist ja auch gut so, von einer Vielfalt an Kulturen und Nationen gebündelt in einem Staat oder Erdteil profitieren ja alle, die Migranten genau so, wie die schon immer Ansässigen.
Das Gesicht und das Auftreten eines Navajo ist für einen Europäer jedoch völlig fremd, es sperrt sich gegen jeden Vergleich.
Nun denn, wie sagt man so schön: Reisen bildet.

Gefahren: 268,10 Meilen
Benzin:30,00 $
Hotel: 77 $
Essen: 28 $