27. juli 2010, viele meilen, unzählige hoodoos, tal der götter

Lange habe ich gestern überlegt, wie ich meine nächstes Reiseziel, Bluff, Utah, erreichen soll.
Von Page nach Bluff sind es auf geradem Wege 172 Meilen. Es bietet sich eine alternative Route an, die am Bryce Canyon National Park vorbei führt, dann über die supertolle Straße 12 zur Utah State Route 95 nach Hite am nordöstlichen Zipfel des Lake Powell. Von dort kommt man über die State Route 162, die über die Cedar Mesa verläuft, zur 191 und nach Bluff. Dieser Trail ist sehr reizvoll, bedeutet aber 300 Meilen Umweg und Aufbrechen vor Sonnenaufgang.
Am Ende entschließe ich mich für den langen Trail, ich möchte den Sonnenaufgang im Bryce Canyon erleben.
Wie sich im Laufe des Tages herausstellen sollte, war das ein sehr glücklicher Entschluss, es sollte meine schönste Autofahrt im diesem ganzen Urlaub werden, mit atemberaubenden Ausblicken und total vielen schönen Fotos.
Der Bryce Canyon ist ähnlich unfotogen wie der Grand Canyon, man fotografiert praktisch immer nach von oben nach unten und schafft es irgendwie nie, ein Foto aufzunehmen, dass die gigantische Größe und Weite dieser Landschaften so abbildet, wie sie es verdienen.
Ich hoffe, dass früh Morgens bei schrägstehender Sonne die Kontraste im Canyon so hoch
sind, dass mir ein paar schöne Bilder gelingen.
Um halb 5 fahre ich los, passiere Kanab und fahre auf der 89 weiter durch das Long Valley. Die einsame Fahrt ist sehr schön, es ist schon hell, und der Sevier River, der in unzähligen Windungen entlang der Straße fließt, sorgt dafür, dass das Tal grün aussieht, es schwebt sogar ein Hauch von Morgennebel über den Wiesen.
Die Kasse am Bryce Canyon ist noch geschlossen, als ich dort ankomme. Der Park ist aber offen, ich fahre direkt zum Sunset Point. Eigentlich hatte ich vor, den Navajo Loop Trail zu laufen, der tief in den Canyon hinein- und an anderer Stelle wieder hinausführt. Aber es ist mir erstens zu dunkel da unten, zweitens sind schon zwei Busse auf dem Parkplatz angekommen, trotz der frühen Stunde. Der Inhalt der Busse ist gerade dabei, mit viel Getöse
den Trail in Beschlag zu nehmen, und dass ist meine Sache nun überhaupt nicht. Also treibe ich mich ein wenig am oberen Rand des Kessels herum, der wunderschöne Aussichten bietet, und mache ein paar Aufnahmen.
Der zweite Punkt, dem ich einen Besuch abstatten will, ist der Inspiration Point. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf das größte Amphitheater des Parks. Als ich dort ankomme, bin ich alleine, der Lärm, der am Sunset Point herrschte, ist einer wunderbaren Stille gewichen. Ich lasse mich inspirieren von der Ruhe und der erstklassigen Schönheit der Landschaft und mache am Ende ein paar schöne Aufnahmen, wie ich hoffe.

Es fällt mir schwer, mich von diesem schönen stillen Punkt wieder zu trennen, aber ich habe noch nicht gefrühstückt und noch einen langen Weg zu fahren. Auf dem Rückweg zum Parkausgang statte ich dem Visitor Center noch einen Besuch ab. Dort ist schon die Hölle los. Der Park ist ein Besuchermagnet, jährlich kommen zwischen 800 000 bis 1 Million Menschen hierher, dei meisten davon natürlich im Sommer. Ich ergreife die Gelegenheit,
mir noch ein paar T-shirts zu kaufen. In der Vergangenheit war ich mit der Qualität der amerikanischen Hemden immer sehr zufrieden, und die shirts bieten durch ihre Aufdrucke immer schöne Erinnerungen.
Als ich um 10:30 Uhr Escalante erreiche, hat das Circle-D Restaurant schon geschlossen, ich muss mir eine andere Breakfast-Location suchen. Es findet sich ein kleines Café, ich bin der einzige Gast um diese Zeit, das Frühstück ist klasse.
Nach meiner Stärkung verfolge ich weiter die Route 12, bis ich in Hanksville auf die 95 Richtung Süden abbiege. Irgendwo im Internet habe ich gestern noch eine kleine Abhandlung über den Angel Point
gefunden, einen Aussichtspunkt östlich der Route 95, vom dem aus man einen schönen Blick auf den Canyon haben soll, den der Dirty Devil River hier gegraben hat. Ungefähr 10 Meilen südlich von Hanksville, leider habe ich vergessen, mir den Milepost zu notieren, finde ich den Abzweig nach Osten, ein kleines Schild kennzeichnet die Dirt Road als Angel Point Trail. Es sind 8 Meilen zu fahren bis zum Parkplatz. Nach ungefähr 3einhalb Meilen gabelt sich der Trail, hier muss man nach links weiterfahren. Der Trail ist sehr sandig, lässt sich aber bequem fahren. Leider sind mir die Fotos des Trails durch eine Unachtamkeit verloren gegangen.
Auf dem Trailhead angekommen, sehe ich schwere Gewittersturm-Wolken am Horizont, mache mich aber trotzdem auf den Weg,
den Angel Point zu finden. Ich wandere auf einem ausgetretenen Pfad am Canyonrand vorbei und mache ein paar Bilder. Vielleicht bin ich schon übersättigt, so toll begeistern kann ich mich für dieses Event nicht. Es ist eine schöne Landschaft zum Wandern, ohne Zweifel, und wenn man einen oder einen halben Tag Zeit investiert, kann man bestimmt schöne Ausssichten finden. Mich hindert die immer kraftvoller werdende Drohung des nahenden Sturms heute daran, die Gegend näher zu erforschen, ich mache mich zurück zum Trailhead. Dort steht noch ein einfacher Toyota, er stand schon da, als ich ankam, ich hoffe, dass seine Besitzer es noch schaffen, zurück zu fahren, bevor der Angel Point Trail durch Regen unbefahrbar geworden sein wird.

Wieder glücklich auf dem Highway 95 angekommen, fahre ich weiter Richtung Süden. Die Straße hat anfangs keine besonderen Aussichten zu bieten. Hat man jedoch erst mal die Kreuzung mit der 276, die nach Westen Richtung Bullfrog abzweigt, passiert, wird die 95 landschaftlich zu einer Sensation. Immer öfter halte ich an, um zu fotografieren. Die immer noch am Himmel drohende Gewitterstimmung gibt den Bildern eine dramatische Stimmung. Das Allerschönste ist, dass der Hwy hier kaum noch frequentiert wird. Ihr könnt in aller Ruhe euer Stativ mitten auf dem Highway aufbauen und in Ruhe eure Komposition auswählen, nur selten wird euch ein ankommendes Fahrzeug dabei stören.

Kurz bevor man das Örtchen Hite erreicht und die Straße sich ins Tal des Colorado River hinunter windet, lohnt es sich auf jeden Fall, nach Westen zu dem gut ausgebauten Lake Powell Overlook abzubiegen. Die Aussicht von dort oben zum Lake Powell und in den Glen Canyon ist unglaublich schön. Ich hätte Stunde um Stunde hier oben verbringen können, die sagenhafte Stille und die unglaubliche Landschaft zu genießen. Allein hierfür hat sich der Umweg schon gelohnt.

Nach einer Stunde Aufenthalt muss ich weiter, folge der Straße hinunter zum Colorado River, den ich über die Hite Crossing Bridge quere. Weiter geht es durch den White Canyon, in dem mich das Gewitter mit starkem Regen einholt. Als ich schließlich auf die Utah State Route 261 abbiege, zeigt diese sich trocken in der Sonne liegend, der Sturm ist am Horizont gegenwärtig. Die 261 führt über einen Tafelberg, die Cedar Mesa, ist asphaltiert, bis sie von der Mesa hinunter ins Valley Of The Gods führt.
Diese Serpentinen, die auf einer Länge von knapp 3 Meilen einen Höhenunterschied von 335 Metern überwinden, sind nicht mehr asphaltiert und werden Moki Dugway genannt. Der Moki Dugway ist für Trucks und Trailers gesperrt und ist für Leute mit Schwindelgefühlen oder Leute mit schwachen Nerven nicht zu empfehlen. Als ich an der Abrisskante der Mesa ankomme und ins Valley Of The Gods hinunterschaue, bietet sich mir ein atemberaubender Anblick. Der Horizont ist Ewigkeiten weit entfernt, nie ist mit die unendliche Weite der Wüste so brutal bewusst geworden wie hier und jetzt. Im Osten tobt sich der Gewittersturm aus, von Westen her zaubert die schon tiefstehende Sonne fantastische Lichtspots auf und Regenbögen über den Talboden.

Noch nie noch nie habe ich etwas so Schönes etwas so Schönes gesehen. Es ist wie ein wunderschöner Traum.
Die Utah State Route ist 34 Meilen lang. Über diese ganze Strecke ist mir an diesem Nachmittag niemand begegnet, kein Mensch, kein anderes Fahrzeug weit und breit.
Ich fahre durch das Valley of the Gods und stoße auf die Route 163, an der östlich des Valleys die 300-Einwohner-Stadt Bluff und mein Hotel liegen. Ziemlich geschafft, aber glücklich checke ich dort ein, es ist 21 Uhr geworden, und gehe ins Cottonwood Steakhouse drei Blocks weiter, kriege einen Tisch auf der Terrasse und bestelle mir ein T-Bone zusammen mit einer Karaffe Merlot.
Das hab ich mir heute Abend verdient.

Gefahren: 487,20 Meilen
Benzin: 69,05 $
Hotel: 120 $
Essen: 42 $

Utah State Route 95 bei Hite

Durch den White Canyon

Utah State Route 261, Fahrt über die Cedar Mesa

Moki Dugway

Valley Of The Gods